Glenmorangie Allta

In der Private Edition von Glenmorangie erscheinen in unabhängigen Abständen verschiedene limitierte Sonderabfüllungen der schottischen Brennerei. Mit dem zehnten Beitrag in der Private Edition wendet sich Glenmorangie erneut von Fassexperimenten ab. Der Glenmorangie Allta ist zwar ebenfalls ein Experiment, hier legt die Brennerei ihr Augenmerk jedoch nicht auf das Fassmanagement, sondern auf die verwendete Hefe.

Glenmorangie gehört zu den bekanntesten Brennereien der schottischen Highlands. Sie ist in einem alten Brauereigebäude in Tain beheimatet.

Seit 2009 bringt Glenmorangie jährlich eine neue Flasche der Private Edition auf den Markt. Bei allen Editionen handelt es sich dabei um limitierte Sonderabfüllungen. Meißt wird der jeweilige Single Malt Whisky in einem speziellen Fass nachgelagert. Für die sechste Private Edition, genannt Tùsail, verwendete man für die Destillation eine ursprünglichere Gerste, die in der heutigen Großindustriellen Herstellung keine Verwendung findet. Für den Glenmorangie Allta entschied man sich dazu, einen eigenen Wildhefestamm zu kultivieren und in der Produktion einzusetzen. Man setzte auf das Zusammenspiel der lokalen Gerste und der wilden Hefe und lagerte den Whisky in ehemaligen Bourbonfässern und zweitbefüllten Fässern. Der Name stammt, wie auch die Namen der bisherigen Abfüllungen aus der Private Edition, aus dem Gälischen und bedeutet “wild”.

Das Thema “Wildhefe”

Die Idee hinter der Verwendung von unterschiedlichen Hefen ist allerdings nicht ganz neu. Die Bierbrauer experimentieren bereits längere Zeit mit verschiedenen, auch wilden Hefekulturen, um ein spezielles und unverwechselbares Aromaprofil zu schaffen. Die Hefe sorgt bei der Destillation nicht nur für die Umwandlung von Zucker in Alkohol, sie ist auch für verschiedenste Aromen im Bier zuständig. Während also die Brauer wesentlich weiter bei der Anwendung der Hefe sind, begnügen sich die Schotten mit einem einzigen Hefestamm, denn hier dienen die Hefepilze einzig und allein dem chemischen Zweck, Zucker in Alkohol umzuwandeln. Dieser Einstellung möchte Glenmorangie mit ihrem Allta etwas entgegenwirken und aufzeigen, dass auch die Verwendung anderer Hefen möglich ist und dies bei der Herstellung des Whiskys durchaus eine große Rolle spielen kann. Und wie schmeckt das nun? Lasst es uns herausfinden!

Glenmorangie Allta
Der Glenmorangie Allta im Glas: schöner goldgelber Farbton. Allerdings enthält dieser Whisky den Farbstoff Zuckerkulör.

Der Glenmorangie Allta im Test

Gespannt starre ich auf das Glas, in dem sich der Glenmorangie Allta befindet. Er hat einen schönen goldgelben Farbton, der allerdings von der Färbung mit Zuckerkulör beeinflusst wurde. Ich rieche am Glenmorangie Allta. Er hat einen intensiven Hefegeruch, den ich sofort mit dem Teigkneten frischer sonntäglicher Brötchen in Verbindung bringe. Damit meine ich eigentlich mit frischer Hefe. Gerste und würzige Holzaromen gesellen sich dazu. Etwas fruchtig-süße und malzige Anklänge schwingen nach. Auch angenehme Vanille gesellt sich zum bisher wahrgenommenen.

Zuallererst schmecke ich Orangenmarmelade, Aprikose und Shortbread. Langsam kommen leichte Hefe- und Gerstenaromen auf der Zunge an. Es wird süß malzig. Etwas Citrussäure. Ich meine leichte Tabaknoten zu erkennen, die von süßen Rosinen und Butterscotch abgelöst werden. Abgerundet werden die Aromen von ledrigen Tönen und erfrischenden Nuancen von Minze.

Im Abgang kommt ganz viel frische Minze durch, das kühlt richtig. Etwas Schärfe und leichte Hefenoten sind spürbar. Dann kommt frisch gebackenes Steinofenbrot durch. Erinnert mich wieder an das sonntägliche Brötchenbacken. Mit ganz leichter Holzwürze und Minze bleibt ein milder Nachgeschmack im Mundraum erhalten.

Tasting Notes

Nase: Intensive Hefe. Gerste und Holz. Leichte fruchtig-süße Noten. Malz. Vanille.

Geschmack: Orangenmarmelade, Aprikose, Shortbread. Leichte Hefe- und Gerstenaromen. Süßes Malz. Etwas Citrussäure. Leichte Tabaknoten. Süße Rosinen und Botterscotch. Ledrige Töne und erfrischende Minze.

Abgang: frische Minze, etwas Schärfe, leichte Hefe. Frisch gebackenes Brot. Leichte Holzwürze.

Fazit

Der Glenmorangie Allta bietet ein interessantes Geschmackserlebnis. Ich begrüße es, dass Glenmorangie auch mal mit anderer Hefe versucht hat, etwas Schwung in die alte schottische Bude zu bringen und eine eigene Wildhefekultur gezüchtet haben. “Wild und ungestüm” trifft auf diesen Whisky gut zu. Ob ihr dieses bei Leibe nicht günstige Experiment (ca. 90 Euro pro 0,7l Flasche) als Whiskygenießer mitmachen solltet, kann ich nicht für jeden von euch beantworten. Für mich kann ich allerdings sprechen, dass ich froh bin, ihn probiert zu haben.

Wenn du dich nun selbst von der verwendeten Wildhefe und dem Glenmorangie Allta überzeugen willst, findest du den Whisky bei Whisky.de.

Glenmorangie
In guter Gesellschaft: der Glenmorangie Allta unter weiteren Glenmorangie Whiskys am Stand des deutschen Importeurs Moet Hennessy auf der Finest Spirits 2019 in München.

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