Japan Whisky Tasting

Japan Whisky Tasting mit Food-Pairing im SUSHIYA sansaro

Heute heißt es bei uns nicht Prost, Sláinte oder Cheers sondern Kanpai! Wir tauchen erstmals ein die Welt der Whiskys aus dem fernen Japan. Dazu genießen wir Fusion Food mit Einflüssen von Asien bis Europa und lernen noch einiges über die Whiskykultur in Japan. Unser Bericht zum Japan Whisky Tasting im Restaurant SUSHIYA sansaro in München

Geschichte und Whiskykultur in Japan

Das Japan Whisky Tasting am 09. Dezember wurde von Jürgen Liebenau geleitet. Als Importeur von japanischen Whiskys und Gins ist er beruflich mehrmals im Jahr in Japan und (nicht nur dadurch) ein echter Experte auf diesem Gebiet. Er begann mit einer ausführlichen Einleitung über die Geschichte des Whiskys in Japan. Dass japanische Whiskys mit zu den Hochwertigsten und mittlerweile auch Begehrtesten der Welt gehören dürfte mittlerweile jeder Genießer mitbekommen haben. Hier in Deutschland wurden die Japaner der großen Masse aber erst durch den Hype in den letzen Jahren bekannt. Sehr interessant dabei ist aber die Tatsache, das Whisky in Japan bereits seit ca. 90 Jahren produziert wird. Ab den 1920ern starteten die Brennereien mit Blended Whisky und nachdem in Europa der Trend zu Single Malt ging, wurden auch in Japan Pure Malts (Blends aus verschiedenen Malts) und Single Malts immer populärer. Ein interessanter Fakt, der sich durch alle vorgestellten Produkte des Events zieht, ist die große Bedeutung die dort der Flasche und dem Label-Design beigemessen wird. Und die japanische Perfektion sorgt dabei für weitere nette Anekdoten des Referenten. Wie man weiß, ist die Güte des Wassers ausschlaggebend für die Qualität des Endproduktes. Aber wusstet ihr, dass Brennmeister Wasserproben zur Analyse nach Schottland schickten, um sich die hohe Wasserqualität schriftlich bestätigen zu lassen? Mit diesem Wissen kann das Japan Whisky Tasting richtig beginnen.

Tasting & Foodpairing

Insgesamt hatte Jürgen Liebenau eine Auswahl von 6 Whiskys für das Japan Whisky Tasting getroffen. Dazu wurden 5 passende Gerichte von Kreativkoch Saito-San serviert. Fünf deshalb, weil der erste Whisky nicht pur ins Tasting gegeben wurde, sondern als Highball. Der Longdrink ist in Japan sehr beliebt und wird selbst im Straßenimbiss von Geschäftsleuten zum Feierabend getrunken. Wir begannen mit dem Klassiker Shirofuda Highball.

Suntory White 43%

Ein typischer Whisky für einen japanischen Highball ist der Suntory White Label (jap.: Shirofuda). Dabei handelt es sich um einen leichten, blumigen Blend mit Geschmacksnoten von Malz bis Honig. Der Grain Whisky im Blend entwickelt seine Aromen erst mit einem Schuss Wasser, weshalb er im Highball eine gute Figur macht und einen guten Einstieg ins Tasting darstellt. Mit 1/3 Whisky, 2/3 Soda, Eis und Zitronenzeste entsteht ein frischer Longdrink für den Sommer oder zum Essen. Die Beliebtheit ist historisch bedingt, da der White Label eines der ersten Produkte von Suntory Yamazaki war. Ein interessantes und ungewöhnliches Detail: Der Gründer Shinjiro Torii war gleichzeitig Geschäftsführer und Masterblender der Brennerei. Er hatte im Schlafzimmer sogar einen eigenen Tastingtisch aufbauen lassen – denn Nachts kommen ja bekanntlich oft gute Ideen.

Nikka Yoichi Single Malt (NAS) 45%

Weiter ging es mit dem Nikka Yoichi Single Malt (NAS) 45%.
Dieser Single Malt ohne Altersangabe (No Age Statement, kurz NAS) kommt aus Hokkaido, der nördlichsten Hauptinsel Japans. Die Lage der Destillerie ist bewusst gewählt. Oben im Norden sind die Bedingungen denen in Schottland am ähnlichsten. Außerdem liegt sie am Meer, während die meisten anderen japanischen Brennereien im Landesinneren liegen. Und das schmeckt man auch.
Im Glas entwickelt der Whisky einen goldorangenen Farbton und ist sehr mild in der Nase. Eine Eigenschaft, die sich viele japanische Spirituosen teilen. Im Geschmack ebenfalls mild und ausgeglichen, dazu kommt ein leichter Torfrauch und Salz. Sehr außergewöhnlich für Japan. Später kommen süße Geschmacksnoten durch, die man mit ein paar Tropfen Wasser super akzentuieren kann. Der Abgang ist kurz bis mittellang mit einer angenehmen Schärfe. Unser Eindruck: Wie ein lieblicher Islay Whisky.
Passend dazu wurde der erste Gang vom Restaurant-Team serviert. In Yoichi eingelegte Auster mit Ponzusoße, pürierter Chili und Schnittlauch. Mit dem Auftakt zum Food-Pairing hat der Koch Saito-San bewiesen, dass es möglich ist, Austern einem Seafood-Skeptiker schmackhaft zu machen, wenn er schon in der Zubereitung mit dem richtigen Whisky zusammengebracht wird.

