Easy Rider - Motorradfahrer

Projekt A | #2 Ein schlechtes Jahr für Motorradfahrer?

Vor etwa einem Jahr habe ich hier auf dem Blog einen Beitrag über mein persönliches Projekt A, meinem Weg zum Motorradführerschein, geschrieben. Höchste Zeit für ein Update, das in einer Zeit kommt wo das schönste Hobby der Welt ziemlich auf der Kippe steht. Wie es mir nach der ersten Fahrstunde und im Rest von 2019 als Motorradfahrer ging erzähle ich in den nächsten Zeilen.

Was bisher geschah

Das klingt jetzt etwas wie eine fortlaufende Geschichte in mehreren Episoden. Und eigentlich sollte es das auch werden und ich wollte regelmäßig ein Update raushauen um etwas Abwechslung auf den Blog zu bringen. Aber natürlich kommt immer alles etwas anders und ich muss in dieser Fortsetzung etwas weiter ausholen. Möchtest du dich vorher auf den neusten Stand bringen und meine Gedanken lesen, als ich noch kein “ausgebildeter Motorradfahrer” war?

Hier gehts zu Teil 1:

Fahrschule mit Hindernissen…

In den zwei Monaten der praktischen Ausbildung gab es ein paar Hindernisse zu überwinden. Angefangen hat es damit, dass ein anderer Fahrschüler mit “meiner” Kawasaki Versys 650 einen Unfall hatte. Meines Wissens nach ist dem Schüler nichts Schlimmeres passiert, das Motorrad war allerdings schrottreif. Hoffen wir, dass aus dem Fahrschüler am Ende doch noch ein erfolgreicher Motorradfahrer geworden ist. Für mich fingen damit die Problemchen in der Fahrschule aber erst an. Ich hatte die Versys echt ins Herz geschlossen und mich schnell an die Maschine gewöhnt. Der Umstieg auf eine BMW F700GS lief allerdings alles andere als glatt. Die erste Maschine war durch die tiefergelegte Sitzbank für mich zu klein. Ja, ich hätte fast mit den Knien lenken können. Also nach einer Fahrstunde ab auf eine Andere. Die Sitzhöhe hat zwar gepasst, die hakelige Schaltung und die Kupplung ohne spürbaren Schleifpunkt waren mir aber ein Dorn im Auge.

Naja, was solls. Augen zu und durch. Abschließend überwiegen natürlich die positiven Erinnerungen wie das Gefühl beim ersten mal so richtig den Gasgriff aufzudrehen, die morgendlichen Überlandfahrten vor der Arbeit oder Kreuz und Quer durchs Münchner Umland um bei der Nachtfahrt trocken zu bleiben. Absolutes Highlight war allerdings ein kompletter Samstagnachmittag auf dem Bike, um die letzten Überland- und Autobahnfahrten im Block abzuschließen. Es fühlte sich eher wie eine Ausfahrt mit einem erfahrenen Motorradkumpel an, als nach Unterricht. Sollte auch jemand den Motorradführerschein machen wollen, sucht euch auf jeden Fall einen Fahrlehrer, der selber Motorrad fährt. Das erhöht den Spaß gleich um ein Vielfaches.

Mein Fahrschulmotorrad: Kawasaki Versys 650

… und eine seidenglatte Prüfung

Im Juni ging es dann ab zur praktischen Prüfung. Auf dem Parkplatz vor dem Münchner Olympiastadion kam dann auch, pünktlich wie bestellt, die Prüfungsangst wieder. Der Prüfer war schon da und nahm noch eine Hänger-Prüfung ab. Für mich war also noch Zeit die Grundfahraufgaben noch einmal durch zu spielen und ein paar nette Worte von meinem Lehrer abzuholen. Ich hab Ausbildung und Studium überlebt, also sollte doch Motorradfahren unter Aufsicht jetzt doch kein Problem sein, nicht anders als in den Stunden auch. Das Gespräch nach den ersten zehn Minuten lief dann ungefähr wie folgt ab:

“Kann es sein, dass Sie Prüfungsangst haben?” – “Ja, ein wenig, aber das bekomm ich auch nicht los” – “Man sieht es, das was ich vorhin bei den Übungen aus dem Augenwinkel gesehen hab, hat mir besser gefallen. Ab auf die Straße”.

