Bunnahabhain Eirigh Na Greine (Batch 5) | Review

“Bunnahabhain Eirigh Na Greine”. Was hier von einigen Lesern wie ein Zungenbrecher gehalten wird, ist wirklich schwer auszusprechen. Es handelt sich dabei um einen Whisky von der schottischen Insel Islay. Was allerdings der Name bedeutet, wie der Whisky schmeckt und warum er so ganz anders als andere Whiskys der Insel ist, erfahrt ihr im folgenden Beitrag.

Zeitsprung ins Jahr 1881: mit Bunnahabhain (gälisch für “Flussmündung”) wurde die nördlichste Brennerei auf der Insel Islay bei Port Askaig gegründet. Während alle anderen Whisky Destillerien auf der Insel Islay torfhaltiges Wasser zur Destillation ihrer Whiskys verwenden, bildet Bunnahabhain eine Ausnahme. Das weniger torfhaltige Wasser stammt aus einem Fluss, dem Margadale River und wird über eine unterirdische Pipeline zur Brennerei gefördert. Das führt dazu, dass die Produkte von Bunnahabhain wesentlich “rauchfreier” als andere Islay-Whiskys schmecken und Bunnahabhain gerade bei Fans nicht torfiger Whiskys beliebt ist.

Der Bunnahabhain Eirigh Na Greine (engl. “Morning Sky” / dt. “Morgenhimmel”) wurde 2014 exklusiv als 1-Liter-Flasche für den Travel-Retail veröffentlicht, man konnte die Flasche also nur als Reisender in Duty Free Shops erwerben. Mittlerweile gibt es diese Flasche anscheinend auch im stationären Handel. Dank Matthias von den Whisky-Freunden Oberland konnte ich an ein Sample des obigen Whiskys von Batch 5 gelangen. Von ihm stammen übrigens auch die schönen Flaschen-Fotos in diesem Beitrag.

Bunnahabhain Eirigh Na Greine
Das Etikett

Der Name “Morgenhimmel” ist hier auch Programm. Denn das, was in der Flasche schlummert, wurde in verschiedenen französischen und italienischen Rotweinfässern gelagert und dann in der Brennerei zum “Bunnahabhain Eirigh Na Greine” vermählt. Bei einem Blick auf die Flasche erkennt man auch, dass keine Altersangabe vorhanden ist.

Der Bunnahabhain Eirigh Na Greine im Test

Bunnahabhain Eirigh Na Greine
Bersteinfarben im Glas

Der Antritt des bernsteinfarbenen Whiskys in der Nase ist schwer. Hier dominieren dunkle Früchte und etwas Weißwein. Trockenes Holz und alkoholische Nuancen folgen den Früchten und etwas Vanille. Im Hintergrund sind maritime Töne, auch Salz und minimaler Torfrauch vorhanden. Insgesamt könnte das Aroma allerdings gerne noch intensiver sein.

Was ich an Bunnahabhain so liebe, schlägt mir direkt beim Antritt im Mundraum entgegen: maritime Töne und Salz so ganz versteckt ein minimaler Torfrauch. Ich nenn sie einfach mal frische Meeresbriese von Islay, damit ihr erahnen könnt, was ich schmecke. Geschmacklich sind die Rotweinfässer bemerkbar, hauptsächlich gesellen sich zur frischen Briese allerdings dunkle Beeren, süßes Karamell (Butterscotch), leichte bittere Töne, trockenes Holz (völlig an den Haaren herbeigezogen, aber stellt euch mal altes Holz von Fischerbooten vor). Frisch gemahlener Pfeffer und nussige Töne sind vorhanden, kommen aber erst kurz vor dem Abgang zum Tragen.

Der mittellange Abgang offenbahrt sich sehr würzig. Frisch gemahlener schwarzer Pfeffer mit dunklem ungesüßten Kakao und schwarze Kaffeebohnen. Leichte beerige Klänge sind noch spürbar.

Tastingnostes

Optik: Bernstein (ungefärbt)

Geruch: dunkle Früchte, Weißwein. Trockenes Holz, Alkohol, Vanille. Maritime Töne, etwas Salz und minimaler Rauch

Geschmack: Maritime Töne, Salz, minimaler Torfrauch. Rotwein, dunkle Beeren, Butterscotch, bittere Nuancen, trockenes Holz. Frisch gemahlener Pfeffer und nussige Töne

Abgang: Mittellang. Stark würzig, frischer Pfeffer, ungesüßter Kakao, schwarze Kaffeebohnen und beerige Nuancen.

Fazit: Auch wenn der Bunnahabhain Eirigh Na Greine in verschiedenen Weinfässern gelagert wurde und mit dem Namen “Morgenhimmel” sogar noch auf die Lagerung anspielt, hätte er intensivere Rotweinaromen vorweisen können. Er ist einfach durch das junge Alter noch etwas ungestüm, weshalb wir uns geschmacklich viel eher zwischen Sherry und Rotwein bewegen. Im Hinblick auf den Literpreis und das Alter der verwendeten Whiskys ist die Kombination mit den maritimen Noten kein uninteressanter Whisky, aber ein paar Jahre mehr in Rotweinfässern würden ihm für spätere Batches bestimmt nicht schaden.

Diesen Whisky bekommt ihr z.B. bei Whiskycircle

Bunnahabhain Eirigh Na Greine
Das alte Flaschendesign

7 Gedanken zu „Bunnahabhain Eirigh Na Greine (Batch 5) | Review

    1. Hi Chris. Jein. Den überwiegenden Anteil am torfigen Whisky macht tatsächlich der über dem Feuer getrocknete Torf aus. Wenn aber bereits im Quellwasser Torf enthalten ist, kann das auch Einfluss auf den Whisky nehmen. Wenn auch einen wesentlich geringeren als der getrocknete Torf.

      1. Ok, das kannte ich so nicht. Aber ist das wirklich der einzige Unterschied zwischen Bunnahabhain und den anderen Islay-Brennereien? Denn wenn der Einfluss des torfhaltigen Wassers nur gering ist, dann müsste ja auch der Unterschied zwischen Bunnahabhain-Whisky und Lagavulin, Ardbeg & Co. geringer sein als es tatsächlich der Fall ist.

        1. Ist beim Bier auch nicht viel Anders. Die Qualität und Beschaffenheit des Wassers macht viel aus. Ausser den verschiedenen Brennerei Charaktern der Brennereien kommt es ja immer drauf an, wie und mit welchen Rohstoffen der Whisky hergestellt wird (Rezeptur). Zwischen Paulaner und Augustiner liegen geschmacklich auch Welten, auch wenn sie sogar in der gleichen Stadt gebraut werden.

Schreibe einen Kommentar

Ich akzeptiere