Clydeside Distillery | Clydeside Tour

Clydeside Distillery | Clydeside Tour

Nach über 100 Jahren öffnete die Clydeside Distillery 2017 ihre Tore in einem alten Pumphaus in Glasgow. Die Wurzeln der zweiten neuen Brennerei Glasgows liegen jedoch weit in der Vergangenheit der schottischen Hafenstadt. Ist die Brennerei einen Besuch wert?

2019 war für mich ein großes Jahr. Im Terminkalender stand meine Hochzeit an. Wir hatten uns dazu entschlossen, nach unserem großen Tag die Flitterwochen in Schottland zu verbringen. Wir freuten uns auf die wunderschöne Natur, unglaublich tolle Menschen und den Genuss der schottischen Ess- und Trinkkultur.

Einige Brennereibesichtigungen hatten wir uns ebenfalls vorgenommen, die am River Clyde gelegene Clydeside Distillery kam aber eher kurzfristig auf den Plan. Sie ist die zweite Brennerei, die seit 100 Jahren in dieser interessanten Hafenstadt eröffnete. Aktuell wird dort seit 2017 produziert, einen eigenen Whisky hat die Brennerei allerdings noch nicht. Pierre von Wee Dram Fife empfahl uns trotzdem, die in einem alten Pumphaus (“Queen’s Dock”) gelegene Clydeside Distillery zu besichtigen. Nach dem persönlichen Empfang durch Bridgeen Mullen (Visitor Centre Manager) und der erteilten Fotoerlaubnis schlossen wir uns der Clydeside Tour an.

Clydeside Distillery Clydeside Tour
Hier stehe ich vor dem Besuchereingang der Brennerei, durch den man in den Distillery Shop und das Cafe kommt.

Teil 1 der Clydeside Tour | Die Geschichte der Clydeside Distillery

Die Clydeside Tour startet mit einem etwa 5-10 Minütigen Introfilm auf einer Leinwand. Dann geht es mit einer Multimedia-Ausstellung weiter, in der dem Besucher viel über die damalige Zeit, die Verschiffung von Whisky am River Clyde, die Geschichte der Docks und die Gründung der Brennerei erzählt. Sie besteht aus interaktiven Tafeln, Infowänden und einer weiteren Videoleinwand. Da es aber bei einer Brennerei Tour nicht nur um die Vorgeschichte, sondern hauptsächlich um die Brennerei und Ihre Produktion gehen sollte, ist das nur ein kurzweiliger Ausflug in die Vergangenheit.

Die eigentliche Führung durch die Clydeside Distillery übernimmt dann ein Tourguide. Als meine Frau und ich die Brennerei besucht haben, leitete die junge Schottin Erin die Tour. Gestartet wurde mit ein paar Anekdoten zum Gründer Tim Morrison. Wie uns Erin erklärte, baute sein Vorfahr John Morrison 1836 das Pumphaus, in dem sich jetzt die Brennerei befindet und nannte es “Queen’s Dock”. Damit trug er einen wichtigen Anteil zur Wasserversorgung Glasgows bei. Nach diesem Ausflug in die Vergangenheit ging Erin auf den eigentlichen Produktionsbetrieb und die Rohstoffe über.

Teil 2 der Clydeside Tour | Die Clydeside Distillery

Die Brennerei wurde, wie bereits erwähnt, in einem alten Pumpenhaus errichtet. Wegen der Lage gibt es allerdings Platzprobleme, weshalb die Brennerei über keine eigene Mälzerei verfügt und das Fasslager an einem anderen Ort und somit für den Besucher leider nicht einsehbar ist.

Clydeside Distillery Clydeside Tour
8 stählerne Washbacks

Die Clydeside Distillery verfügt über einen 28 Tonnen Tank für das Getreide und 8 stählerne Washbacks. Gebrannt wird auf zwei klassischen kupfernen Pot Stills der Marke Forsyth. Das Wasser stammt nicht, wie man vielleicht hätte annehmen können, aus dem direkt an der Brennerei gelegenen River Clyde. Denn natürlich ist es dafür viel zu schmutzig. Ganz Glasgow erhält sein Trinkwasser aus dem Loch Katrine.

Anhand der Fotos kann man in meinen Augen sehr gut erkennen, dass die Clydeside Distillery nicht hinter dem magischen Charme früherer Brennereien mit Holzverkleidungen und Co versteckt wird, sondern das Augenmerk auf das Endprodukt gelegt wird. Ganz im Stile ihrer Entstehungszeit (2017) sieht man hauptsächlich Metall und Leuchtstoffröhren. Das muss nicht jedem gefallen, aber für mich war es eine Abwechslung zu den bisher besuchten Brennereien.

