Des Kumpels Schicht-Glück | The Spirits Alchemist

Unter dem Namen The Spirits Alchemist bringt Sebastian Büssing seine erste eigene Abfüllung mit dem Namen Des Kumpels Schicht-Glück auf den Markt. Am Ehesten wird er vielen Whisky-Genießern als Markenbotschafter für die schottische Brennerei Loch Lomond etwas sagen, aber eventuell schafft er dies auch mit seiner ersten eigenen unabhängigen Abfüllung?

Für sein erstes Projekt unter dem Label The Spirits Alchemist hat sich Sebastian Büssing, der aus dem Ruhrgebiet stammt, einen schottischen Whisky aus einer Brennerei der Highlands ausgesucht. Die Rede ist von einem Tullibardine. Die Lagerung des Tullibardines erfolgte in einem First Fill Bourbon Cask für einige Jahre, zu einer genauen Angabe ließ sich Sebastian nicht hinreißen. Allerdings muss ich zugeben, dass meine Nachfrage eher der Informationsbeschaffung für diesen Artikel galt, da mir mittlerweile der Geschmack viel wichtiger ist als eine Altersangabe. Für das Finish kam der Whisky in ein Moritz Fiege Eispilsbock Cask.

Was ist ein Moritz Fiege Eispilsbock Cask?

Das habe ich mich zumindest gefragt, als mir Sebastian von seinem Whisky erzählte. Wenn man allerdings etwas recherchiert, kann man es sich zumindest denken.

Moritz Fiege ist eine alt eingesessene Privatbrauerei aus Bochum, deren Eispilsbock als Vorbelegung im Whiskyfass diente. Für diese Bierspezialität wurde ausschließlich die Vorderwürze verwendet und auf das klassische Überschwänzen im Läuterbottich (das Aussüßen) verzichtet. Aus diesem Pilsbock hat Sebastian einen Eisbock mit 20 Vol-% kreiert. Aus einem stärkeren Bier wie z.B. einem Bock kann man einen Eisbock herzustellen, indem man das eingebraute Bier bei Minustemperaturen lagert bzw. einfriert (“Kalthopfung”). Durch unterschiedliche Gefrierpunkte entsteht dann ein dickflüssiger Eisbock mit mehr Alkoholgehalt.

Dieser wurde von Sebastian für ein ganzes Jahr in einem rauchigen Whiskyfass gelagert. Anschließend wurde das Fass für sechs Monate mit dem Tullibardine befüllt. Also ein sehr spezielles und aufwändiges Projekt. Während dem Schreiben dieser Zeilen bin ich noch neugieriger auf den Whisky geworden, der exklusiv im Fanshop der Brauerei Moritz Fiege erworben werden kann. Haben diese Bedingungen auch deine Vorfreude auf diesen Whisky geweckt?

Des Kumpels Schicht-Glück von The Spirits Alchemist
So sieht die Flasche vom “Des Kumpels Schicht-Glück” aus.
Danke für das Foto an Sebastian Büssing.

Faktencheck

  • 57,8 % Vol.
  • keine Altersangabe
  • nicht kältefiltriert
  • keine Verwendung von Farbstoffen
  • Reifung in einem First Fill Bourbon Cask
  • Finish in einem Moritz Fiege Eispilsbock Cask (6 Monate)
  • 79,00 € (0,5 Liter)

Tastingnotes: Des Kumpels Schicht-Glück

Mit einem kräftigen Orange-Gold liegt Des Kumpels Schicht-Glück im Glas und zieht nur leichte ölige Schlieren, wenn man das Nosing-Glas vorsichtig dreht. Beim ersten Nosing eröffnen sich mir Aromen, die ich bisher noch bei keinem Whisky hatte. Mir dampft in ordentlicher Kraft der Geruch von Starkbier entgegen. Dann wirkt es auf mich so, als hätte jemand flüssigen Honig in das Starkbier gekippt. Wirklich verrückt, aber irgendwie auch anziehend. Auch wenn du vielleicht den Kopf schütteln wirst, bei dem was ich jetzt schreibe, dennoch trifft es für mich den Nagel auf den Kopf. Ich habe schon mal mit Ahornsirup karamellisierten Speck probiert. Fettig, süß und viel Umami. Und genau das rieche ich gerade neben dem Starkbier. Karamellisierter, leicht angekokelter Speck. Und darüber etwas Vanille. Dieser Geruch erscheint mir zwar logisch, da ein First Fill Bourbon Fass zur ersten Lagerung verwendet wurde. Aber dennoch verwirrt mich dieses Aroma etwas im Hinblick auf den Gesamteindruck. Hat schonmal jemand karamellisierten Speck mit frischer Vanille probiert?

Verrückte Nosingnotes – ob der Whisky auch so schmeckt?

An der Zunge melden sich leichte Zitrusnoten und eine angenehme Würzigkeit, das geht dann relativ bald über in ein mildes Vanillearoma. Hier haben wir also wieder das First Fill Bourbon Fass. Der Übergang zum cremigen Honig ist relativ fließend, denn die cremigen milden Geschmäcker passen sehr gut zusammen. Diese cremige Süße macht sich wirklich im ganzen Mund breit – vergleichbar mit dem Essen eines ganzen Esslöffels voll wunderbar cremigem Imkerhonig. Eine intensive Malzigkeit kommt am Gaumen an und dann bekommt die ganze Sache etwas Tempo. Der Alkohol ist spürbar, was bei 57,8 Vol-% zu erwarten war. Mehr als ein leichtes Brennen kann ich dennoch nicht spüren. Schönes malziges Bieraroma taucht aus den süßen und würzigen Noten auf und legt sich gemächlich im Mundraum ab. Passend daneben ein Teller karamellisierter Speck, der beim Anbraten leicht verbrannt wurde.

Im Abgang erwartet mich dann eine trockene Würzigkeit, die ich dem Eichenholz zuschreibe. Plötzlich spüre ich etwas bittere und kühlende Aromen, die an Kräuter erinnern. Intensive Starkbiernoten machen sich nochmals bemerkbar. Das Ganze geht am Gaumen lange und wärmend unter.

Fazit

Verrückt, was Sebastian Büssing uns hier serviert. Für seine erste offizielle unabhängige Abfüllung hat er schon mal in die Vollen gegriffen. Der Des Kumpels Schicht-Glück ist ganz anders, als ich es bisher von Whisky gewohnt bin. Ein paar Bier-Finishes habe ich schon probiert, aber keines hatte diese aufregende Aromenwelt zu bieten wie dieser Whisky. Dafür mag unverkennbar natürlich das besondere Finish verantwortlich sein. Dieses wird es mangels der Verfügbarkeit des Eispilsbock von Moritz Fiege und Sebastian Büssing so auch nie wieder geben. Oder bedeutet Batch 1 etwa, dass es Nachschub für die 57 Flaschen geben wird?

Hierbei handelt es sich wie immer um einen unabhängigen Bericht von www.coffeewhiskyandmore.de, in dem ausschließlich die persönliche Meinung des Artikelerstellers dargestellt wird. Mein Dank gilt Sebastian Büssing (The Spirits Alchemist), der mir freundlicherweise für diesen Beitrag ein Sample zur Verfügung gestellt hat.

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