Interview mit Christoph Albietz über Torabhaig und den Allt Gleann

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Jetzt ist es soweit: der Allt Gleann von Torabhaig steht vor der Tür. Das nahm ich zum Anlass, den deutschen Brand Ambassador der Torabhaig Distillery von der Isle of Skye mit meinen Fragen zu löchern. Ich rede im Interview mit Christoph Albietz von Torabhaig über den Grundstein der Brennerei, die Produktion, seine Arbeit als Brand Ambassador und was uns neben dem Allt Gleann in Zukunft erwarten wird. Vielen Dank auch an unsere wissbegierigen Leser, die einige Fragen beigesteuert haben.

Christoph Albietz, Copyright by Christoph Albietz, Interview Christoph Albietz Torabhaig

Das Interview über die Torabhaig Distillery, den neuen Allt Gleann und die Peat Elite haben Christoph Albietz und Florian Anfang August im Videochat geführt. Wer ist Christoph? Wie du sicherlich schon aus der Einleitung weißt, ist Christoph Albietz seit kurzem das deutsche Gesicht der schottischen Brennerei Torabhaig von der Insel Islay. Auch vor seiner Tätigkeit als Brand Ambassador war er bereits viele Jahre im Getränkebereich beschäftigt, u.a. bei Schlumberger. Das ausführliche Interview kannst du in den nachfolgenden Zeilen nachlesen. Viel Spaß!

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Hallo Christoph, schön dass du dir für das Interview Zeit nimmst. Du bist – bedingt durch das junge Alter der Torabhaig Brennerei – noch nicht lange Brand Ambassador. Wie ist der Kontakt zur Brennerei entstanden und wie empfandest du die bisherige Zeit im Rückblick auf den Brexit und Corona?

Christoph Albietz
Ich war in der Tat schon einige Zeit auf der Lauer. Mir war bewusst, dass es die Brennerei gibt, damals arbeitete ich allerdings für Schlumberger in Meckenheim. Dort war ich im Außendienst für alle Produkte zuständig. Damals hatte ich schon gedacht, dass ich Bock darauf hätte, die Brennerei zu vertreten. Ende des Sommers letzten Jahres hatte ich dann das dringende Gefühl, ich bräuchte einen Tapetenwechsel. Daraufhin schrieb ich meinem Bekannten, dem Geschäftsführer von Marussia Beverages, dass ich auf der Suche nach was Neuem wäre. Dieser suchte tatsächlich Jemand für Torabhaig, der sich allerdings mit Whisky auskennen musste. Daraufhin ging alles ganz schnell und ich saß im Bewerbungsgespräch. Bevor ich es begreifen konnte, hatte ich noch ein Telefonat mit den Schotten – hatte was von einem Casting – und dann lag mir der Arbeitsvertrag vor. Der zweite Lockdown lief schon und ich startete im Januar direkt ins Homeoffice. Eigentlich garnicht so schlecht, denn ich konnte mich fit machen und mich direkt nur ums Produkt kümmern. Der erste Kundenbesuch stand dann erst wieder im Mai 2021 an – vorher gabs genug zu tun im strukturellen Aufbau.

Willkommen bei der Torabhaig Brennerei, Copyright Foto by Torabhaig
Foto mit freundlicher Genehmigung von Torabhaig / Marussia Beverages

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Stimmt, die Brennerei ging dann relativ fix an den Start. Vorher gab es nur ein paar Vermutungen.

Christoph Albietz
Ja, das war etwas, was mich auch so fasziniert hatte. Torabhaig ging mehr oder weniger mit einem Paukenschlag auf den Markt. Lediglich die Insider wussten, dass da etwas kommen würde. Die Masse der Whiskyliebhaber hatte es kalt erwischt.

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Eigentlich hatte ich ja bereits 2019 erfahren, dass es da noch eine weitere Brennerei auf der Isle of Skye gibt. Ich habe sie mehr oder weniger auf meiner Hochzeitsreise im Juni 2019 im Vorbeifahren entdeckt, musste aber bedauerlicherweise zur gebuchten Fähre.

Christoph Albietz
Schade, dass es beim letzten Mal nicht geklappt hat. Dafür wird es in der Brennerei aber, wenn man wieder normal nach Schottland kann, deutlich mehr zu Entdecken und Probieren geben als 2019. Denn damals gab es ja noch nichts Offizielles von Torabhaig zu probieren.

