Bains Tasting mit Master Distiller Andy Watts

Der Master Distiller der südafrikanischen Whiskymarke Bains kommt nach Deutschland und das sogar bis ins Xaver im wunderschönen beschaulichen Ort Peiting in Bayern. Und damit zu Monika Pummer, für die der Besuch und das damit verbundene Bains Tasting eine riesige Ehre ist.

Wer ist Monika?

Monika Pummer betreibt im ländlichen Peiting in Bayern ein schönes kleines Hotel mit dem ritterlichen Namen Zum Dragoner. Viele Durchreisende dürften jedoch nicht ahnen, was sich direkt gegenüber in einem kleinen unscheinbaren Häuschen versteckt: ihr eigentliches Baby, die Bar Xaver. Wer gerne mehr als die übliche kleine Spirituosenauswahl wünscht, wird hier glücklich: eine riesige Auswahl an Single Malt Whiskys, Rums, Gins und Co – für jeden Gaumen eine Freude. Wenn man dann aber noch so nett bedient wird wie im Xaver, dann fügt sich alles mit dem stimmigen Ambiente zu einem tollen Gesamtpaket zusammen. Und das in einem ländlichen Ort in meinem Heimatbundesland Bayern!

Xaver Peiting
Hier bekommt ihr schon mal einen kleinen Eindruck vom Tastingraum. Und die ganze Decke voll mit vielen tollen Whiskykartons!

Just für diesen kleinen schönen Fleck der Erde hat sich Andy Watts, der Master Distiller der Whiskybrennerei Bain’s aus Südafrika, angesagt. Ein Tasting soll es sein. Also gut, die Gelegenheit konnte ich mir nicht entgehen lassen und so fuhr ich nach Peiting. Trotz der weiten Anreise wahrlich ein Katzensprung im Vergleich zu einem Flug von Südafrika nach Bayern!

Andy Watts, Monika Pummer, Bains Tasting
Andy Watts, Master Distiller von Bain’s und Monika Pummer, Betreiberin der Bar Xaver

Master Distiller Andy Watts

Als Andy Watts zu erzählen begann, staunten die Tastingteilnehmer nicht schlecht. Sein Beruf sei garnicht sein Traumberuf. Er wollte schon immer Fußballer werden, letztendlich reichte es aber nur für Cricket. Nachdem er bereits für die Brennereien Bowmore und Auchentoshan gearbeitet hatte, folgte irgendwann der Ruf Südafrikas und nun ist er schon lange für die James Sedgwick Brennerei tätig.

Es war sehr interessant, den in Chapeltown (Yorkshire) geborenen Master Distiller Andy bei einem Tasting zu erleben. So ein klares und gut verständliches Englisch habe ich selten erlebt. Außerdem führte er mit viel Fachwissen und sehr unterhaltsam durch den Abend, so verging die Zeit wie im Flug. Für das Bains Tasting hatte sich Andy etwas Besonderes einfallen lassen – doch bevor ich darauf eingehe, noch ein paar Informationen zur Brennerei.

Die James Sedgwick Distillery

Die Brennerei liegt im südlichsten Staat Südafrikas, 9180 Kilometer von Peiting entfernt (das bringt euch jetzt nicht wirklich viel, aber für uns Teilnehmer des Tastings war es einfach eine Hausnummer). Hier wird der einzig kommerzielle Whisky des gesamten Kontinents gebrannt. Neben dem Bain’s Cape Mountain Whisky werden außerdem noch Single Malt Whiskys unter dem Namen Three Ships verkauft. Andy betonte mehrmals, dass die Brennerei ressourcensparend und umweltfreundlich arbeitet. So steht in der Brennerei z.B. eine Installation, mit der das CO2 rückgewonnen wird, welches während des Produktionsprozesses im Gärtank entsteht. Auf dem Gelände steht auch eine Wasseraufbereitungsanlage, da die Gegend unter chronischem Wassermangel leidet. Achja: in den acht Lagerhäusern stehen jetzt im Moment ca. 150.000 gefüllte Fässer. Doch jetzt bekommt ihr endlich mehr über das Bains Tasting selbst zu lesen.

Bains Taisting
Das Bains Tasting zum Thema “Deconstruction”

Das Bains Tasting

Andy hatte fünf verschiedene Spirits mitgebracht, um mit den Teilnehmern des Tastings eine Deconstruction zu machen. Kurz gesagt, eine Dekonstruktion des eigentlichen Whiskys. Das macht vor allem deshalb Sinn, weil man so den ungefähren Werdegang des heute erhältlichen Whiskys erahnen und schmecken konnte. Wir begannen mit dem

1) New Make Spirit (40 Vol-%)

Ein New Make Spirit ist ein klarer Brand. Im Endeffekt der Schnaps, der die Grundlage für den Whisky bildet und nun erst noch mindestens 3 Jahre und einen Tag in einem Holzfass verbringen muss, um Whisky genannt werden zu dürfen. Bei Bains hat dieser New Make eigentlich 94,3 Vol-%, was deutlich mehr ist als bei Bourbons (80 Vol-% New Make). Er wird zu 100% aus südafrikanischen gelben Maiskörnern gebrannt. Für das Tasting hat man sich dazu entschieden, auf Trinkstärke herunterzuverdünnen. Wie ich es von New Make Spirits bisher erlebt habe, ist auch Dieser sehr fruchtig mild und schmeckt nach Birne. Schöne Grundlage also.

