The Alkahest | The Spirits Alchemist

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Vor einiger Zeit hatte Sebastian Büssing unter seinem Label The Spirits Alchemist bereits einen sehr interessanten und vom Aroma her außergewöhnlichen Whisky herausgebracht. Nun hat er es wieder getan und ich stelle dir heute sein neues Experiment vor: The Alkahest.

Es ist noch nicht lange her, da erwähnte Sebastian auf der Finest Spirits 2020 bei unserem Gespräch sein nächstes Projekt. Die Rede war von einem Finish, was es bisher so noch nie gab. Bereits mit seiner ersten unabhängigen Abfüllung, dem Des Kumpels Schicht-Glück, hatte er viele mit einem sehr speziellen Bier-Finish überrascht. Auf der Messe sprach er von seinem The Alkahest, von dem er mir nun zwei Samples zugesendet hat. Um den Einfluss seines besonderen Finishes im Detail zu erfahren, hat er mir ein Sample des 8-jährigen Glenshiels und ein Sample seines fertigen The Alkahest zugeschickt. Ich bin nun wirklich gespannt, wie sich das Finish mit dem Holz, dem Torf und den Walnüssen ausgewirkt hat.

Faktencheck

  • 59,7 % Vol.
  • 8 Jahre alt
  • nicht kältefiltriert
  • keine Verwendung von Farbstoffen
  • Reifung in einem First Fill Bourbon Cask
  • Finish in einem Oak Cask smoked with Wood, Peat & Nuts
  • o.A. € (0,5 Liter)

Der Glenshiel – alles braucht ein Fundament

Als Basis für sein Experiment The Alkahest diente Sebastian Büssing ein Whisky aus der schottischen Speyside, der den Namen Glenshiel trägt. Mir ist allerdings keine Brennerei bekannt, die diesen Namen trägt. Forscht man etwas in den Weiten des Internets nach, erfährt man schnell, dass es mal eine Abfüllung der Brennerei Loch Lomond gab, die unter diesem Namen erschien. Da Loch Lomond in den Highlands liegt, kann es diese schon mal nicht sein. Und dann taucht der Name Glenrothes auf. Diese Brennerei aus der Speyside sagt denke ich Jedem etwas. Aber warum der Name Glenshiel? Das scheint daran zu liegen, dass Glenrothes auch einigen Whisky für die Blendproduktion verkauft. Und dieser Anteil wird Glenshiel genannt, weil die Brennerei und ihr Team keinen Einfluss darauf haben, was mit diesem “Grundprodukt” passiert. Und dieser Glenshiel durfte nun vor Sebastians Experiment für acht Jahre in einem First Fill Bourbon Cask reifen.

Im Nosing des Ausgangproduktes zeigt sich ein deutliches Aromenbett aus Früchten. Dominierend spielen sich die süßlich-fruchtigen Aromen von reiner Birne, Aprikose und Pfirsich ab. Dahinter kommt reifer Apfel mit Zimt und Vanillezucker zum Vorschein. Weiche getreidige Noten und ein leicht blumig-seifiger Nachhall runden den Whisky in der Nase harmonisch ab. Sehr würzig geht es dann am Gaumen zu. Intensives Getreide, eine ordentliche bittere Fracht Eichenholz und scharfe Gewürze dominieren im Mund. Erst dahinter erahnt man etwas Vanille und die fruchtigen Aromen aus dem Nosing. Am Deutlichsten bleiben hier Birne und Aprikose in Erinnerung. Da ist nicht mehr viel von der fruchtigen Sanftheit der Nase, denn im Geschmack kommt der Glenshiel deutlich rauer daher. Der Abgang fällt dann ebenfalls deutlich holziger und bitter aus. Das Aroma von Marzipan gesellt sich am Gaumen noch dazu. Das Grundprodukt werde ich für meinen persönlichen Geschmack nicht nochmals probieren, da der Glenshiel absolut nicht mein Fall ist. Nun bin ich aber umso mehr gespannt, was Sebastian Büssing mit seinem Finish erreichen konnte.

Passend zum Abfüllernamen “The Spirits Alchemist” habe ich von Sebastian zwei Reagenzglas-Samples erhalten. Einmal das Ausgangsprodukt und einmal den fertigen The Alkahest. Einen großen farblichen Einfluss hatte das Fass nicht auf den Whisky.

Das “noch nie dagewesene” Finish

Sebastian erzählte mir auf der Messe, dass er darüber nachdachte, wie man einen Whisky mit Aromen versorgen kann und ihm eventuell einen leicht rauchigen Stempel verpassen konnte. So entstand die Idee zum The Alkahest. Dabei räucherte er das Whiskyfass für 24 Stunden mit Torf, Fassdaubenstücken und Walnuss-Schalen. Und danach wurde der Glenshiel darin gefinisht.

Tastingnotes: The Alkahest

Hier zeigt sich schon deutlich, dass das Finish dem Glenshiel ordentlich Charakter verliehen hat. Ich bemerke nur leichte fruchtige Töne, sie werden von herben nussigen Noten und Rauch von angekokeltem Holz überfrachtet. Ein bisschen erinnert mich dieser Rauch auch an geräucherten Schinken aus dem Schwarzwald. Nach und nach kommen die fruchtigen Aromen mehr zum Vorschein und bringen Shortbread, Haferflocken und Vanille mit. Im Nosing war der Glenshiel genauso harmonisch, den Alkahest finde ich allerdings deutlich vielschichtiger.

Im Mund macht sich eine zimtige Schärfe breit, dann kommt ein ordentlicher Fruchtkorb. Süß, sauer und intensiv – vor allem Mandarine und Birne schmecke ich. Gleich darauf bemerke ich die prägnanten bitteren und erdigen Aromen der Walnuss. Der Rauch liegt sanft über dem Geschmack. Hier scheint Gras oder Holz angekokelt zu sein. Dann kommt der im Nosing wahrgenommene geräucherte Schwarzwälder Schinken durch. Man merkt richtig die Ausdruckskraft und die deutlich vielschichtigeren Aromen, die der Glenshiel durch das Finish erhalten hat. So ist der The Alkahest im Vergleich zum Ausgangsprodukt nicht mehr ganz so ruppig und lässt sich mit den 59,7 Vol-% auch ohne Zugabe von Wasser gut trinken.

Der Abgang ist wärmend und lange. Ich bemerke ein bisschen der fruchtigen Noten. Allerdings dominieren hier vor allem angekokeltes Holz, süße Vanille und Nussaromen.

Fazit

Ich gebe es zu, von dem 8-jährigen Ausgangsprodukt Glenshiel war ich nicht wirklich begeistert. Während er in der Nase noch harmonisch mit Früchten und Vanille gespielt hat, war er im Geschmack viel zu ruppig und langweilig. Das hatte mir nicht sonderlich Spaß gemacht. Durch das spezielle Finish hat er allerdings viel Charakter hinzugewonnen. Sebastian Büssing zeigt mit seinem Experiment deutlich auf, was ein Finish bei einem Whisky bewirken kann. “The Alkahest” hat mir sehr gut gefallen, was auch zu einer Empfehlung von meiner Seite führt. Mein persönlicher Favorit bleibt aber “Des Kumpels Schicht-Glück”, welchen Sebastian zuletzt als unabhängiger Abfüller auf den Markt gebracht hatte.

Den Beitrag zu Sebastians in einem Eispilsbock-Fass gefinishten Whisky findest du hier:

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