Springbank 1992/2019 26yo Bourbon Barrel

Unabhängige Abfüllungen dieser Brennerei führen bei Genießern und Kennern zu höher und schneller schlagendem Puls. Die Rede ist von der Brennerei Springbank. Der veränderte Puls geht meißt einher mit einem höheren Ausgabepreis. So war es auch bei dem 26 Jahre alten Springbank 1992/2019, den TheWhiskyKingdom und Duckhammers Rare&Fine abgefüllt haben. Trotz des Preises gingen die 111 Flaschen des Single Casks schnell weg und sorgten für ein Echo in der Whiskywelt. In meinem Beitrag erfährst du, ob der Hype um diese Abfüllung in meinen Augen gerechtfertigt war und ob du hier etwas verpasst hast.

Woher kommt der Hype um die Brennerei Springbank?

Campbeltown ist nicht nur die Hauptstadt der Kintyre-Halbinsel in Schottland. Campbeltown beherbergte vor vielen Jahren eine große Zahl von Whiskybrennereien und war damit ein Zentrum der Whiskyherstellung. Heutzutage sind in Campbeltown nur noch zwei aktive Whiskybrennereien beheimatet: Glen Scotia und Springbank. Letztere wurde 1828 gegründet und produziert mittlerweile für drei verschiedene Abfüllungsserien: Hazelburn, Longrow und Springbank. Während in anderen Brennereien schon vielfach auf Unterstützung durch Computer oder komplett maschinelle Herstellungsvorgänge gesetzt wird, führt man bei Springbank das Handwerk noch hauptsächlich manuell aus. Das verwendete Gerstenmalz kommt zudem noch komplett aus der eigenen Mälzerei.

Wie komme ich nun auf einen Hype? Das erkläre ich dir: die Qualität von Whiskys aus dieser Brennerei soll seit vielen Jahren sehr sehr gut sein. Das ist erst einmal eine Aussage, die ich schon sehr oft gelesen und gehört habe. Ich persönlich probierte mit dem Springbank 1992/2019 allerdings den ersten Springbank Whisky in meinem Leben – genau genommen eigentlich sogar den Zweiten, da ich bereits einen Longrow im Glas hatte. Somit kann ich dieser Aussage bis heute eigentlich nicht wirklich zustimmen oder Kontra geben. Was ich aber bisher sehen konnte, waren die hohen bis sehr hohen Preise im Einzelhandel bzw. auf dem Sekundärmarkt. Bei Single Cask Flaschen unabhängiger Abfüller geht das dann nochmals ein Stück nach Oben, so wie man auch bei diesem Springbank 1992/2019 sehen kann, für dessen 26 Jahre ganze 419,00 € veranschlagt wurden. Ich kann mir den Preis hier also durch eine Kombination aus sehr guter Qualität und oft limitierten Ausgaben erklären. Und wie immer hat das Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage Einfluss auf den Preis.

Faktencheck

  • 47,7 % Vol.
  • 26 Jahre alt (Distilled 19927 / Bottled 2019)
  • Single Cask: 111 Flaschen (Barrel #153b)
  • nicht kältefiltriert
  • keine Verwendung von Farbstoffen
  • Lagerung im Bourbon Barrel
  • Unabhängiger Abfüller: TheWhiskyKingdom & Duckhammers Rare&Fine
  • 419,00 € (0,7 Liter)
Springbank 1992/2019
“The Wolf of Campbeltown” – so sieht das Etikett der Single Cask Abfüllung des Springbank 1992/2019 aus

Tastingnotes zum Springbank 1992/2019

Honiggelb leuchtet dieser Springbank 1992/2019 im Glas. Beim Schwenken hinterlässt er allerdings eher wenige und dünne Rückstände. Dafür bleibt er in der Nase. Butterscotch und Biskuitteig harmonieren sehr gut im Aroma. Vanille und getrocknetes gelbes Obst zeigen sich intensiv und schwer in der Nase, lassen aber etwas Rauch und metallische Anklänge an mich heran. Der Rauch erinnert mich etwas an den Geruch, wenn ich die Motorhaube meines geparkten Autos öffne und einatme. Ich meine, etwas Eukalyptusöl wahrzunehmen. Diese ätherischen Öle wecken eine Assoziation zu meiner Zahnpasta.

Alles beginnt sehr süß. In einer Mischung aus flüssigem Honig und malziger Süße bemerke ich neben fruchtigen Noten von getrocknetem Obst eine deutlichere Rauchigkeit, als sie noch im Geruch vertreten war. Er macht sich kräftig und modrig bemerkbar. Der Rauch wirkt alt und irgendwie abgestanden, die Assoziation mit der Motorhaube hält sich. Allerdings bei weitem nicht so intensiv, wie man von klassisch getorften Whiskys gewohnt ist. Hier dürfte das Alter und der lange Fasseinfluss einfach etwas dafür gesorgt haben, dass der Torfrauch sich besser eingebunden hat und weicher wirkt. Je länger ich den Whisky probiere, desto würziger wird das Gefühl an der Zunge. Auch das Eukalyptus-Aroma nimmt an Intensität zu. Ein Whisky, der die Beschreibung “komplex” mehr als verdient hat.

Im Abgang zeichnet sich der Springbank 1992/2019 weiterhin komplex aus. Das Mundgefühl ist zum Schluss hin sehr würzig und trocken, aber auch hier werden noch ein paar Anklänge der getrockneten Früchte, von Eukalyptus und Honig transportiert. Ein leichter Restrauch bleibt übrig.

Fazit

Ein Genuss für meine Nase und den Gaumen. So würde ich den Springbank 1992/2019 betiteln. Sieh das bitte nicht als Superlativ, sondern eher als freudiges Fazit dieses Single Malts. Ich habe wirklich Spaß beim Verriechen und Schmecken des Whiskys gehabt und kann jetzt den Hype um Whiskys der Brennerei Springbank etwas nachvollziehen – allerdings bin ich trotz dessen weiterhin nicht bereit, solche gesalzenen Preise für Whisky mit diesem Alter zu zahlen.

Mein Dank geht an Sebastian von Duckhammers für das Foto und die Möglichkeit, diese kleine Single Cask Abfüllung zu probieren. Ich weise ausdrücklich darauf hin, dass unsere Meinung jederzeit unabhängig und ehrlich auf diesem Blog kommuniziert wird.

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