The Scotch Malt Whisky Society old & rare Christmas Tasting

Am 04.Dezember 2018 lud die Scotch Malt Whisky Society (kurz: SMWS) einige Blogger und Journalisten zum Old & Rare Christmas Tasting. In der tollen Atmosphäre des Pacific Times in München führte SMWS Ambassador Andreas Till durch die Welt der Society und ließ uns einige exklusive Tropfen verkosten.

Seit ein paar Monaten bin ich bereits offiziell Mitglied der Scotch Malt Whisky Society. Das war allerdings eher ein Zufall, als ich Anfang 2018 bei einem Gewinnspiel den Hauptpreis, nämlich eine Ein-Jahres-Mitgliedschaft gewonnen hatte. Jetzt fragt ihr euch sicherlich genauso wie ich vor ein paar Monaten, wer denn diese Scotch Malt Whisky Society ist und warum man dort Mitglied sein kann oder sollte.

Die Society

Da müssen wir im Jahr 1978 beginnen. Blended Scotch war “der heiße Scheiß”. Der spätere Gründer der SMWS, Philip „Pip“ Hills, reiste zu dieser Zeit quer durch Schottland, um Samples für Single Malt Abfüllungen zu bekommen. Ihm war bewusst, dass die meißten Schotten vor allem verschnittenen Whisky konsumierten. Pip Hills wollte seine Kenntnisse über den Inhalt von Whiskyfässern erweitern, um die Wertschätzung des Single Malt Whiskys zu erhöhen. Das Highlight, ein ganzes Fass für eine Party im selben Jahr, führte schließlich zur Gründung der Scotch Malt Whisky Society.

Der Grundgedanke der Scotch Malt Whisky Society ist, einzelne Fässer, sogenannte “Single Casks” in Flaschen abzufüllen und diese statt des Brennerei-Namens nur mit einer Nummer für die jeweilige Brennerei, einer Farblasche für die jeweilige Geschmacksrichtung (zur Einordnung exisiert ein Fächer) und einem verrückten Namen zu versehen. Anhand des Nummerncodes können die Brennereinamen bei Bedarf allerdings nachvollzogen werden.

Das Tastingboard, welches die einzelnen Abfüllungen verkostet, schreibt die offiziellen Tastingnotes für die Society. Hierbei und auch bei der Namensfindung nimmt sich das Tastingboard allerdings selbst nicht allzu ernst. Was das Tollste am Tastingboard ist? Die Teilnehmer stammen aus allen Berufen. Hier sind vor allem normale Genießer, keine reinen Whiskypäpste vertreten. Die einzelnen Abfüllungen können schließlich nach einem monatlichen “Outturn-Tasting”, welches sowohl von den Mitgliedern als auch Nicht-Mitgliedern besucht werden kann, exklusiv von den SMWS-Mitgliedern erworben werden.

Andreas Till & das Pacific Times

Andreas und Florian beim Nosen

Seit 1997 betreibt Andreas Till die Bar Pacific Times im Gärtnerplatzviertel in München. Ganz nebenbei ist er Brand Ambassador der Scotch Malt Whisky Society für München. Seine Gastroerfahrungen bringt er beim Tasting mit ein. So ist er zwar kein überzeugter Whisky Trinker, hat dafür aber seit vielen Jahren geschulte Sensorikkenntnisse. 

Seine Bar ist optisch an die englische Kolonialzeit angegliedert, was sowohl Nicolas als auch mir sehr zuspricht. Sie verfügt über eine tolle Auswahl an hochwertigen Spirituosen. Andreas Till war es wichtig, sich nicht auf eine Spirituosen Gattung zu spezialisieren, da in seinen Augen eine gute Bar in jedem Segment eine hochwertige Auswahl bieten sollte, wie er Nicolas und mir erzählte.

Zu Finden ist seine Bar Pacific Times in der Nähe des Isartors in der Baaderstraße 28 in München.

Die Bar der Pacific Times

Für kulinarische Abwechslung zwischen den unterschiedlichen fassstarken Whiskys sorgte die Küche des Pacific Times mit leckeren Zwischengängen. Serviert wurden Tatar vom Black Angus Rind mit Rosmarin Crostini und Pimientos de Padron (regionales spanisches Gericht), in Teig gebackene Garnelen mit süß/scharfer Soße, eine Käseauswahl mit Feigensenf und Brot und zum Abschluss Schokoladen-Cranberry-Tartlettes mit Orangenkonfit und in Zartbitterschokolade umhüllte Datteln mit Marzipanfüllung.

Die Whiskys

1. 58.24 (Brennerei Strathisla) 9yo “Melts in your Mouth”

Andreas Till beschreibt diesen Whisky, mit dem er das old & rare Christmas Tasting begann, als “Nachmittagswhisky”.