Einfacher gesagt als getan. Nach kurzer Fahrt musste ich wegen einer Baustelle auf der Prüfungsstrecke umdrehen (wenn der auch Prüfer nichts von der Sackgasse weiß, dann ist es übrigens auch kein Fehler) nur um dann 25 Minuten auf dem Ring im Stop & Go zu verbringen. Ich sags euch, beste Prüfungssituation überhaupt. Du hast ja kaum eine Chance Fehler zu machen und kannst mal beweisen, wie wichtig es ist das Motorrad beim langsamfahren zu beherschen. So entspannt hab ich mir meine Prüfung nicht vorgestellt. Umso fröhlicher war es dann natürlich, als ich übers Headset die Ansage bekam zum TÜV abzubiegen und meinen Führerschein mit dem Satz entgegennahm: “Ich gebe Ihnen hiermit die Erlaubnis alleine weiter zu üben”

Endlich Motorradfahrer!

Mit dem heiß ersehnten Lappen in der Hand konnte es nun endlich los gehen. Erster Schritt: Motorradkauf. Dieses Kapitel ist eigentlich schnell erzählt. Wie im ersten Teil geschrieben war die Sparte “Reiseenduro/Adventure Tourer” für mich quasi die eierlegende Wollmilchsau, die fast alle Punkte auf der Wunschliste abhakt. Allerdings kam mit der Auswahl von Gebrauchtmotorrädern bei Händlern in der Umgebung schnell die Ernüchterung. Die Motorrräder waren entweder nicht das Richtige, zu teuer oder in einem bemitleidenswerten Zustand. Und ein Privatkauf kam für mich auch nicht in Frage, da ich dafür a) nicht das Wissen und b) nicht die Zeit hatte um das richtige Motorrad zu suchen. Nach ein paar Besuchen bei Händlern kam ich dann zum Entschluss etwas mehr Geld in die Hand zu nehmen als geplant und mich in der Liga meiner Fahrschulmotorräder nach einem recht neuen Exemplar umzusehen.

Bevor ich mich mit der, von mir so geschätzten Versys, aber genauer befasste wollte ich unbedingt noch die direkte Konkurenz von Suzuki probefahren: die “Frau Strom” (eine Veräppelung der Modellbezeichnung DL650 V-Strom, aber ich mags irgendwie). Und nachdem mir ein Händler im Augsburg ein Angebot machte, dass ich nicht ablehnen konnte hatte ich den Kaufvertrag für ein brandneues Motorrad Baujahr 2019 unterschrieben. Es war und ist viel Geld, aber die Entscheidung habe ich auch 11 Monate später noch nicht bereut.

Da war sie ganz neu: Suzuki DL650XT V-Strom

Meine Saison 2019

Ende Juni 2019 konnte meine erste, wenn auch kurze Motorradsaison, dann endlich starten. Ich wollte natürlich fahren um besser und sicherer zu werden. Deshalb habe ich auf kurze Alltagsstrecken weitestgehend verzichtet. Neben ein paar Feierabendrunden um 100km habe ich vor allem Spaß an längeren Tagestouren mit Mitfahrern gefunden. Das bestätigt natürlich auch die richtige Wahl in der Motorradkategorie getroffen zu haben. Eine Reise habe ich zwar noch nicht unternommen, aber ein dreitägiger Wochenendetrip nach Südtirol und in die Schweiz im September war ein erster Vorgeschmack. Von Ende Juni bis Ende Oktober kamen so stolze 5500km zusammen bevor ich mein Motorrad in den Winterschlaf schickte.

Und dann kam Corona

Dieses Jahr habe ich mich schon das ein oder andere Mal geärgert, dass ich die letzten schönen Tage im November nicht mehr ausgenutzt habe. Ich bin zwar, dank des milden Winters, schon im Februar das erste Mal für eine kurze Runde aufs Bike gestiegen, nach der ersten längeren Ausfahrt im März wurde ich dann allerdings auch schon wieder unsanft ausgebremst. Ganz überraschend kam die Corona-Pandemie ja nicht, aber seien wir mal ehrlich. Bis Mitte März haben wir uns alle gedacht “ach, das bekommen wir locker hin”. Zum Glück war das alltägliche Leben nicht komplett heruntergefahren wie in einigen anderen Ländern, aber wir sind alle angehalten soziale Kontakte und unnötige Risiken zu vermeiden.

