Gin MUNiG: Cocktail als Absacker

Gin MUNiG: Ein Gin, zwei Freunde, drei Rezepte

Ein Gastbeitrag von Doc Joe RG. | Ende letzten Jahres hatte ich es mir nicht nehmen lassen, für einen ganz besonderen Gin, drei richtig leckere Gin-Cocktails „aus dem Hut zu zaubern“. Der MUNiG Gin ist eine Hommage an unser wunderschönes München – „die nördlichste Stadt Italiens“. Dieses Wachholderdestillat besticht nicht nur durch eine tolle Flaschenoptik, sondern hat auch geschmacklich einiges zu bieten. Kein Wunder, denn die Komposition der 22 Botanicals ist wirklich gelungen und hat einen New Western Gin hervorgebracht, der richtig Spaß macht.

Mein Gin, dein Gin, MUNiG Gin

Wie geht es euch so? Habt ihr manchmal auch das Gefühl, euch im unendlichen Gin-Dschungel verlaufen zu haben? Ja, es ist nicht immer einfach, bei der riesigen Auswahl, den „richtigen“ Gin zu finden…und gefühlt kommen wöchentlich zehn neue Gins hinzu. Wenn ihr mich fragt, dann gibt es für die „Neuankömmlinge“ drei Kategorien: „Marketing-Gins“, „Wellenreiter-Gins“ und „Liebhaber-Gins“.

Marketing-Gins zeichnen sich dadurch aus, dass das Branding in den Vordergrund gestellt wird und dass die Bewerbung des Gins viel Geld und Aufwand in Anspruch nimmt. Die Qualität des Destillats ist eher zweitrangig. Wellenreiter-Gins gehören zu der „Me-too-Gin-Generation“. Da Gin immer noch sehr hyped, dieser relativ einfach herzustellen und die Nachfrage ungebrochen hoch ist, möchte man einen Teil des Kuchens abhaben. Einige große Spirituosenhersteller verfahren nach diesem Prinzip – was aus wirtschaftlicher Sicht völlig ok ist. Und dann gibt es da noch die Liebhaber-Gins. Die Gins in dieser Kategorie werden in der Regel handwerklich (in kleinen Chargen) hergestellt, die Preise liegen über denen der „normalen“ Gins und das Augenmerk liegt ganz klar auf dem Faktor Qualität der Spirituose.

Ohne die eine oder andere Kategorie in irgendeiner Form kritisieren zu wollen – denn absatztechnisch finden alle drei Kategorien Anklang –, ich bin nach wie vor ein großer Fan von gutgemachten „Liebhaber-Gins“, da diese den Geschmack in den Vordergrund stellen, nicht die Marke.

Münchner Gin Vielfalt

In genau diese Kategorie fällt auch der Münchner Gin MUNiG. „Wie“ werden jetzt einige von euch sagen, „in München gibt es doch schon mehr als zehn Gins. Bedarf es da eines weiteren?“. Absolut ja, wenn er sich so aufstellt wie der MUNiG Gin – geschmacklich komplex und abenteuerlich, äußerlich sehr ansprechend, handwerklich einfach gut gemacht…besonders halt. Ein ausführliches Review vom MUNiG Gin, auch über seine Entstehung und die beiden Freunde Jochen und Thomas, die hinter dem MUNiG Gin stehen, findet ihr übrigens schon hier auf dem Blog. Aus diesem Grund verzichte ich jetzt einfach mal auf eine detaillierte Geschmacksanalyse, zumal sich meine Wahrnehmung fast Eins zu Eins mit der vom genannten Review deckt.

MUNiG Gin, Cocktails und More

Geschmacklich gehört der MUNiG zu den Gins, die auch wunderbar zum solo trinken geeignet sind. Und auch zusammen mit einem Tonic macht dieser Gin richtig viel Spaß, wenn ihr bei den „Fillers“ ein paar grundlegende Dinge beachtet, wie beispielsweise nicht zu süß, nicht zu künstlich, nicht zu überlagernd. Hier findet ihr ein paar gute Tonic-Empfehlungen für den MUNiG Gin. Wie andere gute Qualitäts-Gins hat auch der MUNiG Gin ein paar geschmackliche Charakteristika, die in besonders machen und von der Masse hervorheben. Hierzu zählt für mich beispielsweise eine deutliche Pfeffernote im Abgang, die ich super spannend finde, da sie nicht unangenehm und aufdringlich wirkt, sondern sehr fein und subtil den Gaumen umschmeichelt. Des Weiteren zeichnet sich der der MUNiG Gin auch durch leichte „beerige“ Fruchtaromen, einer dezenten Süße und frische Citrusaromen aus. Alles, wie schon angesprochen, sehr harmonisch aufeinander abgestimmt.

