Loch Lomond Blind Tasting

Die schottische Brennerei Loch Lomond ist Vielen ein Begriff. Sei es durch die fiktive Whiskymarke in den Tim und Struppi Comics des belgischen Zeichners Hergé oder den vor Jahren im Supermarkt erhältlichen, eher durchschnittlichen Single Malt. Um die verschiedenen Stile der Brennerei kennenzulernen, habe ich an einem Loch Lomond Blind Tasting teilgenommen und nicht schlecht gestaunt.

Loch Lomond | Whisky
Loch Lomond (Foto by Sebastian Büssing)

Über ihn wurden schon zahlreiche Lieder gesungen: den Loch Lomond. Er liegt etwa 20 km nordwestlich von Glasgow und gilt als schönster See Schottlands. Nach ihm ist auch die Brennerei benannt, um die es in diesem Beitrag geht. Nicht etwa nach der Whiskymarke aus den Tim und Struppi Comics, die ich damals gelesen habe. Die im Jahre 1966 gegründete Brennerei liegt am südwestlichen Ende des Sees und wurde bereits mehrfach geschlossen und wieder eröffnet. Das Interessante an der Brennerei ist jedoch vor allem, dass mittlerweile verschiedene Brennblasen eingesetzt werden und dadurch völlig unterschiedliche Brennereistile entstehen.

Loch Lomond Distillery
Loch Lomond Brennerei (Foto by Sebastian Büssing)

Diese Brennblasen nutzt Loch Lomond zur Produktion:

  • Traditionelle Pot Stills
  • Straigth Neck Pot Stills
  • Continuous Stills (Coffey Stills)
  • Continuous Grain Stills (Coffey Stills)

Sie stellen laut eigener Angabe als einzigste Brennerei Schottlands Single Grain Whisky aus 100% Malz mit Continuous Coffey Stills her. Nachfolgend siehst du eine Grafik der Brennerei Loch Lomond mit den verschiedenen Brennblasen und den verschiedenen Brennereistilen (siehe Spalten).

Stile Loch Lomond
Brennblasen & Brennereistile (Copyright by Loch Lomond Distillery)

Um die verschiedenen Brennerei-Charaktere Loch Lomonds kennenzulernen, hat mir Sebastian Büssing ein paar Blind-Samples abgefüllt. Zudem sind die Brennereifotos in diesem Beitrag von ihm – vielen Dank dafür!

Sebastian füllt als unabhängiger Abfüller The Spirits Alchemist immer wieder besondere Fassprojekte ab und ist seit 2019 deutscher Brand Ambassador für die schottische Brennerei Loch Lomond. Die Regeln dieses Blind Tastings waren einfach: Samples nur mit Nummern und was drin steckt, erfuhr ich erst nach dem Probieren.

Was ein Blind Tasting genau ist und wie du das selbst mal ausprobieren kannst, erkläre ich dir in folgendem Beitrag:

Loch Lomond Blind Tasting – Meine Tastingnotes

Blind Tasting Sample 1

In der Nase ist der Whisky noch leicht säuerlich von vergorenem Obst, hauptsächlich nehme ich aber Getreide und etwas Birne wahr. Dazwischen lässt sich etwas muffiger Rauch nieder. Geschmacklich präsentiert er sich sehr mild, viel Honig, ordentlich Malz, süßes Obst wie Mirabellen und Birne, leicht zimtig und etwas Ingwerschärfe. Die Aromen ziehen sich bis in den Abgang.

Blind Tasting Sample 2

Zuckerkirschen und Pflaumen ergeben bei diesem Whisky eine schön süße Nase, die leicht von frischem Gras unterstrichen wird. Cremiges Toffee und fruchtige Kiwinoten ergeben mit ein paar floralen Tönen ein schönes Bouquet, das an der Spitze ganz minimal Pfefferschärfe bietet. Erst gibt es einen pfefferscharfen Antritt und etwas Eiche an der Zungenspitze, dann gehen die Aromen über in süße Kiwi und Karamell, im Abgang wird es dann wieder pfeffriger und die Eichenholznoten intensiver.

Blind Tasting Sample 3

Sample auf und… Marzipan in Milchschokolade. Ordentlich Duft von hellem Traubentrester und etwas getrockneter Aprikose, übergossen von etwas Honig und spritziger Zitrone. Tritt an der Zunge kräuterig und getreidig an, etwas Minze kann ich schmecken. Dann folgen die getrockenen Aprikosen, klebriges Butterscotch und eine gute Portion Milchschokolade. Zum Abgang wird es dann wieder kräuteriger bzw. eigentlich eher krautig. Etwas Minze liegt darüber.

