Grangestone Rum Cask Finish

Da steht er: ein mir bis dato unbekannter Single Malt Scotch Whisky, der ein Rumfass Finish erhalten hat und ein Schnäppchen zu sein scheint. Doch ist der Grangestone Rum Cask Finish wirklich ein Schnäppchen für Genießer oder eher ein Versuch, billigen Whisky an den Mann oder die Frau zu bringen? Mehr dazu in unserem Beitrag.

Woher stammt der Grangestone Rum Cask Finish?

Grangestone. Edel prangert der Name sowohl auf der Flasche als auch auf der in dunklem Weinrot gehaltenen Dose. Darüber ein goldener Löwe und darunter Highland Single Malt Scotch Whisky. Das sind erstmal feste Angaben, dennoch sagt mir der Name garnichts. Eine schottische Brennerei mit diesem Namen existiert meines Wissens nicht. Eine Recherche ergab schließlich, dass es sich rein um einen Markennamen handelt. Doch wer ist für diesen Whisky verantwortlich, wer stellt ihn her? Dazu muss man dann etwas tiefer graben, wie ich relativ schnell bemerkte. Abfüller bzw. Hersteller ist die Grangestone Collection Ayrshire / Scotland. Wenn man den digitalen Spuren dieses Herstellers folgt, landet man zuerst bei Quality Spirits International (QSI). Auch das sagt mir erstmal nichts. Folgt man aber weiter den Spuren, kommt ein bekannter Name zu Tage: William Grant & Sons (u.a. Balvenie, Glenfiddich). Hier bestehen zumindest offizielle Verbindungen. Eine der größeren Internettheorien, die von verschiedenen Nutzern immer wieder breitgetreten wird, ist die, dass der Whisky u.a. von der Brennerei Kininvie stammt, die auf dem Gelände der Balvenie-Brennerei steht und hauptsächlich in den bekannten Monkey Shoulder fließt. Da würde es wiederum dann gut passen, bereits benutzte Rumfässer von Balvenie zweit zu verwerten.

Faktencheck

  • NAS: No Age Statement. Keine genaue Altersangabe vorhanden.
  • Fasstyp: American Oak, Rum Cask
  • Keine Angabe zur Kältefiltrierung
  • Zuckerkulör wurde zur einheitlichen Farbgebung verwendet
  • 40 Vol-%
  • Preis: 14,99 €
Grangestone Rum Cask Finish

Der Grangestone Rum Cask Finish

Während er in der Flasche noch sehr dunkel leuchtet, ist seine Wirkung aufgrund des kleineren Volumens im Glas schon realistischer. Hier haben wir dann einen mahagonifarbenen Ton. Der Hersteller gibt an, dass für eine einheitliche Farbgebung etwas Zuckerkulör verwendet wurde.

Der Grangestone ist relativ zurückhaltend in der Nase, überrascht aber trotzdem vor dem Hintergrund des Preises im Geruch mit schönen Aromen. Neben saftigen Rosinen kann ich hier in Rum eingelegte Dörrpflaumen wahrnehmen. Leicht süßlich-säuerlich tritt er in der Nase an, was schmeichelnd von leichter Vanille umrahmt wird. Entfernt habe ich leichte Eichennoten, aber nur ganz entfernt.

Im Antritt an der Zunge habe ich süß-säuerliche Aromen. Ich hab da wieder die in Rum eingelegten Dörrpflaumen und saftige Rosinen. Auch die bereits mit der Nase wahrgenommenen Vanillenoten lassen sich im Geschmack wiederfinden. Dann kriecht eine leichte Schärfe an der Zungenspitze entlang. Sie wird langsam intensiver und bitzelt leicht an der Zunge. Nachdem der Whisky nur 40 Vol-% hat, kann dies nur ein Zeichen jungen Alters sein. Mir stellt sich hier die Frage, ob dem Grangestone Rum Cask Finish mehr Volumenprozente gut stehen würden, denn gerade in Richtung Abgang wirds dann leider etwas wässrig. Die Frage ist aber auch etwas schwer zu beantworten, da ich vom gleichen Whisky kein Vergleichsmaterial habe und sich zudem durch mehr Volumenprozente und das gleiche junge Alter die Alkoholschärfe noch viel stärker abbilden könnte. Was mir aber sehr stark in den Sinn kommt: First Fill Fässer scheint man nicht verwendet zu haben, dafür ist der Einfluss der Fässer generell zu gering.