Mit diesem Hintergrundwissen ausgestattet habe ich euch drei Gin-Cocktails zusammengestellt, bei denen ich versucht habe, den MUNiG Gin als zentrales Element harmonisch mit einzubinden. Da die Rezepte bereits im Dezember letzten Jahres entstanden sind, vermeide ich es natürlich euch den „MUNiG GINgerbread“ – einen super leckeren Weihnachtcocktail – im Februar vorzustellen. ACHTUNG SPOILERALARM: Freut euch aber schon mal auf den November 2020, denn dann gibt es das Rezept für den MUNiG GINgerbread wieder bei Coffee Whisky and More 😉 Mit dem „Spicy Negroni“ habe ich einen meiner Lieblingscocktails für euch noch mal etwas „aufgemöbelt“. Und der „The last SOUL“ könnte man umgangssprachlich als „Absacker Drink“ bezeichnen, was ihm allerdings nicht so richtig gerecht werden würde, da er sehr vielschichtig ist und sich als echte „Gaumenbombe“ darstellt.

Bitter, fruchtig, süß und scharf – Negroni neu definiert

Ja, zugegebenermaßen ich bin ein großer Negroni Fan, das wird sich auch nicht mehr ändern. Die Kombination aus bitteren, süßen und fruchtigen Aromen finde ich einfach sehr ansprechend. Darüber ist ein Negroni schnell zubereitet, bedarf nur drei Zutaten und diese auch noch zu gleichen Teilen. Dass was ich am MUNiG Gin sehr mag sind seine besonderen Pfefferaromen im Ausklang. Und genau das hat mich auf die Idee des „Spicy Negroni“ gebracht. Was passiert, wenn man den bitteren, süßen und fruchtigen Aromen des Negroni eine weitere Geschmackskomponente „Schärfe“ beifügt? Ich muss zugeben, ich finde diese Negroni Variante extrem spannend, da die Schärfe erst am Ende des Geschmackerlebnisses zu Tage tritt – genauso wie die Pfeffernoten beim MUNiG Gin.

Wer also einen Negroni mag und auch ein wenig Schärfe nicht abgeneigt ist, wird diese Negroni Variante lieben, denn die Chili-Schärfe harmoniert sehr gut mit der „Pfeffer-Schärfe“ vom MUNiG Gin. Übrigens, wie ihr auch bei den Gins selektieren könnt, so ist dies auch bei den zwei anderen Zutaten für den Negroni – also dem Bitter und Wermut – möglich. Auch hier bin ich stets ein Verfechter von echten Qualitätsprodukten. Wenn ihr wollt dann könnt ihr sogar auf regionale Produkte zurückgreifen und dann wird aus einem „herkömmlichen“ Negroni ein echter „Slow Spicy Negroni“.

Rezept Spicy Negroni

Zutaten

  • 3 cl MUNiG Gin
  • 3 cl Bitter (beispielsweise von Luxardo)
  • 3 cl Wermut (beispielsweise Antica Formula)
  • ½ Chilischote (zum Mixen)
  • 1 Chilischote (zum Dekorieren, optional)
  • 1 große(r) Eiskugel (Eiswürfel)
Spicy Negroni mit Gin MUNiG

Zubereitung

½ Chili (samt Innenleben und Samen) klein schneiden und in ein Becherglas oder Shaker geben. Achtung: die Schärfe der Chilischote hängt sehr stark von ihrer Gattung ab. Ich persönlich würde für diesen Cocktail einen Chili vom Typ „Jalapeno“ verwenden, da diese ihm eine eher dezente Schärfe verleiht und nicht alles der Schärfe unterordnet. Gin, Bitter und Wermut hinzugeben und mit einem Barlöffel ca. 5 bis 10 Sekunden umrühren. Den Inhalt durch ein Barsieb in ein breites, mit einer großen Eiskugel (oder einem großen Eiswürfel) gefülltes, Becherglas geben. Zum Dekorieren könnt ihr eine Chilischote längs anschneiden und auf das Glas setzen.

Ich hätte gerne noch einen Absacker…

Irgendwie ist „Absacker“ schon ein etwas unschöner und vielleicht auch leicht irreführender Begriff für einen hochwertigen und aufwändig herzustellenden Cocktail. Aber auch wenn wir WIKIPEDIA zu Rate ziehe, steht nirgendwo, dass ein Absacker schlechter Qualität oder minderwertiger Natur sein muss.

Umgangssprachlich: letztes Glas eines alkoholischen Getränks, das im Anschluss an ein Beisammensein (oder vor dem Schlafengehen) zu sich genommen wird.