Suntory Hakushu Single Malt 12 Jahre 43%

Die Nummer drei in der Reihe kam wieder aus dem Hause Suntory. Und auch hier zeigt sich wieder der besondere Bezug der Japaner zur Flasche.
Da die Brennerei Hakushu im Wald liegt, wurde der Whisky passenderweise in einer grünen Flasche abgefüllt. Aus der Flasche fließt es dann bernsteinfarben ins Glas. In der Nase nehmen wir säuerliche Noten und die typische Holznote der 12 Jährigen Fasslagerung wahr. Allerdings ist er sonst im Geruch etwas zurückhaltend. Die Holznoten wechseln sich im Geschmack mit fruchtigen Noten wie z.B. von Sherry ab. Bedingt durch die Höhenlage von Hakushu ist auch dieser Whisky sehr mild und homogen. Die Vergleichbarkeit mit einem schottischen Highlandwhisky ist durchaus angebracht. Genauere Geschmacksnotizen waren für uns leider nicht ermittelbar. Trotz der Schwierigkeiten in der Einordnung bleibt uns der Whisky durch seinen leichten aber langen Nachgeschmack im Gedächtnis. Am Ende zählt aber nur eins: Er schmeckt. Besonders geschmeckt hat uns auch das Gericht, welches dazu serviert wurde: Schweinebauch vom Iberico Schwein, der 24h in Whiskybrühe schonend gekocht wurde. Im Anschluss mit Blattspinat in Blätterteig gerollt und gebacken auf Whiskysoße serviert war das ein echtes Geschmackserlebnis.

Nikka All Malt Grand Age 45%

Als nächstes zauberte Jürgen ein echtes Schmuckstück aus seinem privaten Bestand hervor. Der Nikka All Malt Grand Age ist ein Blended Whisky, der allerdings ein reiner Blend aus verschiedenen Malts ist und keinen Grain Whisky enthält. Gefinished wurde der Whisky in Sherry Fässern, was uns sehr gefällt. Dass er seit 10 Jahren nicht mehr produziert wird und dementsprechend rar ist, hat uns jedoch nicht so sehr gefallen. Denn insgesamt hat er das Potenzial auf eine Topplatzierung, wenn wir eine Rangliste des Abends aufgestellt hätten. Er hat eine schwere, tiefgoldene Farbe.
Schwere Töne verbreiten sich auch in der Nase. Dörrobst, Sherry, Holz. Geschmacklich ist er jedoch anders, als man ihn nach dem Nosing erwarten würde: sehr mild trotz seiner 45 Vol.-%, auch hier Dörrobst mit Holz. Durch die Hinzugabe von ein paar Wassertropfen wird das Aroma intensiver. Toll!
Passend dazu auch ein etwas schweres Gericht: In Misopaste eingelegte Jacobsmuschel und Seeigel, mit Whisky und Minze gedämpft und in einer deftigen Miso-Gorgonzolasauce und Avocadospalten serviert.

Ichiro’s Malt MWR (Mizunara Wood Reserve) 46%

Die Besonderheit bei diesem Pure Malt Blend ist das Fass aus reinem Mizunaraholz. Die Mizunara-Eiche ist eine Art, die im Wasser wächst und im Gegensatz zu den hiesigen Eichen meistens krumm und sehr porös ist. Dadurch ist es schwieriger die Fässer herzustellen und entsprechend rarer. Die Brennerei Chichibu, gegründet von Ichiro Akuto, ließ extra einen Wald anpflanzen, um den Nachschub der Wassereiche zu sichern. Die meisten mit Mizunara gebrandeten Produkte erhalten deswegen nur Finish in den Fässern, bzw. bei Blends stammen nicht alle Malts daraus. Anders beim jungen MWR, bei dem alle enthaltenen Malts in Mizunarafässern gereift wurden. Farblich kommt er hellgelb bis gold daher. Das Holz zeichnet sich im Whisky durch einen süßlich-säuerlichen Geruch bzw. Geschmack aus. Die Assoziation an Litschi ist präsent, das holzige jedoch sehr dominant. Durch sein junges Alter von 3-4 Jahren ist er jedoch sehr scharf. Wenn man sich dadurch nicht ablenken lässt, kann man jedoch einen schönen Abgang auf Gaumen und Hals erleben.
Das passende Gericht dazu war ebenfalls jung und mit dominanten Aromen: gegrillte Lammkrone umwickelt mit hauchdünner, blanchierter Birnenscheibe auf einer Knoblauch-Whisky-Sojasoße. Sehr lecker.