Nase: Maple Sirup, Zimt, Marshmellow, Toffee, Birne, Traube

Geschmack: deckt sich mit dem Nosing, leichte Alkoholtöne sind zusätzlich vorhanden

Abgang: mild bis mittellang

Fazit: Leicht und Weich. “Mellow” trifft es sehr gut, trotzdem leichte Schärfe dabei. Diese ist allerdings der Fassstärke geschuldet, immerhin hat der Single Malt 53,9 Vol.-%.

2. 35.219 (Brennerei Glen Moray), 14yo “Mystisch, magisch, mysteriös”

aus einem Barriquefass (Ex-Chardonnay). Dieser Whisky war die erste exklusive Abfüllung für Deutschland, die im Voraus durch ein Gremium an Mitgliedern und Fans ausgewählt wurde.

Nase: Datteln, Nuss, Holz, Trauben, fruchtig und Gewürze

Geschmack: weihnachtliche Gewürze, Trauben, Früchte und etwas Schärfe

Abgang: beerig, würzig, mittellang

Fazit: Schöne aber spaltende Abfüllung, da Chardonnay-Finishes doch sehr speziell sind und nicht immer ihre Freunde finden.

3. 35.215 (Brennerei Glen Moray) 16yo “Juicy figs and gummy sweats”

aus New Oak Puncheon (Sherry Fass aus Jerez), ca. 8L Rest Sherry im 600L Fass in Kombination mit der Oxidation führt zum Reifen und zum Geschmack des Whiskys.

Nase: viel Holz, Portweinnuancen, Früchte und Beeren

Geschmack: Beeren, Früchtetee, süßer Honig, Eichenwürze

Abgang: warmer angenehmer Abgang mit dunklen Früchten

Fazit: Beerig, würziger Whisky mit weihnachtlichen Nuancen.

4. 76.137 (Brennerei Mortlach) 30yo “Complete nirvana”

 aus einem Refill Ex-Bourbon Hogshead

Nase: Gelbe Früchte im Vordergrund, vorallem Birne, aber auch Zuckermelone, leicht ledrige Töne, Kaktusfeige

Geschmack: würzig, exotische Früchte wie Papaya, Mango und Litschi, Zuckermelone, leicht torfig

Abgang: mild und komplex, leicht torfig, ungewöhnlich für Whiskys aus der Speyside

Fazit: Ein toller, komplexer Malt, der für einen Whisky aus der Region Speyside überaschende Torf-Töne aufweist. Einen 30 jährigen Mortlach im Glas haben zu können, ist allerdings schon ein Erlebnis, da man nicht so einfach an ältere Tropfen der Brennerei gelangt.

Nicolas beim Nosing

5. 29.234 (Brennerei Laphroaig) 27yo “Smoked and salted toffee apples”

aus dem Refill Ex-Oloroso Sherry Butt

Nase: wie drei Mal Lagerfeuer ohne Duschen, geräucherter Schinken

Geschmack: Rauchig, trocken (typisch Laphroig trockener Rauch, kein weicher Torfgeschmack wie andere Islay Whiskeys), Citrusnoten, geschmacklich wie das Brot was zu lang auf dem Lagerfeuer war. Oder wie mir spontan noch eingefallen ist: geräucherter Schinken mit Apfelmuß.

Abgang: lang, trocken, rauch

Fazit: Auch wenn dieser Laphroaig deutlich mehr zu bieten hatte, wie “einfachere” Raucher, werden rauchige Whiskys einfach nicht unser Hauptaugenmerk bekommen. Zumindest derzeit, denn dafür fehlt uns zu sehr die Freude am Rauch.

Die probierten Whiskys hatten tolle Farbtöne im Glas…

Unser Fazit:

Das old & rare Christmas Tasting war ein sehr schönes Event mit leckeren Zwischengerichten, professioneller Führung von Andreas Till in toller Atmosphäre im Pacifik Times.

Es war sehr spannend, mal in das Konzept der Scotch Malt Whisky Society hineinzuschnuppern. Von der Auswahl der Fässer über die Erstellung der Notes durch das Tastingboard (wie uns Andreas aus erster Hand berichten konnte), den Outturn-Tastings für die Mitglieder (einmal im Monat, thematisch, bevor die Flaschen an die Mitglieder verkauft werden), bis hin zum Verkauf der exklusiven Abfüllungen an die Mitglieder. Im Vergleich mit Abfüllungen ähnlicher Altersklassen der jeweiligen Brennerein hat sich herausgestellt, dass die Single-Cask-Abfüllungen nicht teurer ausfallen und das trotz Fassstärke!

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