Getränkebegleitung: Der perfekte Drink zum Menü

Wie wird ein Menü perfekt durch Getränke begleitet?

Ein Gastbeitrag von Niklas Möller | Die Situation kennen wir alle: Du hast Freunde, Familie oder Kollegen eingeladen und möchtest mit einem tollen Essen gut auftrumpfen. Für dieses Essen suchst du dir ein gutes Rezept und bemerkst beim Kochen, dass teilweise Kleinigkeiten wie zum Beispiel eine Prise Salz den Unterschied zwischen „ganz lecker“ und „köstlich“ machen. Genauso verhält es sich mit den Getränken, die zu dem Menü gereicht werden. Viele tun dies als unwichtige Kleinigkeit oder Geschmackssache ab. Genau hier lässt sich gut ansetzen, denn die Geschmäcker sind auch beim Essen verschieden, auf einige Dinge solltest du jedoch tunlichst achten.

Der Aperitif

Ein gutes Essen beginnt bereits bevor man tatsächlich mit dem Gericht in Berührung kommt. Denn der Empfang entscheidet maßgeblich über die Einstiegsstimmung. Hier hat sich der Aperitif durchgesetzt. Dieser Pre-Dinner Drink hat vielseitige Funktionen, sollte allerdings richtig serviert werden. Zunächst erläutere ich die Wichtigkeit dieses Drinks. Er wird als Erstes angeboten und oft im Stehen eingenommen. Er hat eine soziale Funktion, denn oft kommen die Gäste nicht alle gleichzeitig, weswegen mit dem Aperitif die Wartezeit aufgefangen wird.

Aperitifs sollen den Appetit anregen und Lust auf das Menü machen. Gerade bei herben oder bitteren Drinks wurde festgestellt, dass diese die Geschmacksknospen öffnen und appetitfördernde Wirkungen haben. Klassische Beispiele hierfür sind z.B. ein Sherry, Aperol Mischgetränke, Campari Mischgetränke oder klassische Cocktails wie ein dry Martini oder ein Manhattan.

Vermieden werden sollten süße Getränke oder Cocktails, die Milch oder Sahne enthalten ebenso wie Cocktails mit Ei während dem Menü. Diese Getränke wirken sättigend und sind daher an anderer Stelle geeignet.

Der Aperitif läutet das Menü ein

Die Vorspeise

Das die Getränke nicht nur allgemeinen Kriterien unterliegen, sondern auch auf das Menü selber abgestimmt werden sollten versteht sich von allein. Gibt es als Vorspeise eine heiße Suppe sollte der Aperitif kein eisgekühltes Getränk sein, weil der Kontrast sonst verstärkt wird und die Suppe als zu heiß empfunden werden könnte, was wiederum den Geschmack beeinträchtigen könnte. Anders verhält es sich beispielsweise bei einem Salat als Vorspeise, hier sind kalte Getränke angebracht. Bei Salaten spielt auch das Dressing eine Rolle. Gerade bei selbst gemachten Dressings sollte man versuchen, dass die Drinks nicht intensiver sind als das Dressing selber. Ist das Dressing eher würzig mit Kräutern sollte man den Aperolspritz etwas mehr spritzen und weniger des würzigen Aperols verwenden.

Getränke wie Wasser sollten übrigens Gerichtübergreifend während dem Menü verfügbar sein. Du kannst es gut in Karaffen mit auf den Tisch stellen oder alternativ auch die ganze Flasche.

Oft wird hier auch ein Flaschenkühler verwendet. Meine Empfehlung ist jedoch das Wasser beim Essen auf Zimmertemperatur zu belassen, da kaltes Wasser weniger bekömmlich ist und gerade mit warmen Speisen unvorteilhaft sein kann. 

Das Hauptgericht

Nach der Vorspeise kommt in der Regel das Hauptgericht. Tatsächlich ist es hier stark geschmacksabhängig. Hier kommen klassisch Weine zum Einsatz. An dieser Stelle lässt sich eine grundsätzliche Feststellung machen: Ein guter Wein wird nicht durch den Preis bestimmt. Ein guter Wein ist jener, der DIR gut schmeckt. Dennoch solltest du auch hier einige Grundsätze beachten.