Im nächsten Raum, der wie ein großer Glaskasten aussieht, befinden sich die Stills (Brennblasen). Hier wird gebrannt und dann der Vorlauf, New Make Spirit und Nachlauf voneinander getrennt. Auf meinem Foto kann man es leider nur ein bisschen erkennen, aber der Vorlauf mit 76,5 Vol-% hat eine bläuliche Verfärbung durch das enthaltene Kupfersulfit. Dazwischen steht der New Make Spirit mit 71 Vol-%, der dann letztendlich mit 63,5 Vol-% in den Fässern mindestens 3 Jahre und einen Tag ruhen darf. Diesen kann man im Distillery Shop mit 63,5 Vol-% erwerben. Der Nachlauf bzw. Ausschuss (“Low Wines”) hat nur noch 32 Vol-% und ist leicht milchig.

Clydeside Distillery | New Make Spirit
Im Shop zu erwerben: der New Make Spirit von der Clydeside Distillery in der 200ml Flasche

Teil 3 der Clydeside Tour | Das Tasting

Kurz vor dem Tourende wird man in den eigens für Tastings eingerichteten Tasting Room geführt. Wer hier nun erwartet, einen Whisky der Clydeside Distillery probieren zu können, muss allerdings noch bis mindestens 2020/2021 warten. Da die Brennerei erst 2017 die Pforten öffnete, ist der bisherige New Make Spirit in den Fässern noch keine drei Jahre und einen Tag alt. Abhilfe schafft man mit drei verschiedenen 10 Jahre alten Whiskys ohne Brennereiangabe, die die Aromenprofile der Whiskygegenden Lowlands, Highlands und Islay darstellen sollen.

Diese sind übrigens auch im Distillery Shop zu erwerben – hierfür wurde ein Teil des Shops als “Create your own Whisky” Bereich umgebaut. Konkret heißt das, der Besucher kann sich einen der drei Whiskys aussuchen und sein handbeschriebenes Etikett aufkleben. Eine gelungene Idee, allerdings hätte ich mich viel mehr über einen fertigen Whisky der Brennerei gefreut.

Clydeside Distillery

Eine ausführliche Beschreibung des New Make Spirits inklusive meiner Geschmacksnotizen findest du im folgenden Beitrag:

Faktencheck

  • Tourname: Clydeside Tour
  • Dauer: 60 Minuten
  • Stündlich von 10-16 Uhr (Stand April 2020)
  • Preis: 15 Pfund
  • Inhalt: teils interaktive, teils geführte Tour mit Tasting von drei Single Malt Whiskys, kleines Glas als Andenken
  • Webseite: Clydeside Distillery Site

Fazit zur Clydeside Tour

Zugegebenermaßen mag der Preis von 15 Pfund für die Tour im Vergleich zu anderen Distillery Tours etwas ambitioniert sein. Die Gestaltung der Tour und die tolle Architektur machen für mich jedoch den Besuch der Brennerei interessant und lohnenswert. Somit ist die Ausgangsfrage mit einem New Make Spirit klaren Ja beantwortet. Denn auf den ersten richtigen Whisky der Brennerei muss man noch etwas warten. Wer aber schon jetzt den kreativen Spirit der Brennerei und einen zuvorkommenden Service erleben möchte, sollte sich bei einem Besuch Glasgows die Clydeside Distillery nicht entgehen lassen.

Meine persönliche Empfehlung

Wenn du noch etwas Zeit hast, kannst du dich im Cafe der Brennerei erfrischen. Hier besteht auch die Möglichkeit, gegen kleines Geld einen der angebotenen Tasting-Flights zu bestellen. Dieser wird aus vier verschiedenen Drams zusammengestellt und mit ein paar Crackern sowie Käse serviert. Ein Mitarbeiter des Cafés erklärt den Tasting Flight.

Nach der Tour haben wir uns noch mit einer Taste of Scotland Platter gestärkt. Die Mischung aus zweierlei geräuchertem schottischen Lachs, Schinken, Salami, Pastrami, verschiedenen regionalen Käsesorten und Crackern war für uns neben der informativen und interessanten Brennereitour ein echtes Geschmackshighlight.

Mein Dank geht an Pierre von Wee Dram Fife für die Organisation, an die Leiterin des Besucherzentrums Bridgeen für den lieben Empfang und Service. Und natürlich an meine Frau, die einige der Fotos beigesteuert hat.

Clydeside Distillery Clydeside Tour

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