Ben Nevis 1997/2017 | Malts of Scotland

Wer schon einmal einen Single Cask Whisky von einem unabhängigen Abfüller probiert hat weiß, dass darunter echte Granaten sein können. Das ist dann vor allem ärgerlich, wenn einem der Whisky wirklich gut gefällt – denn oft ist die Flasche dann bereits ausverkauft. Wie es mir mit dem Ben Nevis 1997/2017 von Malts of Scotland ergangen ist liest du in meinem heutigen Beitrag. Spannend war es für mich allein schon deshalb, weil es mein erster Whisky des unabhängigen Abfüllers aus Paderborn war.

Es begann mit einer Reise nach Schottland und dem Handel mit Whiskyfässern. Thomas Ewers gründete 2009 in Paderborn den unabhängigen Abfüller Malts of Scotland. Einige Jahre und verschiedene Preisauszeichnungen später gehört er zu den bekanntesten unabhängigen Abfüllern für schottischen Whisky in Deutschland. 2016 wurde er zudem zum Keeper of the Quaich ernannt. Das ist eine sehr wichtige und besondere Auszeichnung einer schottischen Vereinigung, die Industrie, Handel und Einzelpersonen zusammenbringt. Das Besondere an so einer Auszeichnung ist, dass man die Mitgliedschaft nicht beantragen kann. Mindestens zwei Mitglieder müssen ein potenzielles neues Mitglied nominieren. Eine ausführlichere Erklärung zu den Keepers of the Quaich findest du von Horst Lüning. Zu den Abfüllungen schottischer Single Cask Whiskys von Thomas Ewers gehört u.a. der Ben Nevis 1997/2017, über den ich heute schreibe.

Eine unterschätzte Brennerei aus den Highlands: Ben Nevis

Ganz unscheinbar in den westlichen Highlands am Fuße des gleichnamigen Berges liegt die Brennerei, um deren Whisky es heute geht: Ben Nevis. Dieses Jahr bin ich mit meiner Frau auf unserer Hochzeitsreise durch Fort William gefahren – für einen Zwischenstop war aufgrund unseres Zeitplans leider keine Zeit. Was nicht ist kann aber sicher noch werden.

Ein Großteil der Produktion dieser Brennerei wird für Blends der Marke Nikka verwendet. Das ist nicht verwunderlich, denn Ben Nevis gehört seit 1989 zu dem japanischen Unternehmen. Nur wenige offizielle Abfüllungen der Brennerei sind auf dem Markt. Deshalb ist Ben Nevis gerade bei unabhängigen Abfüllern beliebt. So hat Malts of Scotland nun auch diesen 20-jährigen Whisky aus einem Single Cask abgefüllt. Wer sich erinnert: einer der für mich bisher besten Whiskys stammte ebenfalls von dieser Brennerei, allerdings von einem anderen Abfüller: der Ben Nevis 1995-2018 aus einem Sherry Butt. Wie sich der Ben Nevis 1997/2017 schlägt, liest du in den folgenden Zeilen.

Mein Dank für die Fotos geht an den Genießer Steffen Heidle, der auch die Flaschenteilung des Whiskys organisiert hat.

Faktencheck

  • 48,1 % Vol.
  • 20 Jahre alt (Distilled 1997 / Bottled 2017)
  • Single Cask: 216 Flaschen (MOS Cask 17033)
  • nicht kältefiltriert
  • keine Verwendung von Farbstoffen
  • Lagerung im Bourbon Hogshead
  • Unabhängiger Abfüller: Malts of Scotland
  • 99,00 € (0,7 Liter)
Ben Nevis 1997/2017 Malts of Scotland

Tastingnotes: Ben Nevis 1997/2017

Anders als man bei einem Whisky erwarten würde, dessen Farbton die Assoziation zu Honiggelb weckt, habe ich nur eine leichte ölige Konsistenz an der Wand des Nosingglases. Wenn er schon so honiggelb leuchtet, wie riecht und schmeckt er dann erst?

Vanille und vor allem Butterscotch sind das, was ich zuallererst rieche. Etwas Zitrussäure kitzelt mich an der Nase. Eine leichte malzige Note gesellt sich dazu. Die Aromen sind sehr intensiv und süß, bei längerem Nosing kann sich ein leichter Phenolgeruch nicht verstecken. Allerdings tritt durch das längere Verriechen auch etwas zu Tage, was für das Malz verantwortlich ist, nämlich Gerste. Mit ein paar Tropfen Wasser wird der Whisky nicht intensiver oder komplexer, sondern eher sahniger und weicher. Geruchlich schonmal ein Sahnebonbon, aber irgendwie fehlt mir bisher noch etwas Komplexität für einen 20-Jährigen Whisky.

Mild cremig legt sich der Ben Nevis 1997/2017 um meine Zunge. An allen Enden schmecke ich Butterscotch – schön sahnige süße Karamellbonbons. Vanille legt sich ebenfalls auf die Zunge. Typisch Bourbonfass. Hat mich die Nase schon mal nicht belogen. Doch ein bisschen spannender, als ich ihn verrochen hatte, ist er doch. Denn nach und nach wird es im Mundraum ordentlich trocken. Macht sich hier also doch etwas das Alter bemerkbar. Noch dazu hat ja Ben Nevis auch immer etwas Trockenes an sich. Ich bin mir sicher, dass das trockenes Eichenholz ist, was ich da wahrnehme.

Mit ein paar Tropfen Wasser werden die Aromen noch intensiver, noch cremiger und süßer. Andere bisher nicht so aufgetretene Noten bringt das Wasser aber nicht hervor.

Der Abgang ist ebenfalls cremig, macht sich aber eher mit Honigaromen breit. Da kommen dann noch ein paar bittere Kräuter dazu, gefolgt von einigen fruchtigen Anklängen. Die erinnern mich irgendwie etwas an Mirabellen, also gelbe Früchte.

Fazit

Für einen gemütlichen Abend ist der Ben Nevis 1997/2017 wirklich ein cremig leckerer Dram. Sahnekaramellbonbons gehen immer und das bietet der Whisky reichlich. Das kann man ganz entspannt und ohne große Konzentration auf Nosing oder Tasting genießen. Für einen 20 Jahre alten Whisky mit 48 Vol-% könnte er aber komplexer und spannender sein. Bis auf etwas Brennereicharakter bleibt da eigentlich nur der typische Einfluss des Bourbonfasses übrig.

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