Feines mit Gin – oder geht es jetzt zu weit?

Vor kurzem schlug ich den farbigen Werbeprospekt einer Supermarktkette auf und informierte mich über aktuelle Wurst-Angebote der Frischetheke. Und was erblickten meine Augen da? Gin-Schinken stand in dicker weißer Schrift neben der Abbildung eines Wurstaufschnitts, den ich ohne die Beschreibung eher als Hinterschinken wahrgenommen hätte. Das ist aber bei weitem nicht das einzige Ergebnis des florierenden Gin-Hypes. Ich beleuchte in diesem Artikel Feines mit Gin die Thematik genauer und habe mir dafür drei Gin-Produkte ausgesucht, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Ginalami

Eigentlich ein lustiges Wortspiel, denn bei der Ginalami handelt es sich um eine Salami, die aus einer Kooperation der Feiner Kappler Brennerei und der Obere Metzgerei Franz Winterhalter entstand. Sie besteht aus Schweine- und Rindfleisch und enthält 1% Feiner Kappler Gin.

Wie ich bereits eingangs schrieb, müssen Wurstwaren, die klassisch bereits Wacholder enthalten, in meinen Augen nicht unbedingt noch Gin enthalten, um dann Gin-Schinken genannt werden zu dürfen. Anders sieht es jetzt aber im ersten Moment bei dieser Gin-Salami aus. Denn Salami enthält von Natur aus nicht generell Wacholder als Gewürz. Da hat man da eher Koriander, Kümmel, Knoblauch, Pfeffer oder Piment. Welche Gewürze allerdings die Ginalami enthält, darauf wird in der Zutatenliste nicht genau eingegangen. 200g Ginalami erhält man für 6,99 Euro.

Ginalami

Doch wie schmeckt sie eigentlich? Bevor ich ein Stück probieren kann, kommt allerdings die Nase auf ihre Kosten. Intensiver Duft nach Salami, Gewürze, Salz, Pfeffer und etwas Rauch. Dahinter versteckt sich etwas der Wacholder, er ist aber definitv da. Dann wandert das Stück in den Mund. Die Ginalami schmeckt nach Salami, gerade aber wenn das Stück etwas länger im Mund ist, hat man klar den Wacholder und senfige Noten am Gaumen. Senf ist ja deshalb nichts außergewöhnliches an einer Salami, da er eigentlich in jeder normalen Salami als Gewürz verwendet wird. Ich muss aber gestehen, dass mir die Ginalami etwas zu würzig ist. So kommt der Gin in meinen Augen etwas zu wenig zur Geltung. Denn von dem bleiben nur die Wacholderaromen erhalten.

Fazit

Eine nette Idee, Gin in einer von einem Handwerksmetzger hergestellten Salami zu verarbeiten, denn Wacholder passt gut zu den restlichen Gewürzen und Aromen einer Salami. So also keine schlechte Salami, sie ist für mich nur etwas zu würzig ausgefallen. Ich bin davon überzeugt, dass die reine Zugabe von Wacholder als Gewürz durchaus ausgereicht hätte, um auf das gleiche geschmackliche Ergebnis zu kommen und eventuell sogar die Produktionskosten zu senken. Ein Verkaufspreis von 6,99 Euro für eine 200g Salami, die handwerklich hergestellt wurde, sind aber noch im Rahmen.

Eversbusch Wacholder-Kugeln

Die August Eversbusch Wacholderbrennerei aus Hagen in Nordrhein-Westfalen ist unter Gingenießern und -Fans mittlerweile ein Geheimtipp. Hier wird der beliebte Doppelwacholder hergestellt. Ein reiner Wacholderbrand in schönen Tonflaschen. Die Brennerei bietet Eversbusch Wacholder-Kugeln an, runde Zartbitterkugeln flüssig gefüllt mit Eversbusch Doppelwacholder und Zuckerkruste. Diese werden traditionell im Kupferkessel dragiert. Für eine Tüte mit 100g zahlt man schmale 2,99 Euro.

Eversbusch Wacholder-Kugeln

Optisch erinnern mich die Wacholder-Kugeln sofort an mit Schokolade dragierte Nüsse. Beißt man darauf, bricht die dicke aus Zartbitterschokolade und Zuckerkruste bestehende Hülle und die Doppelwacholderfüllung fließt in den Mund. Wer schon einmal Tropfen in Nuss probiert hat, kann sich das sicher ungefähr vorstellen. Nur dass mir Erstere bisher nie geschmeckt haben. Die Eversbusch Wacholder-Kugeln allerdings hinterlassen da einen besseren und bleibenderen Eindruck bei mir. Geschmacklich eine schöne, süße Kombination. Der Doppelwacholder schmiegt sich schön in das süße und schokoladige Aroma ein.