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Die Brennerei liegt an einem hübschen Fleckchen auf der Insel Skye. Wie kam es denn zu diesem Standort?

Christoph Albietz
Du warst ja bereits auf Skye und weißt, was für eine magische Ausstrahlung die Insel hat. Der ausschlaggebende Grund liegt aber in der Vorgeschichte der Brennerei. Ein in Berlin geborener britischer Geschäftsmann, Sir Ian Noble, hatte sich aus seinem Geschäftsleben auf die Isle of Skye zurückgezogen und dort größere Ländereien gekauft. Mit dem Wunsch, die Brennerei an dieser heutigen Stelle zu errichten. Etwa 2002 erhielt er für die Brennerei die Baugenehmigung, konnte das Projekt aufgrund seines eigenen Ablebens leider nicht umsetzen. Mossburn Distillers & Blenders waren zu diesem Zeitpunkt auf der Suche nach einem geeigneten Gelände und haben durch die Frau von Sir Ian Noble die Möglichkeit erhalten, an dieser Stelle die Brennerei zu errichten. Ich bin überzeugt davon, dass es eine sensationelle Entscheidung war, denn lange Zeit gab es auf dieser wunderschönen Insel nur eine einzige Brennerei und genügend Platz für eine Weitere. Nach dem Vorbild der Insel Islay, denn dort ist die Brennerei-Konzentration deutlich höher. Man meint, dass in diesem Eck auch eine eiszeitliche Befestigung war, die wahrscheinlich Horabaig hieß. Hinter der Brennerei ist heute eine Ruine, die als Sitz der McLeods diente, die ihn dann an die McDonalds verloren hatten. Danach hatte man die Steine der Burg verwendet, um ein Gehöft daraus zu bauen, das heute ein Teil der Brennerei ist.

Torabhaig Distillery, Isle of Skye, Brennerei Torabhaig, Copyright Foto by Torabhaig
Foto mit freundlicher Genehmigung von Torabhaig / Marussia Beverages

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Ich bin selbst ja ein kleiner Fan der urigen und romantischen Brennereien und bestaune immer gerne die alten und geschichtsbeladenen Gebäude. Das war vom Denkmalschutz her sicher ein Drahtseilakt, oder?

Christoph Albietz
Ja. Der Dekmalschutz hatte schließlich die Höhe der Gebäude vorgegeben und dies limitierte gleichzeitig auch die Höhe unserer Brennblasen. Diese gehen jetzt bis unter die Decke. Aufgrund der denkmalschutzrechtlichen Vorgaben hat der Aufbau der Brennerei letztlich mehr als drei Jahre gedauert. Aber man ging auch mit großem Respekt gegenüber des Ortes an die Arbeit, was auch mit der Philisophie von Ian Noble übereinstimmte. Er war ein großer Förderer der gälischen Sprache, so wie dies unser Inhaber heute auch fortführt.

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Zieht sich das Thema Regionalität bei Torabhaig durch? Beschäftigt man Mitarbeiter von der Insel?

Christoph Albietz
Alle Mitarbeiter stammen alle von der Isle of Skye. Wir haben 9 Brewer und Distiller, die alle von der Insel stammen. Im Grunde sind alle Quereinsteiger. Eine Mitarbeiterin war früher Tourguide bei Talisker – das ist aber auch die Einzige, die annähernd aus der Branche stammt. Es war wichtig, dass eine neue Generation an Brewern und Distillern geschaffen wird, die den Spirit der Insel leben. Alle werden bei uns ausgebildet, zwei sind sogar an der Universität. Wir haben den Neulingen ein Team an gestandenen Whisky-Legenden als Ausbilder an die Seite gestellt, die zusammen etwa 200 Jahre Business-Erfahrung auf die Waage bringen.

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Darfst du uns auch einweihen, wer diese “Whisky-Legenden” sind?

Christoph Albietz
Ich darf nicht. Diese Herren wollen gerne ungenannt bleiben, da sie nur beratend zur Seite standen und das junge Produktionsteam im Vordergrund stehen soll. Wir sind offen für Transparenz, aber diesen Wunsch werden wir respektieren. Von der Großartigkeit ist das aber wie bei Ardnahoe, als man Jim McEwan bekam, um die Brennblasen in Schwung zu bringen.

