Morris Gin

Heute entführe ich euch in die Schweiz, denn hier wird der Morris Dry Gin hergestellt, der nach dem englischen Künstler und Architekten William Morris benannt ist. Was den Künstler, die Schweiz und den Morris Gin miteinander verbindet und wie der Gin schmeckt, erfahrt ihr in dem Tastingbeitrag.

England trifft die Schweiz: der Morris Gin

Nach dem Vorbild des englischen Künstlers und Architekten William Morris wurden um das Jahr 1888 herum in den Alpen am Vierwaldstätter See und im Bregenzerwald nahezu baugleiche Jagdvillen errichtet. Regionale Handwerksmeister bauten sie im schottischen Cottage-Stil. Als großer Schottlandfan macht mich das extrem neugierig, allerdings habe ich erst zwei Mal meine Füße auf schweizer Boden gesetzt und zu diesen Zeitpunkten wusste ich noch nichts von diesen Jagdvillen. Aber da könnt ihr euch sicher sein: irgendwann schaue ich mir die von Nahem an!

William Morris leiht aber nicht nur seinen Namen diesem Gin. Das Etikett wurde einem original Samtdruck nachempfunden, den dieser Künstler “The Strawberry Thieves” oder auch “Erdbeerdiebe” nannte. Theresia Angel-Hämmerle, die für das Etikett verantwortlich war, hat damit auch bereits einen Preis gewonnen. Denn um das Feeling noch realistischer zu machen, wurde das Etikett sogar auf Samtpapier gedruckt. Was also auf den Fotos vielleicht etwas verwaschen oder unscharf aussieht, ist rein dem Samtdruck geschuldet. Fühlt sich auf alle Fälle sehr crazy an!

Um dann wieder den Bogen zu England zu schlagen: der Morris Gin ist ein London Dry Gin, der auf traditionellen Kupferbrennblasen im Small Batch Verfahren gebrannt und mit 47 Vol-% Alkohol abgefüllt wird.

Morris Gin
Das Etikett des Morris Gin wurde mit Samtdruck gefertigt

Botanicals

Um die Wahl der Botanicals macht die Wild Alps GmbH aus der Schweiz ein Geheimnis. Allerdings konnte ich ihnen einige der weniger als 10 Botanicals entlocken: Bitterorange, Koriander, Wacholder und Galgant. Bei Letzterem handelt es sich um eine Pflanzenwurzel aus der Familie der Ingwergewächse. Sie wird vor allem als Gewürz- und Heilzpflanze verwendet. Ansonsten wurden noch einige heimische schweizer Blüten destilliert.

Der Morris Gin im Geschmacksportrait

Kaum ist der Gin im Glas, nehme ich einen kräftigen Atemzug. Mir strömen Aromen entgegen, die mich gedanklich in die Berge und das frische Gras abschweifen lassen. In einer kräftigen Mischung aus Kräutern und frischem Gras sticht ein krautig-scharfes Aroma heraus. Es erinnert an Ingwer – was für mich eindeutig auf die Galgantwurzel hindeutet. Nachdem ich dem Gin etwas Zeit und Luft gelassen habe, kommt ein intensiver Hauch von frischer Gurke und Zitrustöne (vielleicht Zitronenmelisse?) zum Vorschein. Die Aromen werden von klaren Wacholdernoten umrahmt. Dass der Morris Gin 47 Vol-% hat, versteckt er dabei relativ gut im Geruch. Alles in allem für mich eine tolle Nase, an der ich wirklich sehr lange gerochen habe, bevor ich den Gin probiert habe.

Ich bin doch etwas überrascht, denn die 47 Vol-% Alkohol sind nicht nur in der Nase gut eingebunden, denn im Geschmack fällt die Stärke des Alkohols noch wesentlich weniger auf. Der Morris Gin bleibt sich im Geschmack sehr treu, startet aber sehr mild. Dann kommen nach und nach die intensiven Kräuteraromen und etwas krautige Schärfe von der Galgantwurzel zum Vorschein. Wer mal Heublumen gegessen hat, weiß, was ich außerdem gerade schmecke. Nämlich Heublumen. Der ingwerähnliche Geschmack der Galgantwurzel ist auch im Geschmack mittig zwischen den kräuterigen Noten vorhanden. Jetzt kann ich auch die Zitrusnoten aus dem Geruch besser zuordnen, denn nun schmecke ich die Bitterorange sehr gut heraus. Schmeckt sehr frisch. Auch der für Gin wichtige Wacholder ist gut eingebunden. Weder zu prägnant noch zu versteckt. Ich kann es nicht besser beschreiben, er passt einfach gut in diese gelungene Mischung.

Den Abschluss des Morris Gin bildet ein warmes, weiches und süß-fruchtiges Aroma, was sich mild im Mundraum legt. Hier und da lässt sich dann nochmal die Galgantwurzel und überraschenderweise auch ein paar kühlende Noten von Pfefferminze an der Zunge blicken.

Morris Gin als Gin & Tonic

Perfect Serve – Mit welchem Tonic? Oder doch lieber pur?

Ich bin ganz bei dem Perfect Serve von The Wild Alps. Das Gents Flauder Swiss Elderflower Tonic Water ergänzt den Morris Gin zu einem fruchtig herben Gin Tonic. Das Tolle an dieser Kombination ist, dass das Holunderblütentonic die herben und kräuterigen Noten des Gins nicht überdeckt, sondern fruchtig ergänzt und damit eine tolle Erfrischung ergibt. Ich würde hier persönlich dann nur noch mit einer Limettenzeste ergänzen, die passt hervorragend zu den Zitrus-Aromen. Ansonsten kann man den Gin auch mit einem normalen Dry Tonic servieren. Mixt man ihn mit dem Fentimans Connoisseurs Tonic, dann muss man aber bedeutend vorsichtiger dosieren, denn das Tonic hat wirklich Intensität.

Fazit:

Großes Kino! Gerne werde ich für dich aber auch genauer. Der Morris Gin entführt in der Nase und auf der Zunge zu saftig bewachsenen Wiesen ins schweizerische Gebirge. Hier grünt alles und duftet frisch und kräuterig. Das Zusammenspiel der intensiven Aromen ist dabei sehr ausgewogen. Für mich ist der Morris Gin von Wild Alps aus der Schweiz eine Spirituose, bei deren purem Genuss man sich gerne länger Zeit nehmen kann und sollte. Du würdest mir sicher nicht glauben, dass ich sehr sehr lange an diesem Gin gerochen habe – bis du ihn selbst im Glas hattest. Als Gin Tonic mit einem Elderflower-Tonic ist er sehr erfrischend, ohne dass der Charakter des Gins auch nur ansatzweise verdeckt wird. Aber ich bleibe dabei, für mich ist der Gin pur ein Erlebnis.

Für die Unterstützung mit einer Produktprobe durch die Wild Alps GmbH möchte ich mich herzlich bedanken. Ungeachtet dessen gibt dieser Tastingbeitrag meine persönliche und unbeeinflusste Meinung wieder.

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