Im Abgang ist dieser Whisky relativ einfach. Holzige, leicht bittere Töne, dann kann ich ganz klar Walnüsse schmecken. Mehr ist dann aber auch nicht und der Abgang verschwindet dann relativ schnell von den Geschmacksknospen.

Grangestone Rum Cask Finish
An diesem Vergleich kann man gut erkennen, wie unglaublich dunkel der Whisky in der Flasche wirkt und wie er letztlich im Glas auftritt

Tastingnotes

Optik: Mahagoni (lt. Hersteller Zuckerkulör zur einheitlichen Farbgebung)

Geruch: Rosinen, in Rum eingelegte Dörrpflaumen, Vanille, leicht holzig

Geschmack: in Rum eingelegte Dörrpflaumen, Rosinen, leichte Vanille. Etwas Schärfe.

Abgang: Holz, bitter, Walnüsse. Relativ flach und kurz.

Fazit

Muss man diesen Whisky, der derzeit für 15 € über die Kassen vom Netto Markendiscount (ohne Hund) wandert, wirklich probiert haben? Nein, eigentlich nicht. Dafür fehlt mir zu sehr der Blick auf ein gutes Fassmanagement. Mir kommt es einfach vor, als hätte man hier sehr jungen Whisky, der in vielfach verwendeten Fässern gereift wurde, mit einem Rumfinish aufgehübscht. Mit dem Rum Finish und der stylischen optischen Aufmachung schlägt er allerdings andere Whiskys dieser Preisklasse. Wer also neugierig ist oder in diesem Preissegment einen Whisky braucht: greift zu und erfreut euch an einem günstigen Rumfassfinish.

Aktuell gibt es den Grangestone Rum Cask Finish bei Netto Markendiscount für ca. 15 € zu erwerben. Dies scheint derzeit die einzige Möglichkeit zu sein, diesen in Deutschland zu kaufen.

3 Gedanken zu „Grangestone Rum Cask Finish

  1. Tastingnotizen vom Sonntagnachmittag: Man riecht ganz leicht das Rumfass. Auf der Zunge und im Gaumen ein kurzes Aufblitzen von Dörrobst und Malz. Im Abgang leicht astringierend. Kein Nachhall. Die Qualität entspricht dem Preis.

  2. Ich war auch neugierig und kaufte mir bei NETTO den Whisky. 14,99 EUR scheint ein guter Kurs zu sein.
    Habe letztes Jahr zum gleichen Preis den Highland Black, 8 Jahre alt von ALDI erworben, der hatte angeblich in England viele Preise eingeheimst hatte. Der Geschmack war total wässrig, eigentlich wollte ich solch einen Whisky nie wieder kaufen. Aber der Grangestone Rum Cask Finish hat mich eines besseren belehrt, von Wässrigkeit keine Spur, die Süsse des Rum Fasses kommt deutlich zum tragen, mir hat er geschmeckt.

    1. Leute, kommt mal auf den Boden zurück – 15 Euro sind für diesen Single Malt in dieser Geschmacksausprägung doch echt kein Geld – mich hat er jedenfalls überzeugt – ohne Eis und vor allem ohne Cola ( ich kenne Menschen, die machen sowas ohne mit der Achsel zu zucken). Also – kaufen und ein eigenes Geschmacksbild machen, das einzige, was hilft und zählt…

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