Sipsmith Lemon Drizzle Gin

Sipsmith Lemon Drizzle Gin

Einige Gin-Liebhaber kennen und lieben ihn bereits und freuen sich, dass er jetzt endlich auch in Deutschland erhältlich ist: Der Sipsmith Lemon Drizzle Gin. Vor einiger Zeit habe ich mir schon eine Flasche aus England gesichert und finde “jetzt” ist der perfekte Zeitpunkt um sie zu öffnen.

Über den Sipsmith Lemon Drizzle Gin

Florian hatte eigentlich für das Frühjahr einen Wochenendtrip nach London inkl. Brennereibesuch geplant. Das wird er hoffentlich in naher Zukunft noch nachholen können und uns einen ausführlichen Bericht über die Distillerie mit dem Schwanenhals liefern. Um diesem jetzt aber nicht vorzugreifen möchte ich gar nicht viele Worte über Sipsmith verlieren sondern nur kurz auf die Entstehungsgeschichte des “Lemon Drizzle” eingehen.

Als Sipsmith 2008/2009 mit dem Brennen begann, besonnen sich die drei Gründer auf die Ursprünge des Gins. Wie in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als die Herstellung noch nicht im Großen Stil industrialisiert war, brennt auch Sipsmith heute in Kupferbrennblasen, sogenannten “Copper Pot Stills”. Ungefähr 50 Jahre später, in den 1920ern waren dann Zitrus-Gins sehr beliebt. In Anlehnung daran kreierte Sipsmith vor einigen Jahren dann den Lemon Drizzle Gin, der nach dem gleichlautenden Zitronenkuchen benannt ist.

Der Gin vereint klassische Botanicals wie Wacholder und Koriandersamen mit schönen Zitrusaromen aus der Schale und Zitronenverbene. Als zusätzliche Botanicals kommen Vanille und Mandeln zum Einsatz, wie sie auch in einem Kuchenrezept vorkommen könnten. Als Grundrezept dient natürlich der klassische Sipsmith London Dry Gin, der Lemon Drizzle darf sich allerdings nicht mehr London Dry Gin nennen. Sondern er wird zum Dry Gin “degradiert”. Das ist natürlich nicht abwertend gemeint. Wer Sipsmith kennt, weiß um die hohe Qualität der Produkte. Und auch die 40,4% vol. verraten schon, dass wir hier einen astreinen Gin vor uns haben und kein minderwertiges Produkt.

Verkostungsnotizen

Nachdem ich die Botanicals und die Machart studiert habe, wird es natürlich Zeit den Gin zu probieren. Als ersten Eindruck auf die Sinne lasse ich gerne noch die Flasche auf mich wirken. Durch Form und Gestaltung lässt sie sich sofort der Sipsmith Range zuordnen und durch die gelbe Farbe ebenfalls im Geschmacksprofil einordnen. Das Etikett wurde allerdings nicht nur gelb gefärbt, sondern auch grafisch etwas aufgehübscht. Zitronen fügen sich nun als zentrales Element in die Gestaltung ein.

Der Kunstkorken ist, wie bei den Schwesterprodukten, mit Wachs überzogen. Durch die zähe Plastikfolie zwischen Flaschenhals und Wachs lässt sich dieser aber nicht so einfach lösen wie bei dem bekannten Bourbon mit dem tropfenden Wachs. Dadurch leidet das Erlebnis die Flasche zu öffnen etwas.

Nosing

Der Ärger hält jedoch nur kurz an, genauer gesagt bis der erste Tropfen im Glas landet. In der Nase macht sich gleich das intensive, leicht stechende Zitronenaroma breit. Kein Zweifel, der Gin hat seinen Namen verdient. Je weiter man die Nase ins Glas steckt, umso besser kommt der zugrundeliegende Dry Gin mit den klassischen Botanicals durch.

Geschmack

Das erste Mal pur im Mund überrascht mich das ausgesprochen weiche Mundgefühl. Aromatisch ebenfalls ein Erlebnis. Der Gin ist nach wie vor sehr zitronig, allerdings nicht mehr so im Vordergrund wie beim Nosing. Es ist eher eine Metaebene über den anderen bekannten Aromen. Dazu kommt die Süße Komponente von Vanille und Mandeln. Später kommt der Wacholder noch mal richtig zum Tragen und auch das Mundgefühl wandelt sich von weich zu kräftig.