Chichibu Chibidaru Single Malt 53,5%

Die bereits vom letzen Blend bekannte Brennerei Chichibu hat auch Single Malts im Programm. Anhand der 53,5% vol. erahnen wir, dass wir uns dem Ende des Japan Whisky Tasting nähern. “Chibidaru” heißt in etwa niedliches bzw. kleines Fass. Die Reifung fand hier in gekürzten Hogsheads statt. Dabei handelt es sich um Fässer bei denen mit Barrieren das Fassungsvermögen um die Hälfte verkleinert wird. Das Ergebnis ist, dass der Whisky so in kürzerer Zeit mehr Aroma aus dem Fass ziehen kann. Der Hintergrund ist somit auch ein finanzieller, denn eine längere Lagerdauer ist gleichzeitig auch teurer. Von diesem Whisky mit rotgoldenem Farbton gibt es nur 3.900 Flaschen weltweit. Beim ersten Schluck wird außerdem klar: Der Whisky ist ein guter Desertwhisky.
In der Nase treten Zuckerwatte, Bonbons und Butterscotch an. Geschmacklich ist er süß, süß und noch mal süß. Die angesprochenen Süßwaren treten im Wettstreit gegeneinander an. Und gerade deswegen auch nur für die Genießer, die den sprichwörtlichen “süßen Zahn” haben. Die 53,5 Vol.-% sind absolut nicht spürbar, der Alkohol ist sehr gut eingebunden. Ein ausgesprochen harmonischer, junger und kräftiger Abschluss des Japan Whisky Tasting.
Eine ausgesprochen gute Wahl zum präsentierten Dessert. Whiskysorbet mit Whiskygelee (mit Nikka und Suntory Whisky). Oder wie Nicolas meinte: “Highball Dessert”. Denn das Dessert war wie der Highball zu Beginn sehr erfrischend, nicht so süß wie erwartet und deshalb eine gute Möglichkeit den Mund zwischen den Whisky Schlückchen zu neutralisieren.

Park Cognac Mizunara Finish 43,5%.

Als Überraschung hat uns Jürgen Liebenau dann noch einen französischen Cognac mitgebracht, der in japanischen Mizunara Fässern gefinisht wurde.
Aufgrund der Tatsache, dass wir Jürgen kennen, wussten wir bereits von dieser Überraschung, waren dennoch sehr gespannt. Da wir beide keine Cognac-Trinker sind, konnten wir leider auch nicht viel mit der Überraschung anfangen. Allerdings ist der Cognac laut Jürgen besonders, da es der erste Cognac mit Mizunara Finish ist. Aber was wir sagen können: Es ist kein billiges Produkt und die typische Mizunaraholznote kommt deutlich raus. Oder anders gesagt: “Wie ein Grappa nach dem Essen – Kann, muss aber nicht”.

Die Location

Das Münchner Restaurant SUSHIYA sansaro in der Amalienpassage veranstaltet das Japan Whisky Tasting mit Referent Jürgen Liebenau (www.jwhisky.de). Abseits von verschiedenen Tastings, unter anderem auch Sake, ist das Restaurant für hochwertiges Sushi, japanische Küche und eine große Auswahl japanischer Whiskys bekannt. Darunter auch einige seltene Raritäten, die weltweit schwer zu finden sind. Wir kennen das Restaurant und die Bar im normalen Tagesgeschäft (noch) nicht, vermuten aber, dass sich eine Reservierung anbietet. Die ca. 35 Gäste des Tastings haben das Restaurant bis auf den letzten Platz ausgefüllt und für eine intime Atmosphäre gesorgt. An dieser Stelle möchten wir uns noch einmal bei der gesamten Küchen- und Servicecrew bedanken. Das Küchenteam um Saito-San hat eindrucksvoll gezeigt, dass es beim Tasting nicht immer nur um Getränke geht.

Japan Whisky Tasting
Japan Whisky Tasting

Vielen herzlichen Dank an das Team von Saito-San, Alexander Reinelt und Jürgen Liebenau für den tollen Nachmittag.

Wer nun Lust bekommen selber an einem solchen Tasting teilzunehmen, sollte die Website des Restaurants im Auge behalten. Das nächste Japan Whisky Tasting wird voraussichtlich im Frühjahr 2019 stattfinden.

Übrigens: Alexander Reinelt ist uns beim Preis für das Japan Whisky Tasting freundlicherweise entgegen gekommen und hat uns einen Blog-Rabatt angeboten. Einer ehrlichen und unabhängigen Berichterstattung steht das jedoch nicht im Weg.

Du möchtest mehr über unsere allererste Erfahrung mit japanischem Whisky lesen? Dann klick auf den Link. Aber Achtung, nicht ganz ernst zu nehmen.

www.coffeewhiskyandmore.de/fujikai-10-yo-whisky-verkostung

6 Gedanken zu „Japan Whisky Tasting mit Food-Pairing im SUSHIYA sansaro

    1. Danke für deinen Kommentar Thomas. Wir sind auch auf deinen Beitrag zum Event gespannt. Den Link kannst du gerne hier drunter posten, wenn er online ist.

      Bis Bald.

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