WUTACH London Dry Gin

Im Südosten des Schwarzwalds fliesst ein 91 km langer Fluss, der Wutach genannt wird. Ganz in der Nähe entstand vor kurzem neben Obstbränden und fassgelagerten Bränden ein neuer gleichlautender Gin: der Wutach London Dry Gin von der Indlekofer Edeldestillerie. Ich habe mich für euch mit dem ersten Batch des Wutach Gin näher befasst.

Die Indlekofer Edeldestillerie

Die Familienbrennerei, die seit 2017 von Marco Indlekofer bereits in vierter Generation geführt wird, ist im Ort Wutöschingen ansässig. Dieser Ort liegt am südöstlichen Rand des Schwarzwalds. Bisher wurden hier vor allem Obstbrände und fassgelagerte Brände auf einer Kupferdestille der Marke Arnold Holstein hergestellt. Seit Dezember 2019 setzt man im Schwarzwald aber auf ein weiteres Pferd: den Wutach London Dry Gin. Während der erste Batch bereits ausverkauft ist, soll im Januar 2020 Nachschub kommen.

Die Familie Indlekofer ist sehr heimatverbunden und legt Wert auf Regionalität. Deshalb lag es nahe, den Gin in Anlehnung an das Wutachtal zu benennen, in dem die Brennerei liegt.

Die Botanicals

Im Wutach London Dry Gin vereinen sich 19 Botanicals. Neben Wacholder sind dies u.a. Sternanis, Lavendel, Zitrusfrüchte, Zimt und Kubebenpfeffer. Diese und alle weiteren Botanicals werden in Bio-Qualität verarbeitet und mit Quellwasser aus dem Schwarzwald auf die Trinkstärke von 43 Vol-% verdünnt.

Wutach London Dry Gin
Ein schickes Etikett auf einer milchig-weißen Flasche – wirkt als wäre sie gefroren.

Tastingnotes vom Wutach London Dry Gin

In der Nase taucht am Anfang ein deutlicher aber nicht penetranter Anisgeruch auf. Das ist für mich ein eindeutiges Zeichen für die Verarbeitung von Sternanis. Die starke Intensität der Anisaromen könnte ein Vorbote für deutlichen Anisgeschmack im Gin sein. Mal schauen. Dann tritt leicht scharfer Zimtgeruch auf. Aromen von Koriander sind im Wutach London Dry Gin wahrnehmbar. Ein harzig würziger Geruch dürfte vom Wacholder kommen. Um die intensiven Aromen spielen sich Zitrusnoten ab, vor allem Orange dürfte dabei sein.

Sehr trocken und wild präsentiert sich der Wutach Gin im Geschmack. Wie bereits am intensiven Geruch des Sternanis vermutet, macht er sich im Geschmack deutlich bemerkbar. In der Brennerei scheint man das Anisaroma sehr zu mögen. Allerdings habe ich keinen Ouzo vor mir, denn der Wacholder und Koriander sorgen für einen anderen Einschlag. Etwas Lakritztöne scheinen sich mir da im Glas unterzumischen, eventuell hat man auch Süßholz als Botanical auserkoren? Ein paar Zitrusnoten spielen ebenfalls mit, ordnen sich aber dem deutlichen Aniston stehts unter. Es überwiegen alles in allem die herben, trockenen Noten.

Im Abgang zeigt sich der Gin nochmals wild und trocken. Eine leichte Schärfe, die vom Zimt zu stammen scheint, deutliche Anisaromen und Wacholder legen sich lange im Abgang mit lakritzigen Noten ab.

Mit Eis wirkt der Gin in der Nase eher weicher und süßer, etwas Grasiges liegt im Geruch. Im Geschmack kommt die Sternanis noch stärker heraus, die Schärfe vom Zimt nimmt etwas zu und irgendwie habe ich die leichte Assoziation von einem Eisbonbon.