Getränke zum Menü: Die richtige Weinfolge

  • sauer vor süß
  • leicht vor schwer
  • Weißwein vor Rotwein
  • mild vor intensiv

Natürlich sind viele dieser Punkte selbsterklärend. Ich erlebe es jedoch häufig, dass genau diese Grundregeln falsch gemacht werden. Natürlich musst du dir an dieser Stelle bewusst über die Weine sein, die du anbietest. Eine Verkostung vorab ist also obligatorisch. Dass der Rotwein am besten schon einige Stunden vor dem Essen geöffnet wird ist hingegen allgemein bekannt. Ebenso bekannt ist, dass Weißwein gekühlt und Rotwein auf Zimmertemperatur angeboten wird. Außerdem solltest du aus jeder Flasche zunächst einen kleinen Schluck selber probieren, um dich von der Qualität zu überzeugen. Dass ein Wein mal Sauer werden kann oder etwas korkig schmeckt kann passieren. Es wird erst unangenehm, wenn dein Gast dich darauf hinweisen muss.

Der Digestif

Nach dem Hauptgang nun also das Dessert?
Hier ist Fingerspitzengefühl geboten. Während die ersten Teile (Aperitif – Vorspeise – Hauptgang) recht zügig hintereinander oder teilweise überlappend genossen werden, solltest du mit dem Dessert etwas warten. Hier können gut und gerne mal 30-60 Minuten vergehen. Doch auch diese Zeit kann und sollte überbrückt werden. Mit einem Digestif oder umgangssprachlich auch „Absacker“.
Der Digestif ist ein zumeist stark alkoholischer Drink, der die Verdauung angenehmer machen soll.

Beispiele sind hier Obstbrände, Kräuterbrände wie Jägermeister oder Ramazotti, pure Spirituosen wie Whisky oder Wodka sowie sogenannte Dessertcocktails. Darunter fallen Klassiker wie der Gin Basil Smash, Whisky Sour oder ein White Russian. Auffallend hier ist, dass Zutaten wie Eiweiß oder Milch/Sahne häufig Anwendung finden. Allgemein ist der Digestif dazu gedacht die Speise abzurunden.

Eine alkoholfreie Alternative wird häufig mit einem Espresso angeboten, die sich geschmacklich jedoch weniger gut eignet. Ein Cappuccino oder Latte Macchiato ist an dieser Stelle besser geeignet.

Digestif: Der Absacker zum Menü

Das Dessert

Die Zeit zwischen Hauptgang und Dessert ist maßgeblich von der Digestif Auswahl abhängig. Viel die Entscheidung auf einen Schnaps, ist die Zwischenzeit eher kurz, bei einem Digestif Cocktail wird eher mehr Zeit vergehen.

Mit dem Dessert sollte das gesamte Menü Enden. Es ist daher das letzte, was verzehrt wird und bleibt besonders im Gedächtnis deines Gastes hängen. Daher werden hier oft süße Speisen in kleinen Portionen kredenzt, da dies geschmacksübergreifend als angenehm empfunden wird und positiv in Erinnerung bleibt.

Mit dem Dessert sollten die Getränke jedoch nicht ebenfalls ein Ende finden. Nun ist der passende Zeitpunkt auf Highballs oder Longdrinks umzusteigen. Auch Biere eignen sich gut, um den restlichen Abend zu begleiten. Selbstredend sind auch die Weine vom Essen weiterhin eine gute Alternative. Beachtet werden sollten bei den Weinen hier jedoch auch wieder die vier oben aufgelisteten Punkte. Hatte dein Gast z.B. einen Whisky Sour? Dann empfiehl ihm jetzt am besten einen lieblichen Wein oder dann doch lieber ein Bier.

Getränke zum Menü: Darauf solltest du außerdem achten

Die kleinen Dinge machen das Gute am Ende großartig.
So kannst du, wenn du das nächste Mal Gäste zum Essen einlädst, mit gutem Essen ein großartiges Erlebnis kreieren.

An dieser Stelle möchte ich aber auch darauf hinweisen, dass wenn ein Gast einen abweichenden Wunsch hat, es natürlich immer gilt, diesen Wunsch bestmöglich zu erfüllen. Am Beispiel des Wassers: Die Empfehlung ist zwar Wasser während des Essens auf Zimmertemperatur anzubieten, wenn aber ein Gast gerne ein gekühltes Wasser trinkt, sollte er dieses natürlich auch bekommen.

Ich weiß aber, dass du als Leser dieses Blogs ein guter Gastgeber bist, für den das eine Selbstverständlichkeit darstellt. Deswegen wünsche ich dir viel Spaß mit deinem Besuch. Ich bin sicher, dass es ein toller Abend wird.

Über den Gastautor:

Niklas Möller ist seit über 8 Jahren in der Gastronomie und an Bars zuhause. Für ihn ist es Beruf und Berufung zugleich. In der Welt der Spirituosen gilt sein besonderes Interesse dem Gin, der ihn durch seine Vielschichtigkeit beeindruckt. Auf seinem Blog schreibt Nik über Gin, Barkunst und Bartending.

Blog: GINfektion.de

Instagram & Facebook: @ginfektion

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