Torabhaig Brennblasen, Copyright Foto by Torabhaig, Interview Christoph Albietz Torabhaig
Foto mit freundlicher Genehmigung von Torabhaig / Marussia Beverages

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Zur Regionalität gehören aber auch Rohstoffe. Gerade in letzter Zeit wird das Thema der Regionalität bei neu eröffneten Brennereien gerne gespielt und hat auch definitiv einen höheren Stellenwert. Woher bezieht ihr eure Rohstoffe?

Christoph Albietz
Wir versuchen natürlich, so viel wie möglich regional zu arbeiten. Das wird sich in den nächsten Jahren sicher noch entwickeln. Was man sagen kann ist, dass wir unsere Gerste aus einer schottischen Mälzerei bekommen und das Torf kommt aus dem Aberdeenshire. Wo die Mälzerei ihre Gerste herbekommt, entzieht sich aber meiner Kenntnis. Wir arbeiten gegenwärtig noch mit den Gersten-Sorten Concerto und Laureate.

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Wo siehst du das Alleinstellungsmerkmal von Torabhaig?

Christoph Albietz
Wir sind extrem elegant trotz viel Rauch. Der Legacy Series 2017 liegt ursprünglich bei 55-60 ppm – mehr als die meißten Produkte von der Insel Islay. Trotz seines jungen Alters fehlt die jugendliche Ruppigkeit und ich würde sogar so weit gehen und sagen, er ist “trinkig” (sagt man so im Wein-Jargon).

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Dem stimme ich soweit zu, das jugendliche Alter steht nicht wirklich im Vordergrund. In meinen Tastingnotes zum Legacy Series 2017 habe ich das noch deutlicher ausgeführt. Wie sieht es denn mit dem nächsten Release aus?

Christoph Albietz
Wir haben noch einen ordentlichen Schwung Peat draufgepackt. Beim letzten Release blieben von den 55-60 ppm in der Gerste am Schluss 16 ppm übrig (siehe auch Flaschenrücken-Etikett). Bei der neuen Abfüllung verbleiben von 77 ppm vor der Destillation am Schluss 17 ppm in der Flasche. Der Neue ist in meinen Augen rauchiger. Nicht massiv rauchiger, aber rauchiger. Mehr möchte ich nicht spoilern. Eines kann ich aber sagen: in Zukunft werde ich hier noch viel zu Lernen haben. Es gibt viele Phenole, je nachdem wie die Zusammensetzung ist, schmeckt auch der Whisky. Deshalb schmeckt ein Talisker wie ein Talisker und ein Laphroaig wie ein Laphroaig. Wir schreiben auf das Rückenetikett übrigens auch drauf, welchen ppm-Wert die Gerste vor der Destillation hatte und welchen der fertige Whisky noch enthält. Da sind wir, meines Wissens nach, derzeit die einzige Brennerei, die das so handhabt. Die Angabe ist keine Pflicht, aber mir als Kunde machen solche Angaben einfach Spaß.

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Welche Relevanz haben für euch die Auswirkungen des Brexits derzeit noch und wie verhält es sich zur Produktion?

Christoph Albietz
Den Brexit sehen wir mittlerweile als Importeur tiefenentspannt. Wir haben eines unserer Lager in Holland und das sind unsere Profis, was Import aus Schottland angeht. Der Anteil für den deutschen Markt wächst – auch weil ich hartnäckig nach mehr Menge frage. Deutschland ist defintiv einer der wichtigsten Märkte überhaupt und ich arbeite daran, dass wir auch der größte ausländische Markt außerhalb der UK sind. Unsere Zielsetzung ist tatsächlich, dass Jeder eine Flasche abbekommt, der eine möchte. Derzeit arbeiten wir daran, unsere Kapazität von einer Million Flaschen zu erreichen. Bei den aktuellen Temperaturen arbeiten wir in einem 12-Schicht-Betrieb pro Woche, über den Winter mit 17 Schichten.

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Was ist das Ziel der Legacy Series und auf welche Abfüllungen kann man sich in den nächsten Jahren bei Torabhaig freuen?

