Interview mit Dr. Gerrit Blümelhuber (Doemens)

Dr. Gerrit Blümelhuber, Mitglied der Geschäftsleitung und Dozent bei der Doemens Fachakademie für die Brau-, Getränke-, und Lebensmittelindustrie, stand uns zum Thema Gin Rede und Antwort. Nach dem Gin Tasting und Destillier-Workshop, welche Dr. Gerrit Blümelhuber als Dozent leitete, traf ich mich mit ihm im Sudhaus der Fachakademie (wie passend!).

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Vielen Dank Herr Dr. Blümelhuber, dass Sie sich noch etwas Zeit für das Interview genommen haben. Was verbindet Sie mit dem Thema “Gin”?

Blümelhuber
Gute Frage! (lacht). Ich bin Brauer und als Brauer bist du es normalerweise gewohnt, dass du mit deinen Rohstoffen spielst. Und Gin ist noch eine von den Spirituosen, wo man das noch wirklich in Perfektion machen kann. Hier hat man eine möglichst große Vielfalt an Inhaltsstoffen, welche sich zum Einen natürlich untereinander beeinflussen, zum Anderen aber durch den Brennvorgang selbst auch noch ziemlich stark beeinflusst werden können.

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Wer kam auf die Idee des heutigen Gin-Tastings?

Blümelhuber
Das war ich selbst.

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Für wie wichtig erachten Sie Gin als hochwertige Spirituose? Gerade natürlich auch im Hinblick auf Ihre Seminare, die ja auch für Brauer gedacht sind?

Blümelhuber
Eigentlich ist so ein Seminar nicht immer gleich darauf ausgerichtet, dass die Teilnehmer sofort danach in die Welt hinaus gehen und selbst Gin herstellen. Aber ich finde einfach, wenn man sich mit dem Thema Gin näher beschäftigt bzw. das Herz mal für Gin entbrannt ist, dann sollte man sich definitiv auch mit der Herkunft und der Herstellungsweise beschäftigten. Im Endeffekt sehe ich hier einen guten Vergleich zur aktuellen Situation in der Barbecue-Szene. Die Pitmaster gehen auch nicht einzig und allein darauf, wie sie das Fleisch zubereiten, sondern sie möchten auch wissen, woher es kommt und wie es erzeugt wird. Änlich ist es auch bei Gin. In meinen Augen kann man ein Produkt nicht begreifen, wenn man das Produkt bzw. den Produktlebensweg nicht einmal mitbegleitet hat.

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Haben Sie die Veränderungen wie z.B. den Hype in den letzten Jahren im Gin-Bereich mitverfolgt? Sie selbst haben beim Gin-Tasting erwähnt, dass es mittlerweile über 300 verschiedene kleine Ginmarken in Deutschland gibt.

Blümelhuber
Es ist prinzipiell mal so: egal welche Sorte man sich ansieht, es gibt eigentlich keine schlechte Qualität. Es gibt allerdings Qualitäten und Marken, die bei Manchen besser, bei anderen Schlechter ankommen. Aber selbst etwas ausgefallenere Zusatzstoffe, wie man auch bereits heute beim Tasting gesehen hat, haben ihre Fans. Beispiele sind der August Gin mit Zirbenholz oder der Bergbrenner Gin mit Enzian. Das ist eine sehr erfreuliche Entwicklung, gerade auch im Hinblick darauf, dass in den letzten Jahren eigentlich jeder Brenner, der auf den Gin-Zug aufgesprungen ist, eine sorgfältige Auswahl hochwertiger Botanicals für seinen Gin verwendet. Die Rohstoffe selbst nicht natürlich nicht immer jedermanns Geschmack. Faszinierend finde ich, dass es viele Brenner gibt, die garnicht den Mainstream bedienen möchten, sondern lieber spezielle Botanicals verwenden.

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Welcher Gin hat Ihnen heute beim Tasting am Besten gefallen?