Nachtrag zum Batch 2 des Wutach London Dry Gin

Marco Indlekofer wollte mit dem Batch 2 seines neuen Wutach Gins ein paar Nuancen der verwendeten Sternanis verringern, um ein stimmigeres Gesamtbild zu erhalten.

In der Nase hat das nicht für deutlich weniger Anisgeruch gesorgt. Hier spielt die Sternanis wie im ersten Batch die erste Geige. Geschmacklich sorgt die Verringerung (eigentlich eher eine Halbierung) der Menge an Sternanis für ein runderes Aroma. Die Anis bleibt im Wutach London Dry Gin neben dem Wacholder Nummer 2, muss sich aber wesentlich mehr mit Zimt, dem mehr im Fokus stehenden Süßholz, den weiteren Kräutern und den Citrusnoten abgeben. Das Gute ist, dass der Grundcharakter des Wutach Gins erhalten bleibt, die weiteren Botanicals aber auch mehr Beachtung bekommen. So ensteht schlussendlich ein runderes Bild.

Die Wahl des richtigen Tonic Waters

Neue Gins probiere ich immer zuerst mit einem klassischen Tonic Water. Die Wahl fiel hier auf das Fever Tree Indian Tonic Water. Im Geruch sind leichte Zitrustöne wahrnehmbar, geschmacklich erinnert der Gin Tonic mich aber eher an einen guten Ouzo vom Griechen um die Ecke mit Tonic Water als Longdrink. Wer gerne Ouzo trinkt, hat hier vielleicht einen neuen Drink für Zuhause gefunden. Bitter im Geschmack und trinkbar, aber nicht mein Favorit. Dafür hat mir der Longdrink zu wenig von einem klassischen Gin & Tonic.

Wutach Gin als Gin & Tonic mit Fever Tree Mediterranean Tonic Water

Mit einem würzigeren Tonic wie dem Fever Tree Mediterranean Tonic Water bekommt man da in meinen Augen schon viel bessere Ergebnisse. Ein kräuteriger Gin Tonic, bei dem der Stil des Gins – die deutlichen Anistöne – nicht untergeht, sondern gut in die Würzigkeit eingebunden wird. Ganz klar: auch hier deutliche Anis. Aber eben besser eingebunden und harmonisch. Auch die eher zarten Zitrusnoten des Gins kommen mit dem Fever Tree Mediterranean Tonic mehr zum Vorschein.

Fazit

Kräftig und intensiv kommt der Wutach London Dry Gin vom Schwarzwald zu uns. Ich bin ganz ehrlich, wer Anis absolut nicht ausstehen kann, sollte vom Wutach Gin der Indlekofer Edeldestillerie definitiv Abstand nehmen. Ich bin selbst kein absoluter Anis-Liebhaber, trinke aber bei meinem Stamm-Griechen schon mal gerne einen guten Ouzo. Deshalb macht mir hier das deutliche Anisaroma nichts aus. Zu wenig ist meißt schlecht – zu viel ist auch nichts. Ich sag wie es ist: im ersten Batch ist der Sternanis sehr intensiv, aber gut eingebunden. Im angepassten Batch 2 ist die Menge des Sternanis fast halbiert worden und so besser im gesamten Gin eingebunden. Der Anisgeschmack ist nicht mehr so intensiv und lässt den anderen Botanicals mehr Freiraum. Jetzt spielen auch das Süßholz und die weiteren Botanicals mehr im Rampenlicht mit. Mit einem Fever Tree Mediterranean Tonic ein mal etwas nicht so alltäglicher Gin Tonic: würzig und anders. Mehr Anis sollte aber nicht im Vordergrund stehen.

Wir wurden von Marco Indlekofer für einen ehrlichen und unabhängigen Testbeitrag mit einer Flasche unterstützt. Wir möchten ausdrücklich erwähnen, dass dies unsere Meinung in keinster Weise beeinflusst.

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