War of the Peat Plakat

THE WAR OF THE PEAT by WHIC

Mit „THE WAR OF THE PEAT“ hat WHIC.de absofort eine Abfüllungsserie für Fans stark rauchiger Whiskys im Programm. Seit dem 01.10.2019 erscheinen nacheinander 13 ausgewählte Abfüllungen der rauchigen Sorte unter einem neuen Label des Händlers. Dieser Artikel wird regelmäßig erweitert und begleitet uns durch die verschiedenen „Phasen des Krieges“.

Über die Serie The War of the Peat

Die Invasion hat begonnen – so schreibt es WHIC auf seiner Webseite. Für mich ist es tatsächlich ein unvorbereiteter Angriff, eine Invasion auf meine Geschmacksnerven. Ich bin in der Vergangenheit zugegebenermaßen eher zurückhaltend gewesen wenn es um stark rauchige Whiskys ging. Es sind zwar schon einige der üblichen Vertreter Lagavulin, Laphroaig und andere „Raucher“ durch meinen Gaumen geflossen, ich bin jedoch alles andere als ein Peathead. Beim Lesen wird man merken, dass ich manchmal nicht die richtigen Worte für rauchige Noten treffe. Und gerade deshalb freue ich mich auch darauf meinen eigenen Horizont erweitern zu können und die Erfahrung mit euch zu teilen. Vielleicht werde ich damit bei dem ein oder anderen Leser anecken, aber genau das will die Serie auch.

Die limitierten Abfüllungen sollen mit Motoröl, Speck und brachialen Rauchnoten die Geschmacksnerven beanspruchen. Das richtige Setting dazu bietet H.G. Wells Roman „War of the Worlds“. Der Krieg der Welten diente Arne Wesche als Inspiration für den Namen und die Gestaltung des Labels. Der Geschäftsführer von WHIC ist echter Science Fiction Fan und fand in der Literatur die Verschmelzung aus Extremen und klassisch, traditionsreichen Komponenten. Das spiegelt sich meiner Meinung nach in der gewählten Kommunikation genauso wieder, wie später hoffentlich auch im Whisky. Beim Verpackungsdesign setzt WHIC auf eine schlichte, schwarze Tube mit den wichtigsten Infos und Zeichnungen aus der Romanvorlage. Am anderen Extrem spielt der Händler gekonnt mit den Möglichkeiten der modernen Marketingklaviatur inkl. Trailervideos. Ich bin gespannt ob die Abfüllungen genauso stark sind wie das Marketing. Es wird Zeit den Konflikt auf die Zunge zu bringen.

Die Invasion hat begonnen – The War of the Peat

Teil 1 von 13: Ballechin 2007/2019

Die erste Rauchbombe kam in Form eines 12-jährigen Ballechin Anfang Oktober auf den Markt und war innerhalb weniger Tage ausverkauft. Zusammen mit dem unabhängigen Abfüller Signatory Vintage wurde der Ballechin Whisky nach seiner Reifung im Sherrycask in natürlicher Fassstärke abgefüllt um echten Geschmack zu garantieren. Für mich, als bekennder Fan von Sherry- und Weinfassreifungen, klingt das natürlich sehr verlockend und nach einem optimalen Einstieg in die Serie. Nebenbei ist es noch interessant zu erwähnen, dass es seit fast 100 Jahren keine eigene Distillerie mit dem Namen Ballechin mehr gibt. Eine andere bekannte Brennerei aus den Highlands, nämlich Edradour, hat den Namen jedoch wiederbelebt und füllt ihre rauchigen Whiskys unter der Marke Ballechin ab. Aber lassen wir uns nicht durch all die Namen und Labels abschrecken, die mit diesem Single Cask Whisky etwas zu tun haben, sondern kommen auf das Wesentliche zurück.

Balleching 2007/2019 Bottle

Faktencheck

  • Ballechin
  • 12 Jahre (2007/2019)
  • Refill Sherry Cask Hogshead
  • 59,3 % Vol. (=Fassstärke)
  • 305 Flaschen aus Single Cask Abfüllung
  • kein Farbstoff, keine Kühlfiltrierung

Tastingnotes

Im Glas fällt mir sofort die dunkle, goldgelbe Farbe auf. Im Schatten erinnert mich der Farbton an natürliches Baumharz, gegen das Licht gehalten ähnelt es eher an Honig. Genauso dickflüssig fließen auch die Schlieren ab, die sich beim Schwenken bilden. Schon jetzt steigt mir ein intensiver Rauch in die Nase, obwohl das Glas etwa 40cm entfernt steht.

Überraschenderweise dominieren im ersten Nosing dann doch die Sherrynoten. Der Torfrauch schlägt kurz danach zu, und zwar nicht zu knapp. Hier treffen definitiv zwei Extreme aufeinander. Bei weiteren Ansätzen ist es Zufall welche der zwei Richtungen überwiegt. Seltener steigt auch ein stechender Alkoholgeruch in die Nase, was mich bei fast 60% Vol. aber auch nicht wundert.

Der erste Schluck schockt. Alles dominiert irgendwie und brennt ein Feuerwerk im Mund ab. Also schnell runter damit und noch einmal langsam an die Sache rangehen. Zweiter Schluck. Wie im Nosing nehme ich die typischen Sherryaromen wahr. Die schwere Süße wird jedoch schnell vom Torfrauch verdrängt. Je länger man den Ballechin im Mund hat, desto intensiver wird das Kribbeln. Langsam gewöhnen wir uns aneinander und ich fange an den Kampf der Aromen zu genießen.

