Nomad Outland Whisky vor alter Truhe

Nomad Outland Whisky

Rückblick: Sommer 2017, zusammen mit zwei Freunden nehme ich an einer Führung mit Tasting durch die Bodega Gonzales Byass teil. Als wir im Touri-Zug an einem Lagerhaus vorbei fahren erwähnt die Tourleiterin beiläufig, dass hier auch ein Blended Whisky gelagert werde. Das interessiert mich zu diesem Zeitpunkt herzlich wenig. Denn a) lag der Schwerpunkt der Besichtigung auf Sherry in all seinen Facetten und b) war ich zu diesem Zeitpunkt noch vernarrt in Single Malts und wusste einen guten Blend nicht zu würdigen. Und so geriet der Nomad Outland Whisky schnell in Vergessenheit.

Was ist Outland Whisky?

Zeitsprung: Sommer 2019. Als ich auf der hohen, schmalen Flasche den Satz “Born in Scotland, raised in Jerez” lese wird mir klar, welchen Whisky ich da vor mir habe. Jetzt wird es also Zeit, sich den spanischen Whisky mit dem außergewöhnlichen Namen mal näher anzuschauen.

Wofür steht Outland Whisky überhaupt? Die Informationen auf dem Etikett und eine schnelle Internetrecherche bringen Licht ins Dunkel. Der Nomad ist nämlich ein echter Schotte, ein Ausländer sozusagen, der sich in Spanien niedergelassen hat und sich von einer andalusischen Spezialität beeinflussen ließ, bevor er in Flaschen abgefüllt wurde und wieder auf Reisen ging.

Der Nomad im Detail

So viel zur Kurzfassung, die echte Geschichte dahinter ist viel nüchterner aber nicht weniger spannend. Aufmerksame Leser unseres Blogs wissen sicher, dass wir beide große Fans von Wein-Finishes sind, besonders von sherryfassgelagerten Whiskys. Diese Fässer haben alle ihren Ursprung in den Wein-Bodegas rund um Jerez de la Frontera in Andalusien. Dazu zählt auch die große Bodega Gonzales Byass, die wohl jedem durch ihren Bestseller Tio Pepe bekannt sein dürfte. Neben dem meistverkauften Sherry der Welt kommen unzählige weitere Produkte unter den Namen Gonzales Byass, Noe, Croft oder Del Duque auf den Markt. Neben Sherry gehört unter anderem auch Vermouth zum Sortiment.

Bei so großen Produktions- und Lagermöglichkeiten ist es fast schon erstaunlich, dass es bis Anfang der 2010er gedauert hat, bis die Firma auf die Idee kam einen eigenen Whisky auf den Markt zu bringen. Aber andererseits war Spanien noch nie als großes Produktionsland für Whisky bekannt. Daher war es wohl die beste Entscheidung von Gonzales Byass sich mit Richard Paterson einen echten Schotten ins Haus zu holen. Der Masterblender (unter anderem von The Dalmore) importiert verschiedene 5-9 jährige Single Malts nach Spanien und verblendet sie dort mit einem kleineren Anteil Grain Whisky zum Nomad Outland Whisky. Im Anschluss darf der Whisky noch für ein Jahr in alten Pedro Ximinez Sherry-Fässern in den heiligen Hallen der alten Bodega nachreifen.

Faktencheck

  • Blended Whisky aus 5-9 jährigen Mal Whiskys und einem kleinen Teil Grain Whisky
  • Vermählung für ein Jahr in 30 Jahre alten PX Sherry Fässern
  • Keine Angabe zur Kältefiltrierung
  • Zuckerkulör wurde zur einheitlichen Farbgebung verwendet
  • 41,3 Vol-%
  • Preis: ca. 35 €

Geschmackstest: Nomad Outland Whisky

Der Whisky leuchtet im Glas goldbraun. Leider bringt uns diese Informationen nicht viel, da der Whisky laut Herstellerangaben mit Zuckerkulör zur einheitlichen Farbgebung gefärbt wurde. Ein Thema, über das man sicherlich streiten kann und dazu darst du uns auch gerne deine Meinung in den Kommentaren hinterlassen.

Aber in unserem Tastingbeitrag wende ich mich lieber dem zu, was uns hauptsächlich interessiert. Nämlich wie der Nomad Outland Whisky riecht und schmeckt. Aus dem Glas strömt mir ein süß-würziger Mix aus Rosinen, Datteln, Malz und Sherrynoten entgegen. Dazwischen erkenne ich Vanille. Schön mild eingebunden. Etwas trockenes Eichenholz ist spürbar, dahinter tritt etwas Alkohol hervor.

An der Zunge landet der Nomad Outland Whisky völlig überraschend mit erfrischender leicht saurer Orange. Danach eröffnet sich der Whisky im Geschmack noch voluminöser. Der süß-würzige Mix aus Datteln, Rosinen und Sherrynoten wird durch Malz, Honig und Vanille ergänzt. Etwas Trockenheit breitet sich im Mundraum aus, was ich auf das Eichenholz zurückführe. Beiche Butterscotch Noten komplettieren den Geschmack im Wechselspiel mit der spritzigen Orange.

Zum Ende hin liefert der Whisky neben den spritzigen Orangentönen und süßem Trockenobst vor allem Vanille, etwas zu viel Eichenholz für meinen Geschmack und präsente nussige Aromen.

Tastingnotes:

Optik: Goldbraun (lt. Hersteller Zuckerkulör zur einheitlichen Farbgebung)

Geruch: Rosinen, Datteln, Malz, Sherry, Holz, etwas Vanille und Alkohol

Geschmack: Orange, Butterscotch, Rosinen, Datteln, Sherry, Honig, Vanille, etwas Holz

Abgang: lang. Nuss, Vanille, Sherry, viel Rosinen

Fazit:

Dieser Whisky hat bei mir einiges bewegt. Natürlich war da die Erinnerung an einen zurück liegenden Urlaub, die perfekte Einladung um mal fünf Minuten zu träumen. Dazu kommt die Verbindung zwei gegensätzlicher Elemente. Zum einen die Einfachheit des Blend, denn es muss ja nicht immer was Besonderes sein. Und zum Anderen dann trotzdem die spezielle Fasslagerung mit eigenem Charakter. Wie fällt mein Fazit zum Nomad Outland Whisky aus? Im ersten Moment schwierig einzuordnen, da er versucht in zwei Welten zu spielen. Und dafür mag ich ihn sehr – etwas shizophren. Der Whisky ist ein (immernoch) preiswerter Alltags-Whisky für den Kenner und ein super erster Einstieg für Neulinge in die spannende Welt der Sherryfass-Lagerungen. Also ausprobieren!

Wein-Wolf hat uns diesen Whisky für einen unabhängigen Tastingbeitrag zur Verfügung gestellt. Hierfür bedanken wir uns. Dies beeinflusst weder unsere ehrliche Meinung noch diesen Beitrag.

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