Glengoyne Legacy Chapter One | Review

Nach fast zwei Jahren geht die Highland Brennerei Glengoyne mit einer neuen Abfüllungsserie an den Start, die sich The Legacy Series nennt. Ich hatte die Möglichkeit, frisch zum Deutschlandstart den Glengoyne Legacy Chapter One probieren zu können. In meinem Beitrag lest ihr, was es mit der Legacy Series auf sich hat und ob es sich für euch lohnt, die neue Abfüllung zu probieren.

Bei Gesprächen über Sherryfass gelagerte Whiskys fällt unweigerlich neben ein paar anderen bekannten Brennereien der Name “Glengoyne”. Der Name stammt aus dem Gälischen (“Glen Guin”) und bedeutet “Tal der Wildgänse”. Eigentlich ein schöner Name und bedenkt man, dass die Brennerei in den Campsie Fells bei Killearn (südliche Highlands) liegt, dann kann man den Namen mit der wunderschönen Landschaft sehr gut in Einklang bringen. George Connell, der damalige Inhaber, legalisierte die Brennerei 1833 noch unter dem Namen Burnfoot of Dumgoyne, nachdem hier viele Jahre zuvor aufgrund der hohen Alkoholsteuern illegal Whisky gebrannt wurde. Heute ist die Brennerei, mittlerweile geführt unter dem Namen Glengoyne, eine der wenigen Destillerien, die noch in schottischem Familienbesitz sind.

The Legacy Series

Glengoyne möchte mit dieser neuen Abfüllungsreihe verschiedenen wichtigen Persönlichkeiten ihrer Brennereigeschichte gedenken. So wird die Series jedes Jahr um ein weiteres Chapter, sprich eine weitere Flasche, ergänzt. Ob eine Limitierung des jeweiligen Chapters erfolgt, ist allerdings nicht bekannt.

Das Glengoyne The Legacy Series Chapter One wird dem ehemaligen Distillery Manager Cochrane Cartwright gewidmet. Er war dafür verantwortlich, dass 1869 der Destillationsprozess auf ein Drittel der damals allgemein angewandten Geschwindigkeit verlangsamt wurde. Er wollte noch floralere und süßere Aromen erzeugen. Außerdem sorgte er dafür, dass bei Glengoyne zum ersten Mal die für Glengoyne so beliebten Sherry-Fässer eingesetzt wurden. Also zwei Eckpfeiler bei Glengoyne, die noch heute wichtig für die Marke sind.

Zur Ehrung von Cochrane Cartwright passt auch die Reifung des Glengoyne Legacy Chapter One in First Fill Oloroso Sherry Casks aus europäischer Eiche. Abgefüllt wurde er dann bei 48 Vol.-%, auf eine Kältefiltration hat man verzichtet. Wie alt der Whisky in der Flasche letztendlich ist, wird verschwiegen. Eine Färbung mit Zuckerkouleur wurde nicht deklariert, Glengoyne steht aber eigentlich auch für natürliche Farben. Somit kommt es letztendlich allein auf den Geschmack und das Preisleistungsverhältnis an, im Vereinigten Königreich soll er z.B. 55 Pfund kosten.

Glengoyne Legacy Chapter One

Der Glengoyne Legacy Chapter One im Test

Nachdem die orangebraune Flüssigkeit im Glas ist, beginne ich mich vorsichtig heranzutasten. Vor allem Toffee und Vanille sind spürbar vorhanden. Ich nehme in der Nase eine angenehme Fruchtigkeit war, die ich als warme reife Birne interpretieren würde. Außer Zimt meine ich auch noch gelbe Früchte wie Mirabellen wahrzunehmen.

Der Antritt im Mundraum ist ausgesprochen süß und malzig. Ich würde sogar sagen, dass er extrem süß ist. Überreifes Obst und Honig wechseln sich ab. Dann schmecke ich Dörrobst wie z.B. Sultaninen (getrocknete Weinbeeren). Es folgt ein kurzes Stelldichein von Säure und etwas Bitterkeit. Zwischenzeitlich tritt dann eine kurze Schärfe an die Oberfläche, die zeitnah durch intensives süß-würziges lauwarmes Birnenkompott mit Zimt abgelöst wird. Auf der Zunge kommen dann schließlich noch Toffee und Vanille an.

Bisher habe ich die Erfahrung sehr oft gemacht, dass ein paar Tröpfchen Quell- oder Leitungswasser einem Single Malt Whisky nicht schaden, sondern ihm eher noch zuträglich sind. Selbstverständlich habe ich dies auch beim Glengoyne Legacy Chapter One ausprobiert. Anfangs ist er dadurch etwas zurückhaltend, öffnet sich dann aber in eine süß-säuerliche Mischung. Die Sherry-Töne treten noch intensiver hervor, auch die Birne ist noch um einiges präsenter. Dieser Whisky ist allerdings auch tatsächlich ein gutes Beispiel dafür, dass das Wasser nur etwas die Aromen verstärkt, man diesen aber auch pur sehr gut genießen kann

Nach der vielen Süße ist der Abgang ganz anders. Ledrige Töne vereinen sich mit Schärfe, Gewürzen, etwas Vanille und schlussendlich nochmals einige fruchtig-süße Aromen. Faszinierenderweise bleiben dann allerdings hauptsächlich die leichten milden fruchtig-süßen Aromen noch lange im Mundraum vorhanden.

Tastingnotes

Optik: orangebraun

Geruch: Toffee, Vanille, reife Birne, Zimt, gelbe Früchte

Geschmack: Sehr süß, Malz, reifes Obst, Honig, Sultaninen. Leichte Säure und Bitterkeit, etwas Alkoholschärfe. Warmes Birnenkompott, Zimt, Toffee und Vanille.

Abgang: Lang. Ledrige Töne, Gewürze, etwas Vanille, am Schluss langanhaltend fruchtig-süß.

Fazit: Auch wenn ich bereits Abfüllungen von Glengoyne kenne, wusste ich nicht mal ansatzweise, was sich hinter diesem Legacy Chapter One verbirgt. Es war für mich wie die Lüftung eines Geheimnisses, die Flasche zu öffnen, dem Whisky ein paar Minuten zu geben und ihn dann zu verkosten. Ich bin mir sicher, dass man mit dieser Abfüllung dem ehemaligen Distillery Manager Cochrane Cartwright und seiner damals wichtigen Veränderungen Tribut zollen konnte. Glengoyne tat sich auf alle Fälle einen großen Gefallen, den Whisky trotz fehlender Altersangabe mit 48 Vol-% abzufüllen. Man hätte die zuweilen leicht aufkommende Schärfe etwas besser in die vielen fruchtig süßen Töne einbinden können. Dennoch ein leckerer Single Malt und bei einem Ausgabepreis von umgerechnet etwa 62 Euro kann man beim Kauf nichts falsch machen.

Wenn ihr jetzt neugierig geworden seid, findet ihr den Glengoyne Legacy Chapter One bei Whic oder Whisky.de.

Ich möchte mich bei Borco – spirit for branded drinks dafür bedanken, dass Sie uns für ein ehrliches und unabhängiges Review den Glengoyne Legacy Chapter One zur Verfügung gestellt haben.

Glengoyne Legacy Chapter One


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