Bei jedem weiteren Schluck bin ich gespannt wer die Oberhand bekommt. Die torfigen Invasoren, die von Rauchspeck, Eichenholz und anderen “schweren” Aromen unterstützt werden? Oder die geballte Sherry-Armee mit dunklen Früchten, Trockenobst und nussigen Kräften? Auf welcher Seite des Konfliktes die süßen Noten von Vanille und Honig stehen kann ich nicht genau bestimmen. Sind sie einach zwischen die Fronten geraten? Wenn man dem Ballechin seine Zeit zum Atmen lässt und evtl. noch einige Tropfen Wasser ins Glas gibt kommen sie jedenfalls ganz gut heraus und ergänzen die beiden Extreme.

Der Abgang ist lang und trocken. Die würzigen Aromen stechen dabei besonders am Anfang hervor und bleiben als Sieger im Gedächtnis. Das anfängliche Brennen (im Tasting ohne Hinzugabe von Wasser) nimmt schnell ab und hinterlässt puren Torf auf der Zunge.

Teil 2 von 13: Caol Ila 2009/2019

Die Invasion hat nun Islay erreicht. Von den 9 aktiven Whiskybrennerien auf der Hebriden-Insel steuert die Caol Ila Distillery den zweite Whisky zur Reihe bei. Die Islay-Whiskys sind bei Kennern besonders für ihre Rauchigkeit und unterschiedlich, intensive Torfnoten bekannt. Caol Ila stellt da keine Ausnahme und ist daher wie geschaffen dafür die Serie fortzuführen. Ohne großes Vorgeplänkel will ich mich jetzt aber auf den 9-jährigen Single Cask Whisky stürzen wie eine Invasion auf den Feind. Wer mehr über Islay und die verschiedenen Whiskyregionen erfahren möchte, der sollte unbedingt einmal einen Blick auf die Whisky EBooks von Whic.de werfen.

The War of the Peat Caol Ila

Faktencheck

  • Caol Ila Distillery
  • 9 Jahre (2009/2019)
  • Cask #319400, Eichenfass
  • 338 Flaschen aus Single Cask Abfüllung
  • 56,8 % Vol. (=Fassstärke)
  • kein Farbstoff, keine Kühlfiltrierung

Tastingnotes

Im Vergleich zum Vorgänger fällt sofort die helle Farbe des Whiskys im Glas auf. Man kann den Caol Ila mit 9 Jahren gerade noch so als “jungen Whisky” klassifizieren. Der Unterschied zum 12jährigen Ballechin, der auch nicht so viel älter ist, liegt jedoch eindeutig im verwendeten Fass. Wie frisches, helles Eichenholz würde ich auch die Farbe beschreiben. Je nach Lichteinfall auch irgendwo zwischen Weißwein und Rapsöl. Schön ölig langsam fließen auch die Schlieren am Glasrand hinab, wenn man das Nosingglas schwenkt und Richtung Nase bewegt.

Der Caol Ila hatte jetzt schon einige Minuten Zeit zu atmen und sich zu entfalten. Beim Nosing fliegen zuerst süße Fruchtnoten aus dem Glas, die harmonisch von Torfnoten untermalt werden. Je tiefer die Atemzüge werden, umso dominanter werden Torf und Rauch. Der Rauch ist dabei aus der Liga “toter Rauch”, eher Asche als lebendiges Feuer. Das verträgt sich aber super mit dem leicht medizinischen Charakter vom Torf. Ich genieße das lange, ausgiebige Riechen am Glas und könnte mich die nächsten 30 Minuten nur damit beschäftigen. Anders als der vorherige Ballechin bringt der Caol Ila ein schmeichelhaftes, weiches Erlebnis mit und kündigt ein tolles Geschmackserlebnis an ohne mit der sprichwörtlichen Tür ins Haus zu fallen.

Dafür, dass sich der Whisky im Nosing so zurück gehalten hat, bin ich überrascht vom intensiven ersten Schluck. Ein leichtes Brennen macht sich mit einer wohligen Wärme am Gaumen breit und setzt ein Statement. Das ölige Gefühl im Mund und der leicht salzige Küstencharakter, den man der Caol Ila Distillery nachsagt, sind auf jeden Fall spürbar. Das merke selbst ich als Kind des Voralpenlandes, der mit dem Meer so viel verbindet wie Halloween mit deutscher Tradition. Die starke Fruchtnote gefällt mir außerordentlich gut. Es sind die süß-sauren exotischen Früchte, die dabei herausstechen. Ananas, Litschi, Grenadilla. Dazu kommt noch ein leichter zitruslastiger Einschlag.

Aber wo ist jetzt unser Freund Peat abgeblieben? Der Rauch hält sich diesmal sehr zurück bzw. harmoniert so gut, dass er schnell in Vergessenheit gerät. Erst wenn man den Caol Ila lange im Mund hat und das leichte Brennen langsam an Intensität zunimmt kommt er wieder hervor und verdrängt die Süße. Im kurzen aber kräftigen Abgang schlägt er dann noch mal zu und versucht mit dem Jodgeschmack des Torfs zu punkten. Ob er es schafft sich gegen die fruchtige Dominanz durchzusetzen? Da müssten wir mal alle glücklichen Besitzer der zweiten Abfüllung befragen – denn auch dieses Fass ist wieder schnell ausverkauft gewesen.

Der War of the Peat geht weiter

Die Serie ist noch nicht am Ende angelangt. Genauso wenig wie dieser Artikel, ich werde am Ball bleiben und den Beitrag um jede weitere Abfüllung ergänzen die ich in die Finger, oder besser gesagt an den Gaumen bekomme. Vielen Dank an den Händler und unabhängigen Abfüller Whic.de für die bisherige Unterstützung.

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