Gut gekühlt auf Eis gehen, wie zu erwarten war, einige Aromen verloren. Dabei kann sich die Zitronennote noch am Besten durchsetzen. Der Lemon Drizzle ist auch “on the Rocks” eine Empfehlung für diejenigen, die den starken Charakter etwas abmildern und süffiger gestalten wollen.

Sipsmith Lemon Drizzle Gin

Paring mit Tonic Water und anderen Mixern

Pur fand ich den Gin super interessant, sodass ich ihn an verschiedenen Tagen mit verschiedenen Mixern probiert habe.

Was Tonic Water angeht ist der Gin extrem vielseitig. Zuerst habe ich die Kombination mit dem Gents Swiss Roots Tonic Water ausprobiert, das unserer Erfahrung nach zu fast allen Gins gut passt. Es ist sehr zurückhaltend, sodass kein Gin großartig überdeckt wird. Außerdem bringt es selber eine leichte Zitrusnote mit, die hervorragend mit dem Lemon Drizzle harmoniert. Man sollte nur tunlichst darauf achten, dass man den Gin nicht im Tonic ersäuft – aber das gilt natürlich für jeden Gin & Tonic bzw. jedes Mischgetränk.

Aber auch ein florales Tonic Water passt gut dazu. Mein zweiter Test fand mit einem Elderflower Tonic Water statt, dass es unter anderem auch von Gents gibt. Diese Kombination ist einfach Sommer pur im Glas. Zitrus, Holunder und andere fruchtige Aromen wechseln sich mit etwas Süße und den würzigen Botanicals ab. Happiness garniert mit einer Zitronenscheibe trifft es ganz gut.

Zusätzlich zur neutralen und zur fruchtigen Version wollte ich noch ein würziges Tonic Water probieren. Mein Go-To in diesem Bereich, das Fever Tree Mediterranean habe ich aktuell allerdings nicht im Haus. Stattdessen gab es noch einen anderen All-Time-Favorite: Den Gin Rickey. Dabei wird der Gin mit dem Saft einer halben Limette aufgepeppt und mit Soda oder Mineralwasser aufgegossen. Der Vorteil vom Soda gegenüber Tonic Water liegt in zwei Dingen: Zum Einen lässt sich der Gin in seiner puren Form (wenn auch verlängert) genießen, zum Anderen ist der Drink Zuckerfrei. Der Name geht zurück auf Colonel Joe Rickey, der anscheinend No-Sugar-Drinks bevorzugte und zu seinem Bourbon & Soda die Limette hinzugab. Es dauerte aber nicht lange, bis “der Rickey” auch mit Gin getrunken wurde.

Weitere Drink- und Cocktailrezepte wie den “Lemon Drizzle Spritz” gibt es auf www.Sipsmith.com und im “SIP Cocktail Book”.

Fazit zum Sipsmith Lemon Drizzle Gin

Mein Fazit in zwei Worten: Große Begeisterung. Ich mochte Sipsmith Gin auch schon vorher und kann mich am Lemon Drizzle sehr erfreuen. Der deutsche Gin-Markt ist mittlerweile echt unübersichtlich geworden, aber mit diesem Gin wurde er wieder einmal berreichert. Ich denke der Gin spricht nicht nur Sipsmith Fans an, sondern auch Fans von zitrusbetonten Gins wie dem “Malfy con Limone”. Außerdem sehe ich im Lemon Drizzle eine super Basis für entsprechende Cocktails – bzw. um klassischen Cocktails einen Twist zu verleihen. Wenn wir schon beim Thema Twist sind: Warum nicht zusammen mit Zitronensaft und Puderzucker eine Glasur für Zitronenkuchen probieren? Bei 700ml dürften ja 2cl für Experimente übrig bleiben.

Verfügbarkeit

Der Sipsmith Lemon Drizzle Gin war bei uns bisher nicht so einfach zu bekommen. Über Umwege aus UK haben ihn einige Onlinehändler bereits angeboten, dann aber meistens nur in der Halbliter-Flasche. Oder man hat sich den Gin selber aus UK importiert bzw. mitbringen lassen, so wie ich. Nun ist der Sipsmith Lemon Drizzle Gin aber offiziell in Deutschland erhältlich. Seit kurzem beim Dallmayr Delikatessenhaus, ebenso wie online und ab Juni für die Gastronomie. Es kann also gut sein, dass ihr den zitronigen Genuss bereits in eurer Lieblingsbar erleben könnt, sobald die Bars & Kneipen wieder öffnen dürfen.

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