Fazit

Geschmacklich können mich die Eversbusch Wacholder-Kugeln überzeugen, hier hat man ein gutes Verhältnis zwischen Kakaonoten, Süße und Wacholderbrand gefunden. Auch das Preis-/Leistungs-verhältnis kann sich mit 2,99 Euro pro 100g Tüte sehen lassen. Wichtiger Hinweis: die Eversbusch Wacholder-Kugeln machen süchtig!

Irving Gin Premium Pearls

Hier gehts nicht um Schmuck oder Süßwasserperlen, denn die Pearls kann man am Ehesten mit einem Trend umschreiben, der vor einigen Jahren aus Asien nach Deutschland schwappte: Bubble Tea. Die Irving Gin Premium Pearls sehen genauso aus und erfüllen eigentlich auch den gleichen Zweck – nur eben mit Alkohol. Die Pearls sind kleine gallertartige Kugeln, die mit dem Irving Gin, Wasser und Zucker gefüllt sind. In der Dose, die ebenfalls in der edlen Schwarz-Goldenen Optik des Gins gehalten ist, sind 100g der Perlen inklusive einer Flüssigkeit enthalten, in der diese schwimmen. Laut Hersteller eignen sich die Pearls, um Desserts oder Eis aufzuwerten oder einfach Pepp in Cocktails zu bringen. Preislich liegt man bei der Dose bei stattlichen 11,90 Euro.

Irving Premium Gin Pearls

Man öffnet die Dose, die zuallererst an einen typischen Dosenthunfisch erinnert, denkt man bei der Füllung zuallererst an etwas zu groß geratenen weißen Kaviar. Von riesigen Fischen. Vorsichtig nehme ich zwei der Kugeln auf einen Espressolöffel und lege sie auf meine Zunge. Dann zerdrücke ich sie vorsichtig. Die gallertartige Hülle platzt auf und fühlt sich etwas wie die Haut von Johannisbeeren an. Dann kommt die Flüssigkeit an meinen Geschmacksknospen an. Zuerst nehme ich deutlich Wacholderaromen war. Man schmeckt den Irving Gin, nur eben süßer. Hier hat man, wie uns einer der Gründer der Marke auf dem Augsburger Whiskysalon + Spirits 2019 erzählte, etwas mit Zucker nachgeholfen, um nicht puren Gin in den Pearls zu haben und so Desserts etwas passender aufzuwerten. Ich habe außerdem ein Zitronensorbet serviert und es mit Irving Gin Premium Pearls aufgewertet. Optisch sicher eine nette Spielerei, geschmacklich finde ich es ganz passend. Erinnert in der Summe dann etwas an einen Gin Tonic.

Sorbet mit Gin Pearls

Fazit

Die Gin Pearls von Irving Gin sind also durchaus gut, um erfrischende Desserts oder Eis optisch aufzupeppen und geschmacklich ein I-Tüpfelchen zu verleihen. Ob das einem 11,90 Euro für eine 100g Dose wert ist, muss man für sich selbst entscheiden. Ich bleibe dann doch lieber beim Irving Gin selbst.

Mein Fazit zum Thema “Feines mit Gin”

Bisher hat mir nur eine Schokolade geschmeckt, die mit Schnaps gefüllt war. Und das waren die Wacholder-Kugeln von Eversbusch. Bei Wurstaufschnitt reicht mir der an jeder Metzgertheke erhältliche Wacholderschinken, da ist viel Wacholder im Geschmack, ohne dass Alkohol drin sein muss. Die Gin Pearls sind eine schöne Spielerei, vor allem Optisch – aber da gieß ich mir persönlich lieber einen Schluck Gin ins Sorbet, das hat ein besseres Preis/Leistungsverhältnis. Wie du schon siehst bin ich, was das Thema Feines mit Gin angeht, sehr zwiegespalten. Ob man auch abseits vom Trinken Gin haben muss, ist eine Geschmackssache. Ich für meinen Teil muss das nicht unbedingt haben, finde aber generell die Spielereien mit dem Wacholderbrand sehr kreativ. Ob da vielleicht noch mehr Feines mit Gin auf die Gin-Trinker und -Genießer zukommt?

Weitere feine Sachen mit Gin findest du in unseren Rezepten. Probier doch mal bei den kühleren Temperaturen unseren Glühgin aus – oder zauber einfach leckere Pasta mit Gin & Lachs.

Ich möchte mich bei Stefan von der Feiner Kappler Brennerei, Peter von der Eversbusch Wacholderbrennerei und Tim von Irving Gin bedanken, die mich mit diesen Produkten als kleine Beigaben überrascht haben, diese aber ursprünglich garnicht im Fokus eines ausführlichen Tests oder eines persönlichen Kommentars wie Feines mit Gin standen. Selbstverständlich beeinflusst auch das nicht meine Meinung.

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