Blind Tasting Sample 4

Die Nase trägt mich gerade in die Karibik. Süße von exotischen Früchten wie Papaya und der weich-erdige Geruch einer Kokosnussschale. Saftige Birne und Vanille zeigen sich konstant süß in der Nase. Auch Geschmacklich versetzt mich der Whisky in die Karibik, die bereits wahrgenommene Papaya und andere exotische Früchte sind da, dann wird es noch süßer. Es erinnert fast schon an klebrigen Honig. Sehr süße Frucht und ganz leichte Säure wechseln sich im Mund ab. Es bleibt ein erfrischendes Mundgefühl, was ich als Menthol assoziiere. Im Abgang bekommt es noch Besuch von reifer Banane.

Blind Tasting Sample 5

Im ersten Moment weckt das fünfte Blind Tasting Sample eine Assoziation von frisch gemahlenem Salz und Cayennepfeffer. Der Whisky riecht nach Haselnuss und ganz leicht nach frisch aufgeschnittenem Apfel. Dezenter holziger Geruch liegt über dem Whisky. Karamell legt sich angenehm im Mundraum ab. Er hat eine leichte Citrussäure, dann melden sich die holzigen Aromen. Ein bisschen rauchig scheint der Whisky zu sein, aber nur ganz minimal. Im Abgang wird der Whisky nochmal süß fruchtig, umschwebt von minimalem Rauch.

Blind Tasting Sample 6

Jetzt sind wir im Rahmen dieses kleinen Loch Lomond Blind Tastings bei einem Whisky angekommen, den ich geruchlich auch sehr gut abends zur Brotzeit vorstellen kann. Das liegt einfach daran, dass er mich an geräucherten Schinkenspeck erinnert. Und dieser dominiert sehr stark in der Nase. Das setzt sich beim Geschmack in erster Linie auch so weiter durch und spricht für mich dafür, dass es sich um einen Inchmoan handeln dürfte. Ich weiß zwar bisher noch nicht so viel über die Brennerei, dass “Inchmoan” allerdings für die rauchigen Destillate der Brennerei steht, ist mir bekannt. Dahinter kommen dann Marzipannuancen zum Vorschein, was auch immer die da zu suchen haben. Ist einfach meine Assoziation. Nach und nach öffnet sich der Rauch etwas und ich kann süßen Apfelsaft und gerösteten gemahlenen Kaffee schmecken. Lang hallt der Whisky mit seinem Speckrauch und einigen fruchtigen Aromen am Gaumen nach.

Loch Lomond Whisky Fass
Loch Lomond Fass (Foto by Sebastian Büssing)

Welche Whiskys steckten hinter den sechs Loch Lomond Blind Tasting Samples?

  1. Loch Lomond Signature
  2. Inchmurrin 12 Jahre
  3. Inchmurrin Madeira
  4. Loch Lomond – The Open Special 2019
  5. Loch Lomond 18 Jahre
  6. Inchmoan 12 Jahre

Mein Fazit zu diesem Loch Lomond Blind Tasting Experiment

Es war faszinierend, wie unterschiedlich Whisky doch von der Brennerei Loch Lomond schmecken kann. Mein Loch Lomond Blind Tasting hat mir deutlich gezeigt, dass ein solches Tasting durchaus Sinn machen kann, ohne jegliche sonstige Einflüsse Whisky oder gar Brennereistile für sich zu entdecken. Und Eines hat das für mich noch bestätigt: gute rauchige Whiskys kommen nicht ausschließlich von der Insel Islay.

Ein Gedanke zu „Loch Lomond Blind Tasting

  1. Sehr interessanter Artikel, gut geschrieben. Ich persönlich bin ein großer Fan von Blind-Tastings, da sich hier wirklich die Spreu vom Weizen trennt, zum Teil erstaunliche Ergebnisse zu Tage treten und sich auch kleinere oder unbekanntere Brands, Abfüller und Distillerien behaupten können. Interessanter Nebeneffekt: Einige der „Markentrinker“ – vielleicht sogar die Mehrheit – sind bei Blind-Tastings (geschmacklich ) überfordert, da sie die Geschmackskomplexität nicht abbilden können und wie Lemminge nur der breiten Masse hinterher laufen 😉

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