Bains Tasting
New Make Spirit ist der reine Brand, der später ins Fass zur Lagerung gefüllt wird. Er ist durchsichtig.

2) 3 Jahre alter Grain Whisky (Lagerung in Old American Oak Casks | 40 Vol-%)

Die Lagerung des New Make Spirits erfolgte für drei Jahre in alten amerikanischen Eichenfässern, dabei handelte es sich bereits um vierte bzw. fünfte Belegung. Dies führt natürlich dazu, dass der Spirit bedeutend weniger aus dem Holz des Fasses zieht. Für mich ein “Easy Drinking” Grain Whisky, nicht mehr und nicht weniger.

Bains Tasting

3) 3 Jahre alter Grain Whisky (Lagerung in First Fill American Oak Casks | 40 Vol-%)

Der New Make Spirit wurde diesmal 3 Jahre lang in amerikanischen Eichenfässern gelagert, die zuvor noch Bourbon Whisky enthielten. Somit ist der Einfluss des Holzes bzw. des vorher gelagerten Spirits natürlich wesentlich höher. Das hat mir persönlich dann auch schon wesentlich mehr gefallen. Während die Nase noch vor allem säuerlich und vanillig war, hatte man im Geschmack Ananas, Vanille und Bananenbrot (ein Teilnehmer erwähnte ebenfalls etwas von Bananenbrot. Crazy, aber das trifft es ganz gut).

Andy Watts
Andy Watts

4) Bain’s Cape Mountain Whisky (40 Vol-%)

Da war er nun. Der Bain’s Capte Mountain Whisky. Wie uns Andy erklärte, wurde der New Make für den Whisky zuerst drei Jahre in First Fill Ex-Bourbon Casks gelagert. Zu diesem Zeitpunkt durfte das Produkt zwar offiziell Whisky genannt werden, allerdings war Andy noch nicht zufrieden. Da die Maturation, sprich der Einschluss des Fasses, von Jahr zu Jahr nachlässt, füllte er den dreijährigen Whisky für nochmals 24 Monate in frische First Fill Fässer. In der Nase hat er weiterhin die leichte Fruchtsäure, nun wird allerdings die Banane auch im Geruch deutlich, Haselnuss und Toffee zeigen sich. Durch die Zugabe von ein paar Tropfen Wasser kommen die fruchtig-blumigen Töne besser zur Geltung. Denn diese Noten sind der Schlüssel für einen guten Highball. Ein Highball wird normalerweise mit einem Blended Whisky gemacht und dieser besteht wiederum hauptsächlich aus Grain Whiskys.

Auch geschmacklich ist der Bain’s nun komplexer, die zwei weiteren Jahre haben also gut getan. Zwar schmeckt er nun nicht mehr intensiv nach Bananenbrot, die Banane ist aber subtil noch vorhanden. Dafür ist die Vanille deutlich mehr ausgeprägt, Kokosnuss und Haselnusstoffee lassen sich erschmecken. Diesem Whisky werde ich mich in einem extra Beitrag zu gegebener Zeit genauer widmen.

Bain's Cape Mountain Whisky
Bain’s Cape Mountain Whisky

Zum Schluss hatte uns Andy noch einen fünften Spirit mitgebracht, der zwar nicht zur offiziellen Deconstruction passt, aber sehr gut aufzeigt, wie der Bains mit 15 Jahren Fasslagerung schmeckt. Nämlich der bisher nur in der Brennerei und im Duty Free erhältliche auf 3600 Flaschen limitierte

Bain’s 15yo Single Grain Whisky

Optisch ist der Whisky schon mal der Knaller. Dunkle Bernsteinfarben liegen im Glas. Dieser Whisky “startete” als normaler 5 Jahre alter “Bains” und wurde dann noch für weitere 10 Jahre in verschiedenen Ex-Bourbon-Barrels gelagert, die alle bereits 3-5 Mal befüllt waren. Er ist weder gefärbt, noch kühlgefiltert und hat 52,5 Vol-%. Was könnt ihr euch bei diesem Whisky vorstellen? Er ist auf alle Fälle sehr intensiv – sowohl in der Nase als auch am Gaumen. Gleichzeitig aber auch erstaunlich mild. Im Geruch ist er neben Vanilletönen und tropischen Früchten leicht erdig. Geschmacklich bekommt man hier tropische Früchte, viel Vanille, würzige Eiche und Butterscotch. Wenn ich da also mal an eine Flasche komme, dann wird gekauft.

Bain's 15yo Single Grain Whisky
Bain’s 15yo Single Grain Whisky

Am Ende des Bains Tastings konnte natürlich jeder Teilnehmer seine eigene Flasche Bain’s Cape Mountain Whisky mit nach Hause nehmen und diese sogar von Andy signieren lassen.

Bains Tasting

Das Bains Tasting bei Monika Pummer im Xaver in Peiting war ein schöner und entspannter Abend. Die lockere Runde von 20 Tastingteilnehmern setzte sich zusammen aus Whiskyliebhabern, Neulingen und sogar ein Braumeister war dabei. Bei erfrischenden Getränken klang der Abend dann aus.

Mein Dank geht an Monika Pummer und die deutsche Brand Ambassadorin Chantalle Seidler für die tolle Organisation und an Andy Watts für das schöne und interessante Tasting.

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