Doemens Gin Tasting & Destillation

Zur diesjährigen Mitgliederversammlung des Bundes der Doemensianer Anfang des Jahres, zu der auch meine bessere Hälfte als gelernte Betriebsbraumeisterin eingeladen war, bot die Fachakademie Doemens in Gräfelfing b. München verschiedene Workshops an. Wir entschieden uns für ein Gin Tasting mit Dozent Dr. Gerrit Blümelhuber, der mir nach dem Tasting noch Rede und Antwort stand (mehr dazu weiter unten). Das Besondere an diesem Tasting? In Echtzeit wurde während des Tastings ein Gin auf einer Lehrdestille destilliert.

Sibylle

Doemens
Sibylle

Wer ist “Sibylle”? Da tauchen sicher bei Jedem Fragezeichen auf, der am heutigen Tag nicht dabei war. Die Rede ist weder von einer Frau, noch von einem Gin. Sibylle heißt die Lehrdestille der Doemens Fachakademie, an der auch am heutigen Tag ein Gin destilliert wird. Es handelt sich dabei um eine Verschlussdestille. D.h. dass die Destille während des Herstellungsprozesses komplett unter zollbehördlichem Verschluss steht. Alles ist “verblombt” und am Schluss wird die tatsächlich entstandene Alkoholmenge ermittelt und versteuert.

Der Brennvorgang

Für die Kontinuität dieses Beitrags habe ich Destillationsvorgang und Gin-Tasting getrennt, da Beides zur gleichen Zeit geschah. Verwendet wird für den heutigen Brennvorgang 30 Liter Neutralalkohol von der Firma Lautenbacher. Dieser Ausgangsalkohol ist “Primasprit” aus Getreide und muss mindestens 96 Vol.-% haben. Bei einem Preis von ca. 20 € pro Liter gehen dann etwa 9 Euro pro Liter an den Hersteller und der Rest sind Steuern. Der erste Vorlauf hat 87 Vol.-%. Natürlich haben wir probiert. Schmeckt sehr interessant, vor allem süß und wacholdrig. Da Wacholder ätherische Öle besitzt, ist er das Erste, was beim Destillationsvorgang aromatisch durchkommt. Um das Destillat auf 45 Vol.-% herunterzuverdünnen, werden 0,91 Liter Brauwasser zugegeben.

Doemens Lehrdestille "Sibylle"
Einfüllen des Brauwassers

Dank einer App war die Menge an zuzuführendem Wasser auch sehr einfach zu berechnen. Der fertige Gin wird in der Runde verkostet und beurteilt. Interessant hierbei auch, dass vor allem Teilnehmer aus dem Brauer- und Brennbereich anwesend sind und so natürlich einen anderen Blick auf das fertige Destillat haben, als ich. Doch kommen wir zur Verkostung. In der Nase sind im Antritt sofort Mate und Wacholder vorhanden. Geschmacklich bietet der Gin eine relativ mild süßliche Mischung aus Eukalyptus, Mate, Koriander, Orangenschale, Anissamen, Angelikawurzel und Wacholder. Ein aromatisch interessantes Ergebnis.

Das Tasting

Doemens
Dr. Gerrit Blümelhuber (Dozent)

Bevor das Gin Tasting starten konnte, ging der Dozent Dr. Gerrit Blümelhuber auf die historische Bedeutung des Gins ein. Auf einem Tisch hatte er uns allerlei Gin-Zutaten, auch Botanicals genannt, vorbereitet. Vom der grundlegenden Gin-Zutat Wacholder über Mate bis hin zu Zitronen und Orangen. Speziell die Zutaten für den heute destillierten Gin waren vertreten. Was in Blümelhubers Augen vor allem wichtig für die Auswahl der Botanicals sei: das Zusammenspiel der verschiedenen Bestandteile im Gin. Man “müsse nicht jedes einzelne Botanical herausschmecken”. Danach ging es zur Ginauswahl, die Dr. Blümelhuber aus seinem privaten “Gin-Schrank” bereitgestellt hatte: 9 verschiedene Vertreter der Kult-Spirituose.

Doemens Gin Tasting
Folgende Spirituosen v.l.n.r. wurden im Tasting verkostet: Muscatel Gin, Genever Jonge, The Duke Gin, Genever Oude, August Gin, Sünner Dry Gin, Siegfried Rheinland Dry Gin, Monkey 47, Grassl Bergbrenner Gin

Beginnen wollte Dr. Blümelhuber allerdings aus historischen Gründen mit zwei Genevern. Genever ist ein aus dem 17. Jahrhunder stammender niederländischer bzw. belgischer Wacholderschnaps mit mindestens 35 Vol.-% und gilt als Urvater des Gins. Mitgebracht hatte Blümelhuber einen Genever “Jonge” und einen Genever “Oude”. Der Jonge ist stellt eine moderne Form des Genevers dar. Er hat einen leichten geblichen Farbton wegen der Nachreifung in einem Holzfass ohne Vorbelag (ein neues Holzfass) und eine süßliche

Doemens Gin Tasting

Geschmacksnote. Der Genever Jonge darf spirituosenrechtlich gesehen gesüßt werden. Auch der Genever Oude hat einen gelblichen Farbton. Geschmacklich geht er allerdings viel eher als der Jonge in Richtung Gin. Wer gerne Whisky trinkt, wird hier auch etwas an das flüssige Gold erinnert. Im Abgang ist der Oude etwas rass.