Quelle: Wiktionary – Absacker

Also gut, dann lasst uns doch einfach mal hinter die Kulissen von unserem „Absacker-Cocktail“ The last SOUL schauen, denn eins ist klar, auch wenn es der letzte (und vielleicht der einzige) Drink am Abend sein sollte, auch bei diesem Gin-Cocktail steht der Genussmoment ganz klar im Vordergrund. Die Inspiration für diesen Cocktail habe ich bei den fruchtigen Elementen des MUNiG Gins geholt. Dementsprechend fällt dieser Cocktail – mit seinen zwei Beerenlikörteilen und der Zutat Limettensaft – auch eher fruchtig aus. Allerdings tragen weitere Zutaten auch dem Komplexitätsgedanken des MUNiG Gins Rechnung und nicht zuletzt das Räuchern des Cocktails verleihen ihm ein ganz „besonders Finish“.

Rezept The last SOUL

Zutaten

  • 5cl MUNiG Gin
  • 1,5cl Creme de Mure (Brombeerlikör)
  • 1,5 cl Chambord (Himbeerlikör)
  • 1 cl Limettensaft
  • Drei Blätter Minze
  • Einige Tropfen Orange-Bitters (beispielsweise von Bitter Truth)
  • Ein Stück Bio-Orangenschale
  • Rauch
Gin MUNiG: Cocktail als Absacker

Zubereitung

Die Minzblätter kurz in der Hand zerdrücken, so dass sich die ätherischen Öle entfalten können. Anschließend diese in ein breites Becherglas (Tumbler) geben. Gin, Creme de Mure, Chambord, Limettensaft und Orange-Bitters hinzugeben und mit einem Barlöffel einige Male vorsichtig umrühren. Das Becherglas unter eine Glasglocke stellen und mit Hilfe einer Räucherpistole Rauch hinzugeben und je nach Rauchintensitätswunsch das Becherglas zwischen zwei bis drei Minuten unter der geschlossenen und mit Rauch gefüllten Glasglocke „ruhen“ lassen (Achtung: Räume immer gut lüften). Die Glasglocke öffnen und den Rauch entweichen lassen. Jetzt die geräucherte Flüssigkeit aus dem Tumber durch ein Barsieb in ein gut gekühltes langstiliges Destillat oder Whisky-Nosing-Glas umfüllen. Zum Schluss noch ein Stück Bio-Orangenschale „verdrehen“ (so werden die ätherischen Öle freigesetzt) und in das Glas geben.


HINWEIS: Räucherpistolen für Cocktails (ihr könnt diese natürlich auch für andere Speisen benutzen) bekommt ihr mittlerweile sehr gut und auch günstig (um die 30,00 Euro) im gängigen Online-Handel. Dort findet ihr auch die entsprechenden Räucherspäne und Glasglocken. Für den The last SOUL habe ich Wallnussholzspäne verwendet. Ihr könnt natürlich auch mit anderen Holzarten herumexperimentieren.

Zu guter Letzt

Mit dem MUNiG Gin hat mal wieder ein echt spannender Gin das Licht der (Münchner) Welt erblickt. So spannend, dass ich inspiriert wurde für drei unterschiedliche Cocktails, die mit diesem Gin eine richtig gute Symbiose eingehen. Ich wünsche euch viel Erfolg beim „nachmixen“ und hoffe, dass euch der eine oder andere Cocktail genauso viel Spaß bereitet wie mir. Denkt bitte aber immer auch an einen genussvollen Umgang mit Alkohol. In diesem Sinne: Servus und Cheers.

Über den Autor:

Doc Joe RG (aka Joerg Schmidt) ist Foodie und liebt die flüssigen Freuden des Lebens. Nach dem Motto „je verrückter die Fusion-Küche, desto besser“ schwingt er selber oft den Kochlöffel und hat sich von seinen vielen Reisen auf der ganzen Welt inspirieren lassen. Aber auch Slow Food und der regionale Gedanke liegen in am Herzen. Als Experte für Getränke glaubt er an den Qualitätsgedanken. Er selber sieht sich als SAKE Botschafter, GIN Connaisseur, TEQUILA Fan und zunehmend auch als WHISKY Liebhaber. Joerg ist ein Japan Enthusiast, auch wenn er seine Wurzeln in München hat.

Mehr über den Gin MUNiG:

Im Dezember hatten Florian und Doc Joe RG eine gemeinsame Mission: Das perfekte Toni Water für den Gin MUNiG zu finden. Das Ergebnis gibt es hier noch einmal ausführlich zum nachlesen:

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