Christoph Albietz
Die Legacy Series, die wir mit dem 2017 gestartet haben, hat vier Teile. Jetzt aktuell kommt der zweite Teil mit dem Namen Allt Gleann, 2024 wird er abgelöst durch Cnoc Na Moine. Wieder zwei Jahre später wird dieser durch den Allt Breacach abgelöst. Beerbt wird die Legacy Series schließlich von dem 10 Jahre alten Torabhaig. Die Legacy Series wird nicht nennenswert älter im Laufe der Zeit, damit wir ältere Bestände aufbauen können. So erhoffen wir uns einen möglichst großen Bestand an alten Fässern, um beim 10 Jahre alten Torabhaig im Jahr 2028 besser durchstarten zu können.

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Wollt ihr bei der Herstellung und Fasslagerung rein klassische Wege gehen oder sind besondere Fasslagerungen und wechselnde Rohstoffe geplant?

Christoph Albietz
Wir verstehen die Legacy Series an sich schon als Reise. Alles, was wir machen, ist nicht in Stein gemeisselt. Der 2017er Release wurde nur mit einer Hefesorte und einer Gerstensorte (Concerto) sowie First Fill Fässern hergestellt, der Allt Gleann wird mit zwei Hefe- und zwei Gerstensorten in First Fill und Refill Fässern hergestellt. All das ist ein Teil unserer Reise. So kann man erwarten, dass die dritte Abfüllung der Legacy Series noch einmal einen rauchigeren Ausdruck haben wird. Hier liegen wir derzeit bei 85 ppm, mit denen wir arbeiten. Alles ist ein Prozess von Ausprobieren, Probieren und Optimieren. Das zieht sich bei uns durch die gesamte Produktion von der Kontaktzeit mit Kupfer über die Einstellung der Mühle. Das macht die ganze Sache spannend. Zu jeder Silent Season, wenn alles gereinigt wird, bekommen zwei Mitarbeiter die Chance, einen kompletten Durchgang nach ihren Vorstellungen zu machen. Diese Experimente sollen dann in ein paar Jahren in kleinen Batches auf den Markt kommen und den Namen “The Journeymans Dram” tragen. Da haben die Mitarbeiter völlige Narrenfreiheit und dürfen auch mit wilden Gerstensorten experimentieren, eventuell wird es Whisky ohne Torf oder mit viel mehr Torf geben. Vielleicht darf ich da auch mal ran.

Torabhaig Allt Gleann, Copyright Foto by Torabhaig
Foto mit freundlicher Genehmigung von Torabhaig / Marussia Beverages

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Da würde ich auch nicht Nein sagen! Du hast erwähnt, dass eventuell auch ein Unpeated Whisky in der The Journeymans Dram Edition erscheinen könnte. Ist aktuell eine offizielle Unpeated Thorabhaig Whisky Abfüllung geplant?

Christoph Albietz
Sag niemals nie! Aber geplant ist eine Unpeated Abfüllung derzeit definitiv nicht. Der rauchige Stil, den wir derzeit in die Flaschen bringen, ist das, was wir machen möchten.

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Woher bezieht ihr eure Fässer?

Christoph Albietz
Im Moment haben wir keinen festen Lieferanten oder Bodega, von der wir die Fässer bekommen. Wir brauchen viele Fässer und schauen, dass wir sie herbekommen. Klassische Ex-Bourbon-Fässer, aber auch Portwein-, Wein-, Sherry- oder Madeira-Fässer.

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Standardmäßig habt ihr euch, wie es aussieht, derzeit auf eine Trinkstärke von 46 Vol% eingependelt. Wären für euch Abfüllungen in Fassstärke nicht auch spannend?

Christoph Albietz
Aktuell fühlen wir uns bei der Trinkstärke von 46 Vol% sehr wohl. Auch der 10 Jahre alte Torabhaig ist aktuell auf 46 Vol% geplant – das kann sich natürlich über die Reise hin ändern.

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Das ist bisher eigentlich auch meine favorisierte Trinkstärke. Habt ihr vor, Single Casks zu veröffentlichen oder an unabhängige Abfüller abzugeben?

Christoph Albietz
Single Casks wird es garantiert geben. Wir hoffen, dass wir 2021 vielleicht etwas auf den Markt bringen können. Eher Ende diesen Jahres, aber das werden wir sehen. Aktuell haben wir noch nicht so viel im Bestand und da entscheiden wir dann auch spontan nach Geschmack. Mit dem Start der Peat Elite in diesem Jahr werden wir auch schon die erste Abfüllung für die Mitglieder der Peat Elite bringen und diese wird in Fassstärke abgefüllt werden.