Als Nächstes folgte einer der bekanntesten deutschen Vertreter des Gins: der Monkey 47 aus dem Schwarzwald. Mittlerweile gehört die Marke zu Pernod Ricard. Der Monkey 47 vereint 47 verschiedene Botanicals, die aus England, Indien und dem Schwarzwald stammen. In der Nase sind Fichtennadeln unausweichlich wahrnehmbar, geschmacklich lassen sich sofort Fichte und Kubebenpfeffer erahnen. Einen Gin mit Doemens Gin Tastingausgepräfter Lavendelnote stellt der Sünner Dry Gin aus Köln dar. Ich musste unweigerlich etwas an Seife denken, doch der Gin war dennoch gut. Einer meiner ersten Gins kam als Nächstes an die Reihe: der Siegfried Rheinland Dry Gin. Schön mild und lecker, hier wurden passend zur Drachentötersage Lindenblüten verarbeitet. Als bekanntesten bayerischen Vertreter des Gins hatte Blümelhuber den The Duke Gin aus München für das Tasting ausgewählt. Mit seinen leicht floraren Noten, die an Bergwiesen erinnern, hat der Gin mit Botanicals wie Kamille, Hopfen und Malz vielen der Teilnehmern gefallen. Aus Berchtesgaden stammt der Bergbrenner Gin der Bergbrennerei Grassl. Hier besticht neben dem Wacholder vor allem ein Leitbotanical, welches allerdings nicht bei jedem Teilnehmer Freude hervorrief: Enzian. Mir hat er geschmeckt, jedoch sind Geschmäcker einfach sehr verschieden und der Enzian durch seine Intensität gewöhnungsbedürftig. EineDoemens Gin Tasting Besonderheit stellt auch der Muscatel Distilled Gin aus Mainz dar: neben dem Wacholder wurden als zweites Leitbotanical Muscateller Trauben mazeriert. Diese Weintrauben, die sonst für den weißen Muscatelwein verwendet werden, geben dem Gin eine fruchtig süße Note. Im Geruch allerdings ist der Gin recht langweilig. Der August Gin aus Augsburg hingegen ist klassisch wacholdrig, überrascht allerdings mit den holzigen Tönen der Zirbe. Früher wurden für Zirbenschnaps frische Zirbenzapfen verwendet. Mittlerweile stehen diese jedoch unter Schutz, weshalb die August Gin Destillerie auf das auch günstigere Zirbenholz zurückgreift.

 

Am Ende des Tastings bestand die Möglichkeit, seinen “Favoriten” des Tages mit verschiedenen Tonic Waters als Longdrink zu genießen. In nettem Beisammensein wurden dann allerlei Fachgespräche geführt. Alle auftretenden Fragen beantwortete Dr. Blümelhuber umfangreich, meine Fragen allerdings stellten wir ans Ende des Workshops, um sie in einem kurzen Interview zu klären.

Hier findet ihr mein Interview bei Doemens mit Dr. Gerrit Blümelhuber, der mir Rede und Antwort stand.

 

Zuletzt möchte ich nochmals für die Möglichkeit der Teilnahme bedanken und auf eine Veranstaltung bei Doemens in Gräfelfing bei München hinweisen, welche Dr. Gerrit Blümelhuber als Dozent leitet. Sie findet am 08. und 09. Oktober 2018 statt:

Seminar: Gin in Theorie und Praxis

Wie die „Kult-Spirituose“ Gin hergestellt wird, können Destillateure ebenso wie auch interessierte Laien am 8. und 9. Oktober 2018 bei der Doemens Akademie in Gräfelfing bei München lernen. Die Teilnehmer an dem Gin-Seminar erfahren dazu alles Wissenswerte über diesen Shooting-Star unter den Spirituosen. Geleitet wird die zweitägige, in Theorie wie Praxis umfassende Unterweisung, von Dr.-Ing. Gerrit Blümelhuber.

Das Seminar startet zunächst theoretisch und praktisch mit Botanicals. Dann werden rechtliche Grundlagen für˙s Gin Distilling erörtert, die Historie des Gins thematisiert und detailliert auf den Grundalkohol eingegangen. Am zweiten Tag geht es in Theorie und Praxis ums Destillieren des Gins sowie um die Herabsetzung und Weiterbehandlung des Destillates. Das Seminar wird mit zahlreichen Gin-Verkostungen flankiert.

Weitere Informationen und Anmeldung über www.doemens.org/seminare

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