Die Ansteckungsgefahr auf zwei Rädern ist in der Motorradfahrer Community ein heiß diskutiertes Thema mit viel Zündstoff. Bei uns in Bayern kam bekannterweise zum Kontaktverbot noch die Ausgangsbeschränkung, die aus einigen bundesweiten Empfehlungen Vorschriften machten. Da wir das Haus auch nur mit triftigem Grund verlassen durften und “Spaßfahrten” und Ausflüge nicht darunter fielen, war das Motorradfahren faktisch untersagt. (Obwohl Fahrten zum Arzt, zum Einkaufen und zur Arbeit natürlich weiterhin auch für Motorradfahrer erlaubt waren). Diese Ausgangsbeschränkung wurde heute zum Glück aufgehoben, sodass die Entscheidung ab morgen wieder dem gesunden Menschenverstand überlassen bleibt.

Während dieser Zeit, in der mein Motorrad stand, habe ich übrigens online andere liebe Motorradfahrer kennen gelernt. Ganz liebe Menschen, die gezeigt haben wie toll die Community auch “außerhalb” des Helmes funktioniert. Unter anderem habe ich mit den “Bears” aus Bremen einen tollen Podcast über Motorradfahren und Whisky aufgenommen. Natürlich nicht gleichzeitig. Aber man hat auch viel Zeit zum Nachdenken, unter anderem wie es weitergeht. Alle tollen Events in der kommenden Saison sind abgesagt. Damit sind auch viele meiner Pläne für 2020 hinfällig und gleichzeitig Neue entstanden.

Weiterbildung und Pläne für 2020

Als Motorradfahrer durch 2020 – Wie geht es weiter?

Ob wir 2020 noch ins Ausland reisen können steht in den Sternen. Eigentlich hatte ich im Sommer eine längere Motorradreise in den Süden vor. Schon im Winter wurde der Plan B, eine ausgedehnte Deutschlandtour, immer konkreter. Hoffentlich kann ich das im Sommer durchziehen. Alle schönen Events, die ich besuchen wollte sind allerdings abgesagt oder auf nächstes Jahr verschoben. Das ist natürlich traurig, aber sicher die beste Entscheidung. Dafür wird es sicherlich noch die ein oder andere schöne Tages- oder Wochenendtour geben, bei der dann das fahren nicht mehr so im Vordergrund steht als 2019 und ich auch einen schönen Blogbeitrag schreiben kann.

Ist das Jahr 2020 also ein schlechtes für Motorradfahrer? Ich finde nicht. Auch wenn es für viele nicht so begonnen hat wie erhofft, wird es noch viele schönen Stunden bereithalten. Mich bewegt dieses Frühjahr und die fortlaufende Situation auf jeden Fall dazu manches zu hinterfragen und bewusster zu genießen.

Übrigens, nachdem wie gesagt 2019 das Fahren im Vordergrund stand und ich absofort auch das Ziel und alles rund ums Motorradfahren mehr genießen möchte, habe ich mir etwas überlegt. Ich starte auf Instagram ein neues Fotoprojekt, bei dem ich dokumentarisch festhalten will mit wem ich fahre und was mir dabei passiert. Für mich ist das ein Anreiz mein fotografisches Hobby wieder mehr aufleben zu lassen und nicht nur für den Blog zu fotografieren. Dazu habe ich mich auch mehr mit der Motorradfotografie auseinander gesetzt. Der Instagram-Kanal heißt “Documotory”, eine Symbiose aus “Documentary” und natürlich “Moto(r)”. Stand heute ist der Kanal noch jungfräulich leer, aber ich freue mich über jeden Follower. Bis dort etwas passiert lege ich euch nochmal den Podcast “BearCast” ans Herz, bei dem ich Anfang April zu Gast war:

DLzG,
Nicolas

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