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Du sprichst es gerade an, euer Kundenprogramm Peat Elite. Erzähle mir und unseren Lesern doch bitte mehr über das Programm. Wie meldet man sich zur Torabhaig Peat Elite an, was erwartet das Mitglied und gibt es einen Kostenbeitrag?

Christoph Albietz
Die Peat Elite fängt da an, wo manche Brennereien und Mitgliederprogramme längst aufgehört haben. Wer sich für die Peat Elite interessiert, kann sich aktuell registrieren. Der jährliche Mitgliedsbeitrag für die Peat Elite wird außerhalb UK stolze 250 Pfund betragen. Dafür ist aber einiges inbegriffen. Zum Start der Peat Elite bekommt jedes Mitglied ein Tasting-Kit, welches individuell ausgestattet einmal jährlich versandt wird. Was man bekommt, kann man auf www.torabhaig.com nachlesen. Enthalten sind pro Jahr zwei Peat Elite exklusive Abfüllungen, die garantiert jedes Mitglied erhält. Voraussichtlich im Oktober 2021 soll bereits die erste Abfüllung verfügbar sein. Man muss nicht hoffen, an einem bestimmten Tag die Möglichkeit zu erhalten, eine Abfüllung zu kaufen, sondern man erhält die jeweiligen Peat Elite Abfüllungen zu 100%. Zusätzlich zu den Peat Elite Abfüllungen wird es Distillery Exclusive Abfüllungen geben, die man als Peat Elite Mitglied mit Vorkaufsrecht erwerben kann. Bei der Brennerei vor Ort erhält man ebenfalls exklusive Vorteile. Die Peat Elite startete in UK und Deutschland zeitgleich, weitere EU Länder werden eventuell folgen.

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Wie du ja bereits erwähnt hast, ist die Kapazität derzeit logischerweise noch nicht so groß. Gibt es dennoch bereits Planungen für ein Cask-Owner-Programm?

Christoph Albietz
Wünsche gibt es für ein Cask-Owner-Programm oder Fasskäufe bereits sehr viele. Die kommen natürlich von außerhalb, wir erhalten enorm viele Anfragen im Stil von “Ich möchte ein Fass kaufen, macht mir doch mal bitte ein Angebot”. Die kurze Antwort ist immer “Nein”. Die lange Antwort ist “es ist gegenwärtig nicht in Planung, da wir aktuell nicht die Mengen hierfür haben”. Plan Nummer Eins ist, 2028 mit dem 10 Jahre alten Torabhaig zu starten. Ich sehe ein solches Programm nicht vor 2030. Aber ich bin ehrlich. Ich würde selbst gerne eins kaufen. Aber auch mir bleibt das leider verwehrt und am Ende ist das auch fair.

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Bei neuen Brennereien und ihren ersten Abfüllungen ist man es mittlerweile gewohnt, dass spätestens und eigentlich auch hauptsächlich auf dem Sekundär-Markt die Preise in die Höhe schießen und explodieren. Jetzt war es bei der ersten Abfüllung von Torabhaig aber so, dass die Preise sogar bereits bei den Händlern direkt explodierten. Wart ihr auf dieses Phänomen vorbereitet oder habt ihr mit dem Preisanstieg nicht gerechnet?

Christoph Albietz
Sagen wir es mal so. Es hat uns nicht kalt erwischt. Für Marussia Beverages war es das erste Roll-Out eines neuen Whiskys und einer neuen Brennerei. Ich hatte damals darauf hingewiesen, dass es zu solch einem Effekt kommen könnte. So stark hatte ich das aber selbst nicht erwartet. Gerade hat sich die Abfüllung ja bei 120-130 € eingependelt. Dass einige Händler aber dann noch direkt aufspringen, wundert mich persönlich nicht. Denn am Ende des Tages möchte man sich ein Stück des Kuchens von Vorne herein abschneiden. Wir haben dies bei der Brennerei direkt nicht gemacht und haben das auch nicht vor. Wir werden die unverbindliche Preisempfehlung von 59,90 € weiter durchziehen. Denn uns ist es lieber, wenn möglichst Viele unseren Whisky probieren können. Die Flaschen, die sich derzeit aber auf dem Sammelmarkt befinden, werden aber stetig teurer werden. Die letzten Flaschen, die ich selbst noch vorrätig hatte, habe ich für offizielle Flaschenteilungen bei einem deutschen Sample-Anbieter abgegeben. So hatten möglichst viele Genießer die Möglichkeit, den Whisky zu probieren.