Blümelhuber
Ich bin ein großer Verfechter vom Bergbrenner Gin von Grassl aus Berchtesgaden. Mir gefällt die Enzian-Note sehr gut, weshalb dieser Gin mein Favorite ist.

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Die Flaschen, die heute beim Tasting verköstigt wurden, stammen alle aus Ihrem Fundus oder haben Sie speziell für das Tasting ein paar Flaschen gekauft?

Blümelhuber
Es ist nicht so, dass ich immer neun verschiedene Gins daheim stehen habe. Die meißten der Flaschen hatte ich aber tatsächlich zuhause. Den August Gin z.B. trinke ich durchaus gerne mal, aber eine Flasche habe ich davon noch nicht daheim.

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Wie Sie ja gemerkt haben, hat der August Gin einigen Teilnehmern nicht so geschmeckt.

Blümelhuber
Ja, er hat einigen Teilnehmern nicht geschmeckt. Gerade der August Gin spaltet ein bisschen die Gemüter. Er ist ein wahnsinnig faszinierender Gin, da er tatsächlich mal ein Botanical drin hat, was sehr aussergewöhnlich ist. Aber das ist ungefähr so wie mit Rezina, dem griechischen Wein. Es gibt Leute, die können darin baden und dann gibt es Leute, denen er überhaupt nicht schmeckt. Aber das geht dann genau in die Richtung, wo ich vorhin schon angedeutet habe. Hätten die August Brenner einen Gin für die Masse machen wollen, hätten sie auf die Zirbe verzichtet. Änlich ja auch bei dem Siegfried Rheinland Dry Gin mit der Lindenblüte.

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Haben Sie heute zum Ersten Mal Gin destilliert?

Blümelhuber
Auf der Anlage, der Sibylle, ja. Vorher schon öfter. Ich leite für Doemens öfter Tastings, das Gin Tasting war heute allerdings zum ersten Mal. Bisher waren eigentlich fast nur Tastings aus dem Bereich der malzbasierten Spirituosen, mit Ausnahme eines Apfelbrands.

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Sind die Veranstaltungen dann auch für Privatleute oder rein nur für Personen, die aus der Brau- und Brennerbranche kommen?

Blümelhuber
Es heißt zwar  “Brennen für Brauer” oder “Spirituosen für Brauer”, aber das ist eigentlich nur auf den Rohstoff bezogen. Selbstverständlich können auch Privatleute an den Tastings teilnehmen. Bei “Brennen für Brauer” geht es allerdings sehr stark in die Richtung Vermentation, also die Vorstufe der Destillation. Und da schadet es definitiv nicht, wenn man ein bisschen Vorwissen hat, weil es bereits stark in die Materie geht.

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Sehen Sie einen direkten oder indirekten Zusammenhang zwischen der riesigen Vielfalt an verschiedenen Gins und der Biervielfalt?

Blümelhuber
Das ist ein genereller Trend im Craftbierbereich und Craftdistillingbereich. Die Leute sind wieder bereit, für Genuss mehr Geld auszugeben. Im Bierbereich z.B. war es früher mehr ein Wirkungstrinken. Aber viele Menschen sind mittlerweile einfach bereit, für den Genuss einer einzelnen Flasche Bier Geld auszugeben. Daraus generiert sich natürlich auch wieder das erhöhte Angebot, dass Brauereien sich tatsächlich auch wieder auf so etwas einlassen. Genau das Selbe ist es auch im Spirituosenbereich. Vor 20-30 Jahren hätte niemals jemand freiwillig bis zu 60 Euro für eine Flasche Gin ausgegeben. Heute sagt da eigentlich kein Mensch mehr was drüber, wenn man eine solche Flasche im Schrank stehen hat.

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Nun sind wir am Ende unseres Interviews angekommen. Vielen Dank Herr Dr. Blümelhuber für die genommene Zeit.

Blümelhuber
Wunderbar. Gerne!

Unseren Beitrag zum Gin-Tasting und Destillier-Workshop mit Dr. Gerrit Blümelhuber findet ihr hier.

 

Gerrit Blümelhuber
Dr. Gerrit Blümelhuber

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