Murre Gin – “Haddu Möhren im Glas!?”

Wer in meiner Generation groß geworden ist, musste unweigerlich mit den “Häschen-Witzen” in Berührung kommen. “Haddu Möhren?” fragte es einst einen Kioskbesitzer. Sie haben zwar nichts mit dem Kioskbesitzer oder dem Häschen zu tun, hatten aber Möhren da: Bärbel und ihr Mann Ralph aus dem Rheinland haben sich unter dem Namen wacholdas?! einen Gin mit Möhren ausgedacht: den Murre Gin.

Bei der Auswahl der Botanicals hat man bei der Ideenfindung für einen Gin ja viele Möglichkeiten. Möhre bzw. Karotte kam mir bisher aber nicht mal in den Sinn, obwohl sie ja einen interessanten Geschmack für Gemüse hat. Nämlich leicht süßlich. Bärbel und ihr Mann Ralph, die im Rheinland beheimatet sind, wollten einen simpel gestrickten Gin mit Bezug zu ihrer Heimat machen. “Murre”, was im Rheinischen für “Möhre” steht, sorgte bei ihrer Gin-Idee für Lokalkolorit. Denn in Sankt Augustin-Hangelar steht ein Flughafen, um den früher aufgrund des sandigen Bodens Möhren angebaut wurden.

Was steckt im Murre Gin?

Neben der Möhre / Karotte als zweites Leitbotanical und sogar auch titelgebende Zutat ist im Murre Gin garnicht viel enthalten. Natürlich Wacholder, sonst wäre es ja kein Gin. Zusätzlich werden Orangenzeste und Pfefferminze mitdestilliert – über den Rest schweigen sich das Ehepaar und der Brenner Frank Ginsberg aus. Schade eigentlich, aber so muss man eben frei nach dem Geschmackssinn rätseln.

Murre Gin

Geschmackstest

Diese süßlich-herbe Note habe ich so bei einem Gin noch nicht wahrgenommen. Sie erinnert etwas an frisch geschälte Möhren / Karotten, Wacholder und etwas Orange. Aber ein relativ ungewohnter Geruch. Dahinter zieht dann noch kühlend frisch Pfefferminze in die Nase. Dazwischen tauchen irgendwie muffig-bittere Noten auf, die ich nicht zuordnen kann.

Karotten-Wacholder-Wasser trifft es am Ehesten, was ich im ersten Antritt im Mundraum wahrnehmen kann. Nachdem der Alkohol etwas spürbar wird, kommen auch schon süßlichere Töne und Orange ins Spiel. Relativ citrisch erfrischend. Die Schärfe zieht etwas an, dürfte sowohl von Pfeffer als Botanicals sowie auch etwas vom Alkohol herrühren. Dann erkenne ich wieder die bitteren muffigen Noten aus der Nase, kann sie allerdings immer noch nicht zuordnen. Jetzt, nachdem die Erfrischung durch die Orange vorbei ist, macht sich kühlende Pfefferminze intensiv breit und mir kommt es so vor, als hätte man auch Gurke unter die Botanicals gemischt. Keine Ahnung, ob ich da richtig liege, aber die Assoziation ist da.

Dominiert wird der Abgang von der großflächigen kühlenden Frische der Pfefferminze und der süß-herben Karotte. Sehr angenehm und länger anhaltend.

Tonic-Empfehlung

Wenn man Bärbel oder Ralph fragt, ob sie eine Tonic-Empfehlung zu ihrem Murre Gin geben können, kommt da schnell “Trink was dir gefällt!”. Selbst bevorzugen sie trotzdem ein Mediterranean Tonic. Prinzipiell passt aber auch jedes eher zurückhaltende Tonic sehr gut zu dem Gin, wie z.B. das Gents Swiss Roots Tonic Water. Ich muss aber gestehen, dass mich die Möhre / Karotte an Rohkost erinnert hat und dann hab ich einfach zwei speziellere Tonics ausprobiert. Macht euch doch einfach einen Rohkost Gin Tonic! Wie das geht? Nehmt ein Tonic Water mit Gurke wie das Dr. Polidori’s Cucumber Tonic oder das Franklin & Sons Elderflower with Cucumber Tonic. Dann nur noch eine Scheibe Gurke und ein Stück Karotte ins Glas geben und euren Rohkost Gin Tonic genießen. Süffige Kombi!

Murre Gin als Rohkost Gin Tonic

Fazit: Der Murre Gin bietet mit der Möhre ein unübliches Leitbotanical. Was man sonst eher als Rohkost oder Suppe isst, sorgt bei dem Gin aber für bedeutend mehr als nur einen auffälligen orangen Farbton. Nämlich für einen interessanten Geschmack und das vor allem sowohl pur als auch als Gin Tonic. Das Experiment ist in meinen Augen gelungen!

Wer nun Lust auf Gin mit Möhre hat, findet den Murre Gin u.a. bei Wacholder-Express.

Vielen Dank an Murre Gin für die Zusendung einer Probe des Gins. Das hat allerdings keinerlei Einfluss auf meine persönliche Bewertung.

Murre Gin als Rohkost Gin Tonic

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