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Werdet ihr in naher Zukunft mehr Events und Präsenz-Tastings planen oder bleibt das Hausboot-Event in Hamburg erstmal ein Einzelfall?

Christoph Albietz
Das war das erste Mal, dass wir wieder eine physische Veranstaltung hatten. Zum Release hatten wir lediglich ein Online Tasting mit Vertretern der Presse. Ich würde das gerne öfter machen. Schon allein, um Draußen zu sein, ein Produkt zu präsentieren und mit Kunden zu reden. Da es aber auch wieder mit den Messen losgehen wird, können wir nicht so viele Präsenzveranstaltungen einplanen. Zuerst kommt Spirits Vogtland in Greiz, dann werden wir auf dem Whiskyherbst in Berlin und der Interwhisky in Frankfurt mit einem Stand vertreten sein. Online-Veranstaltungen sind als Überbrückung schon in Ordnung, aber letztlich ist Spirits Business ein People Business. Am Ende des Tages geht es darum, bei einander zu sein, gemeinsam was zu trinken und sich zu unterhalten. Ich werde neben Deutschland als Brand Ambassador von Torabhaig auch noch Veranstaltungen in Österreich und der Schweiz haben. Ehrlich gesagt könnte ich jede Woche irgendwo sein, denn ich freue mich total auf meinen Job als Brand Ambassador.

Ich selbst war nicht beim Release Event auf dem Hausboot in Hamburg, aber die Jungs von Whisky Plausch haben ein schönes kleines Video zum Release gedreht. Findest du hier: Torabhaig Allt Gleann | Releaseparty & Erste Eindrücke [Whisky Plausch & Friends]

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Meine vorletzte Frage an dich, lieber Christoph, bezieht sich eher auf Schottland und im Speziellen auf die Isle of Skye. Was muss man, neben eurer Brennerei natürlich, unbedingt auf der Isle of Skye gesehen haben?

Christoph Albietz
Castle Camus (Gälisch: Caisteal Chamuis). Die Burgruine hinter der Brennerei sollte man sich auf jeden Fall mal angeschaut haben. Nicht zu vergessen, gibt es auf der Isle of Skye aber noch eine zweite Brennerei, die man besucht haben sollte. Wir haben auch relativ gute Beziehungen zu Talisker, die uns in der Bauphase sogar den ein oder anderen Tipp gegeben hatten.

Coffee, Whisky & More
Magst du uns noch einen kleinen Ausblick auf weitere Abfüllungen geben, die außerhalb der Legacy Series erscheinen werden?

Christoph Albietz
Im Herbst kommen zwei Blended Malts unter dem Namen “Castle Camus” auf den Markt. Die Zielsetzung ist, Blended Malts im Stil von Torabhaig zu veröffentlichen. Rauchig, aber elegant. Einer wird ohne Altersangabe abgefüllt, und einer mit 12 Jahren. Während der No Age in Refill und First Fill Bourbon Fässern reift, erhält der 12 Jahre alte Castle Camus ein Sherry Finish. Neben der Peat Elite Abfüllung und einem Single Cask von Torabhaig wird es im letzten Quartal einige unabhängige Abfüllungen von Mossburn geben, die für Sammler und Genießer interessant werden dürften. Fünf Stück auf einmal, darunter zwei ältere Abfüllungen (Springbank und Jura).

Coffee, Whisky & More
Danke, dass du dir viel so Zeit für unser Interview genommen hast und ich freue mich schon darauf, mit dir auf einer der Messen oder bei anderer Gelegenheit persönlich bei einem guten Whisky zu plaudern.

Christoph Albietz
Immer wieder gerne. Vielleicht bis bald.

Gut zu wissen: Torabhaig ist gälisch und wird Toraweg ausgesprochen. Christoph Albietz erklärte dies im Interview, da ich den Brennereinamen Torabhaig natürlich typisch deutsch ausgesprochen hatte.

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