Cameronbridge 25 years Sherry Cask Whic

Cameronbridge 25 years Sherry Cask | WHIC

Dieser Whisky ist für mich mal wieder ein erstes Mal. Es ist mein erster Single Grain Whisky im Glas – und dann gleich ein Hochkaräter. Vorhang auf für den Cameronbridge 25 years Sherry Cask vom unabhängigen Abfüller WHIC.

Heute im Glas: Cameronbridge 25 years

Heute darf ich einen 25 jährigen Single Grain Whisky aus der Cameronbridge Distillery verköstigen. Dieser Whisky ist auf gleich zwei Arten besonders: Zum einen ist es ein Single Grain Whisky, also ein Whisky aus verschiedenen Getreidesorten. Im Gegensatz zu Single Malt wird schottischer Grain Whisky selten von der Brennerei direkt auf den Markt gebracht, sondern fließt hauptsächlich in die Produktion für Blended Whisky. Zum anderen durfte dieser Single Grain ganze 25 Jahre in einem Sherry Fass lagern, was ihn noch exklusiver macht. Der Abfüller WHIC bezeichnet den Whisky im Shop als Sherrybombe. Zu Recht?

Cameronbridge selber bringt mit dem Cameron Brig Single Grain Scotch nur eine eigene Abfüllung auf den Markt. Und das obwohl die Brennerei zu den ältesten und größten Grain Distillerien Schottlands gehört, die allesamt in den Lowlands beheimatet sind. Bekannte Single Malts aus dieser Gegend sind z.B. Auchentoshan und Glenkinchie. Vor einigen Jahren neu dazugekommen ist die Clydeside Distillery, die Florian letztes Jahr besucht hat. Ein kleiner Fun Fact und Orientierungspunkt für jemanden der noch nie Grain Whisky getrunken hat: Der Grain-Anteil im Blended Whisky sorgt unter anderem für die erfrischende Blumigkeit, wenn man ihn im Highball mit Soda mischt. Nun widme ich mich aber endlich dem Star des Abends und prüfe, inwieweit die 25 Jahre im Cameronbridge Single Grain ihre Spuren hinterlassen haben.

Cameronbridge 25 years Sherry Cask Whic

Faktencheck

  • Cameronbridge Distillery
  • 25 Jahre
  • Sherry Cask
  • 57,6 % Vol. (= natürliche Fassstärke)
  • 503 Flaschen
  • Kein Farbstoff, keine Kühlfiltrierung
  • 99,90€ (0,7 Liter)

Tastingnotes: Cameronbridge 25 years

Seine Spuren hinterlassen hat das Fass auf jeden Fall bei der Optik. Wie wir bereits wissen wurde an diesem Whisky nichts “getuned”, sondern alles der Vorbelegung mit Sherry und der Zeit überlassen. Je nach Einfallswinkel bricht sich das Licht zwischen Rostrot und dunklem Karamell.

Den Karamellton habe ich auch gleich in der Nase, als ich mein Glas schwenke und beobachte, wie der dünne Film langsam die Glaswand runter rinnt. Dazu gesellen sich dunkle Früchte wie Apfel gepaart mit Nüssen und Mandeln. Zusammen mit vanilligeren Ausreißern und einer leicht alkoholischen Note, die später einsetzt, erinnert mich das an “Božkov Speciál mandlový”. Einen günstigen tchechischen Rum mit Mandelaroma. Und zack, schon sitze ich gedanklich mit zwei Freunden in einer wunderbaren Hytta an einem Fjord in Mittelnorwegen. Draußen prasselt der Regen, drinnen das Kaminfeuer während im Ofen unser selbstgemachtes Brot bäckt. Männertrip ans Nordkap 2018. Lustig was Aromen mit der Erinnerung alles anstellen können.

Hytta am Fjord, Mittelnorwegen
Cameronbridge 25 years Sherry Cask: Meine Assoziation zum Nosing

Im Tasting bleibt der schwere Grundton erhalten. Ich habe mir sagen lassen, dass das typisch sein soll. Durch seine Destillation im Säulenverfahren (column still) kann der Grain nicht so vielschichtig sein, wie ein Malt Whisky aus einer Brennblase. Da ich vorher noch keinen Single Grain Whisky im Glas hatte, nehme ich das jetzt erstmal ohne Wertung mit. Ich kann hier nur den Vergleich zu Blended Whiskys ziehen, deren Ziel es ist auch bei riesigen Produktionskapazitäten eine gleichbleibende Qualität zu erzielen und den Grain-Anteil gezielt einsetzen.

Trotz der fehlenden Komplexität kann man jedoch die Aromen im Mund differenzieren. Die bereits erwähnten Äpfel, Nüsse und ebenfalls Trockenfrüchte auf der herben Seite und die Süße (Karamell, Vanille) am anderen Ende des Spektrums. Zum Schluss wird es noch einmal leicht pfeffrig scharf. Der Abgang wiederum ist aber sehr kurz und hinterlässt keinen bleibenden Eindruck im ersten Versuch.

Im Gegensatz zu anderen Whiskys hatte ich übrigens nicht den Eindruck, dass sich der Cameronbridge mit der Zeit öffnet. Es macht also keinen Unterschied, wie lang ihr in offen im Glas stehen lasst.

Ein paar Tropfen Wasser helfen jedoch um die süßen Noten hervor zu locken. Und auch der Abgang ist dann spürbar kräftiger und etwas länger anhaltend. Dem hohen Alkoholgehalt von 57,6% vol. schaden die paar Tropfen Wasser übrigens auch nicht, manchmal ist ein wenig Verdünnung sogar gewünscht.

Fazit

Der Cameronbridge 25 years Sherry Cask vom unabhängigen Abfüller Whic ist kein Whisky für alle Tage. Er passt gut in den Herbst und für kalte, ungemütlich Tage über das Jahr verteilt. Das kann ein verregneter, bayrischer Sommer genauso sein wie die Schlechtwetterfront, die mich 2018 gute zwei Wochen durch Norwegen begleitet hat. So wie es kein Whisky für alle Tage ist, so ist es auch kein Whisky für jeden Genießer. Man sollte sich schon gerne in der Nische Single Grain bewegen oder großer Sherryfan sein, um garantiert glücklich zu werden. Unterm Strich hat mich der Cameronbridge nicht hunterprozentig überzeugen können. Ich bin froh, den Whisky probieren zu dürfen, denn von einem Experiment würde mich, trotz aller Exklusivität, der hohe Preis dann doch abhalten.

Für dieses Review hat uns der Abfüller und Onlinehändler Whic.de ein Sample kostenfrei zur Verfügung gestellt, was natürlich unsere Meinung nicht beeinflusst. Wir bedanken uns vielmals für den fortlaufenden Support für unseren Blog.

Andere Stimmen aus der Bloggerwelt:

Eine Verkostung ist logischerweise immer Geschmackssacke und nicht selten auch tagesformabhängig. Daher schauen wir immer gerne, was andere Bloggerkollegen über den Whisky berichten und ob die Meinungen auseinander gehen. Dieses Mal zeigen Malte (Malte talks Malt) und Tim (WhiskyHelden), dass auch dieser Kandidat entweder auf den zweiten Blick oder gleich von Anfang überzeugen kann.

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