St. Kilian Signature Edition One

Seit 2016 ist im bayerischen Rüdenau was los: die Whiskybrennerei St. Kilian von Andreas Thümmler brennt. Keine Sorge, die Feuerwehr muss nichts löschen, die Rede ist vom Whiskybrennen. Im letzten Jahr erschien dann auch endlich der erste fertige Whisky der Brennerei, der St. Kilian Signature Edition One – exakt diesen Whisky habe ich auch endlich probiert und meine Notes für dich aufgeschrieben.

St. Kilian – die ambitionierte Brennerei aus Rüdenau

Im Vorfeld des ersten richtigen Single Malt Whiskys wurde ordentlich die Werbetrommel gerührt. Während also der 2016 gebrannte New Make Spirit im Fass lag, um zum St. Kilian Signature Edition One heranzureifen, wurden der New Make Spirit White Dog und verschiedene Fassexperimente, die The Spirit of St. Kilian, auf den Markt gebracht. Einerseits natürlich ein kluger Schachzug, um die bereits aufgetretenen Kosten und Investments in das Unterfangen etwas abzudecken, andererseits für den Käufer und Fan eine gute Möglichkeit, den Werdegang der Brennerei und ihres New Make Spirits zu verfolgen. Ich muss gestehen, dass ich persönlich bisher keinen der Spirits probiert habe, da ich mein Augenmerk eher auf den fertigen Whisky konzentrieren wollte. Ich denke, da hat jeder eine andere Meinung dazu, aber das ist nunmal meine.

Gerade habe ich von Investitionen geschrieben. Ich denke, das ist nun eine gute Gelegenheit, um den Eigentümer und Gründer der Brennerei ins Spiel bringen: Andreas Thümmler. Während er beruflich im Bereich des Investmentmanagements zuhause ist, ist er privat vor allem Eines: ein Whiskyfan. Und so reifte in seinem Kopf die Idee einer nach schottischem Vorbild erbauten Whiskydestillerie im bayerischen Rüdenau heran. Aus einer ehemaligen Textilfabrik wurde so mit viel Engagement und Know-How aus Irland und Schottland St. Kilian geboren. Vom schottischen Unternehmen Forsythe stammen so die kupfernen Brennblasen, während man zusätzlich auf das Wissen von Master Distiller David F. Hynes aus Irland setzte.

Was kann man sich unter dem St. Kilian Signature Edition One vorstellen?

Grundsätzlich erstmal einen Whisky aus Deutschland, der für mindestens 3 Jahre und 1 Tag in Fässern schlummerte und dann in Flaschen abgefüllt wurde, die einer Post Still ähneln. Natürlich auf alle Fälle ein junger Whisky, dem man es anmerken wird. Um der geschmacklichen Jugendlichkeit, der ja die längere Zeit im Fass fehlt, entgegen zu wirken, hat man sich für eine Lagerung in verschiedenen Fässern entschieden. 37% des New Makes lagerte man in Ex-Bourbon-Fässern, weitere 37% in Ex-Martinique-Rhumfässern. 18% durften in Ex-PX-Sherryfässern verweilen, 5% in Kastanienfässern und 3% in Ex-Bourbon Quarter Casks. Eine Mischung aus fünf Fasstypen, die jeweils ihrerseits versuchen würden, ihren Stempel auf den New Make aufzudrücken. Wie sich diese Auswahl auf den Whisky letztendlich ausgewirkt hat, beschreibe ich dir jetzt in meinen Tastingnotes.

St. Kilian Signature Edition One

Faktencheck

  • 45 % Vol.
  • mindestens 3 Jahre (2016-2019)
  • nicht kältefiltriert
  • keine Verwendung von Farbstoffen
  • Lagerung in Ex-Bourbonfässern, Ex-Martinique-Rhumfässern, Ex-PX-Sherryfässern, Kastanienfässern und Ex-Bourbon Quarter Casks
  • ca. 40 € (0,5 Liter)

Tastingnotes zum St. Kilian Signature Edition One

In der Nase nehme ich ein cremiges zuckersüßes Sahnekaramell und eine ordentliche Portion Vanille wahr. Etwas Zitrussäure, kandierter Apfel, Birnensaft und ein paar Rumpflaumen bilden eine trockene fruchtige Mischung und gehen leicht in einen Ton über, der mich an Phenol erinnert. Dann kommt mir eine frisch gemähte Wiese in den Sinn. Wirkt irgendwie jung und etwas ungestüm. Ich würde ihn nicht unbedingt auf drei Jahre schätzen, vielleicht eher 5-7 Jahre. Aber immer noch im jugendlichen Alter.

Anfänglich zwischen zuckriger Süße schmecke ich etwas Birne in noch relativ fester Konsistenz, gefolgt von einer säuerlichen Note von gährendem Obst. Dann ein jugendliches Brennen vom Alkohol. Es hält intensiv an, zeigt das jugendliche Alter ehrlich auf. Für ein mich zufriedenstellendes Geschmackserlebnis noch etwas zu jung im Antritt. Durch die Verwendung der verschiedenen Fässer wollte man wohl den durch das junge Alter des Single Malt Whiskys fehlenden Fass Kontakt etwas Wett machen – das ist zum Teil auch gelungen. Denn für so ein Alter ist er relativ komplex. Die jugendliche Schärfe wird durch süßen Apfelsaft und etwas Zitrussäure und in Rum eingelegte Pflaumen abgeschwächt. Der Whisky bietet eine gute Würze, etwas überreife Mango und Ananans schmecke ich zudem heraus.

Im Abgang brennt es nochmal etwas, dann legt sich der Fokus vor allem auf ein malzig-nussiges Karamellbonbon und Birne. Hauptsächlich aber eher auf die leicht bittere Birnenschale. Trockene Würze und das Aroma von Rumpflaumen halten noch länger an.

Fazit

Irgendwie werde ich mit diesem ersten Single Malt Whisky aus Rüdenau noch nicht warm. Es mag am jungen Alter liegen, aber die interessanten Aromenschichten, die durch die Verwendung verschiedener Fässer hervorgerufen wurden, reichen mir noch nicht aus. Mario Rudolf scheint als Master Distiller schonmal auf dem richtigen Weg zu sein, gerade was die Auswahl der unterschiedlichen Fässer angeht, aber für mich braucht zumindest der St. Kilian Signature Edition One noch ein paar Jahre mehr auf dem Buckel und einen weicheren und erwachseneren Antritt im Geschmack. Die Brennerei und ihre zukünftigen Whiskys werde ich auf alle Fälle mal im Auge behalten.

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